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Neuer Schlüssel stellt Kitas vor Personalprobleme

Bildung Neuer Schlüssel stellt Kitas vor Personalprobleme

Die Verbesserung des Betreuungsschlüssels stellt Brandenburger Kitas vor Probleme: Es wird immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Und eine Studie zeigt: Die Situation droht in den kommenden Jahren schlimmer zu werden. Eltern fordern nun einem Brief an die Abgeordneten eine bessere Ausbildung und mehr Mitspracherecht.

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Die Kitas in Brandenburg stehen vor Problemen.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Verbesserung des Betreuungsschlüssels stellt Brandenburger Kitas vor Probleme: Es wird immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Früher habe es auf ein Stellenangebot 25 Bewerbungen gegeben, erklärt Anne Böttcher, Geschäftsführerin des Kita-Trägers AWO-Brandenburg. „Heute ist man froh, wenn man ein oder zwei Angebote bekommt“, sagte sie.

Vor allem in den Regionen mit starkem Zuzug rund um Berlin sei die Situation kritisch. „Es wird vor allem immer schwieriger, Personal zu finden, das den Qualitätsstandards entspricht.“ Eine Befragung der Liga der Freien Wohlfahrtspflege unter 126 Kitas im Land bestätigt dieses Bild: Demnach berichten 15,2 Prozent der Einrichtungen davon, dass sie Kita-Plätze unbesetzt lassen müssen, weil Personal fehlt.

Umfrage: Kitas vor Ruhestandswelle


Prozent der Kitas in Brandenburg berichten von Problemen bei der Stellenbesetzung. 82 Prozent erwarten in den kommenden fünf Jahren Probleme bei der Sicherung des Personalbestands. Das geht aus einer Befragung der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Brandenburg unter 136 freien und kommunalen Kitas hervor.

Die Situation wird sich verschärfen: 39 Prozent der Einrichtungen stehen vor einer Ruhestandswelle.

Immer häufiger setzen Kitas deswegen auf Quereinsteiger, die unter den Neueinstellungen insgesamt 60,17 Prozent ausmachen.

Das hat wiederum Auswirkungen auf die Einarbeitungszeit. Quereinsteiger müssen im Schnitt 185 Stunden eingearbeitet werden, bei ausgebildeten Erziehern sind es nur 70 Stunden.

Zum 1. August wurde der Betreuungsschlüssel für Kinder von drei bis sechs Jahren von 1 zu 12 auf 1 zu 11,5 gesenkt. In einem Jahr soll er dann auf 1 zu 11 sinken, sich also theoretisch eine Erzieherin um elf Kinder kümmern. In der Praxis wird dieser Wert aber oft nicht erreicht, weil die Kindergärten nicht ausreichend finanziert sind. Denn die Regelfinanzierung in Brandenburg ist auf längere Betreuungszeiten nicht eingestellt.

Dabei bleibt die Hälfte der rund 130 000 Kita-Kinder in Brandenburg länger als acht Stunden in der Kita. Für die Linke, die im Frühsommer durch verschiedene Kitas im Land tourte, ist das ein drängendes Problem. Denn die meisten Kitas behelfen sich damit, dass sie größere Gruppen bilden und damit den Betreuungsschlüssel nicht einhalten könnten, wie die kitapolitische Sprecherin der Linksfraktion, Gerrit Große, beklagte.

Gehalt in Brandenburg besonders niedrig

Hinzu kommt: Im Kampf um Erzieher ist Brandenburg, was die Entlohnung angeht, nicht gerade attraktiv. Das geht aus dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit hervor. 2746 Euro brutto erhält eine Vollzeitbeschäftigte in der Kinderbetreuung demnach im Mittel. Das ist der zweitschlechteste Wert Deutschlands. Nur noch in Mecklenburg-Vorpommern werden Erzieher mit 2422 Euro noch geringer bezahlt. Im Bundesschnitt verdient man als Erzieher 3011 Euro. Die beste Bezahlung gibt es in Rheinland-Pfalz mit 3161 Euro im Monat.

Daher spricht sich Bundeselternsprecher Danilo Fischbach aus Kremmen (Oberhavel) für eine bessere Entlohnung und eine attraktivere Ausbildung aus. „Wir brauchen endlich eine Ausbildungsvergütung für angehende Erzieher“, sagte er. Momentan müssten angehende Erzieher ihre Ausbildung selbst finanzieren, es sei denn, die Kommune springt ein und finanziert die Ausbildung, so wie es etwa die Stadt Oranienburg macht. Dafür müssen sich die Erzieher verpflichten, mindestens drei Jahre in städtischen Kitas zu arbeiten.

Eltern appellieren an die Politik

Die schlechten Nachwuchs-Bedingungen in Brandenburg treiben die Eltern um. In einem Brief an die Abgeordneten des Landtags fordern die Brandenburger Kreiselternbeiräte nun, die Bemühungen um Fachkräfte und Auszubildende deutlich zu verbessern. „Denn der Fachkräftemangel ist bereits Realität“, heißt es in dem Schreiben. Darin schlagen sie die Einführung einer Ausbildungsvergütung vor.

Außerdem wollen die Eltern künftig stärker an der Kita-Politik des Landes beteiligt werden. Ähnlich wie die schulische und universitäre Ausbildung müsse die frühkindliche Erziehung in Kitas künftig kostenfrei sein. Die Eltern machen also weiter Druck in Sachen Beitragsfreiheit: Nachdem sich SPD und Linke nun einig sind, soll das letzte Kita-Jahr ab Herbst 2018 beitragsfrei sein. 20 000 Kinder wären davon betroffen. Dabei darf es aber nicht bleiben, fordern die Eltern.

Mangelnde Rechtsaufsicht

Beklagt wird auch die mangelnde Rechtsaufsicht durch das Land und die Landkreise. Denn die in der Praxis mangelnde Überprüfung, ob Kita-Satzungen, Beitragskalkulationen oder die Höhe des Verpflegungsgelds korrekt sind, sorgt immer wieder für Streit und Klagen vor den Gerichten.

Schließlich soll der Personalschlüssel weiter verbessert werden. Er soll sich in Brandenburg mindestens im Bundesdurchschnitt bewegen. „Unsere Kinder verdienen es, dass ihre Bildung nicht vom Wohnort abhängt“, heißt es. Trotz Verbesserung ist Brandenburg vom Bundesschnitt – eine Erzieherin zu neun Kindern – noch weit entfernt.

Von Torsten Gellner

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