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„Neun von zehn Projekten haben funktioniert“

Bürgschaftsbank „Neun von zehn Projekten haben funktioniert“

Die Bürgschaftsbank Brandenburg wird 25 Jahre alt. Geschäftsführer Milos Stefanovic gibt im MAZ-Interview Einblick in die schwierigen Anfangsjahre, als Autohäuser und Baufirmen wie Pilze aus der Erde schossen, und erklärt, welche Risiken es bei der Unterstützung von kleineren Gründerfirmen gibt. Er weiß auch, was heute das größte Hemmnis für Firmen ist.

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Milos Stefanovic

Quelle: MAZ

Potsdam. Die Bürgschaftsbank Brandenburg gibt es jetzt seit 25 Jahren und gilt als Stütze des Mittelstands. Sprecher der Geschäftsführung ist seit Ende 2004 Milos Stefanovic (59)

Herr Stefanovic, wofür ist eine Bürgschaftsbank gut?

Milos Stefanovic: Wir springen mit einer Bürgschaft in die Bresche, wenn einer mittelständischen Firma bei der Hausbank die Sicherheiten fehlen. Das Unternehmen braucht aber schnell Geld, um sein Wachstum zu finanzieren, da es keine bewertbaren Sicherheiten hat.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie?

Stefanovic : Wir orientieren uns nicht am Objekt, sondern ausschließlich an der Firma und entscheiden,  ob wir dem  Unternehmer zutrauen, mit seinen Plänen eine positive Entwicklung zu nehmen.  Bürgerschaftsbanken gibt es  in jedem Bundesland, sie sind privat und werden von den Banken, Sparkassen, Kammern, Versicherungen  und Verbänden getragen.

Wer waren vor 25 Jahren die ersten Firmen, die Bürgschaften erhielten?

Stefanovic : Hochkonjunktur hatten nach der Wende Autohäuser in riesigen Glaspalästen. Als sichere Münze galten auch hübsch gemachte Bauunternehmen. Doch das war alles nur ein Zwischenboom und kollabierte schnell. Erfolgreicher waren Firmen wie Robeta Holz aus dem uckermärkischen Milmersdorf, die 1991 zu den ersten 15 Unternehmen gehörten, die Bürgschaften zum Aufbau der eigenen Existenz bekamen. Die begannen damals mit zwei Mitarbeitern, heute arbeiten dort 130. Auf Bürgschaften sind die schon lange nicht mehr angewiesen. Wir haben in den 25 Jahren rund  8000 Unternehmen unterstützt.

Haben Sie Lieblingsfirmen, deren Entwicklung Sie noch heute verfolgen?

Stefanovic : Es gibt einige, die mein Herz erwärmen. Dazu gehört die Firma Elbenwald in Cottbus, die Fanartikel aus Fantasyfilmen vertreiben. Die drei Studenten, die das damals aufgebaut haben, waren Fans von „Herr der Ringe“ und haben klein begonnen. Heute hat die Firma über 15 Stores, auch im Ausland und macht 20 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Eine beeindruckende Geschichte ist auch die der Firma SIK-Holz aus Langenlipsdorf in Teltow-Fläming, die Kinderspielplätze in die ganze Welt liefern und Marktführer sind.

Wie hoch war im Rückblick die Quote an Unternehmungen, die schief gingen?

Stefanovic : Man kann salopp sagen: Neun von zehn Projekte haben funktioniert.  Jeder zehnte Euro ist aber weg. Wir wissen leider am Anfang  nie, welcher  von den zehn das ist.  Es gibt eine Risikoteilung. Die Hausbank trägt 20 Prozent. Den Rest übernehmen Bund,  Land und Bürgschaftsbank.

In welchen Branchen ist heute die Nachfrage am Bürgschaftsgeschäft am Größten?

Stefanovic : Jede vierte Bürgschaft wird an Handwerksbetriebe vergeben  –  vom Frisör bis zur Chirurgiemechanik. Verstärkt wird im verarbeitenden Gewerbe investiert. Momentan unterstützt die Bürgschaftsbank  zu 40 Prozent Existenzgründer.  Der Rest sind Firmenexpansionen.

Was sind die größten Nachteile und Hemmnisse für Unternehmen in Brandenburg?

Stefanovic : Dazu zählt zuallererst die überbordende Bürokratie. Deutschland  ist überwuchert von Paragrafen. Viel zu lange dauern Genehmigungen oder Anträge für Zuschüsse bei Ämtern. Unternehmer verlieren angesichts zeitaufwendiger Verfahren die Geduld. Das Land müsste ernsthaft den Bürokratieabbau betreiben wollen. Eine höhere Geschwindigkeit ist unbedingt nötig. Zu den großen Nachteilen in Brandenburg gehören auch die noch unzureichende Breitbandversorgung und die  mangelnde Verkehrsanbindung. Nehmen Sie Bad Liebenwerda, da brauchen sie lange, ehe sie auf der Autobahn sind. Für den Handel nachteilig ist die nur geringe Zahl großer Städte.

Bürgschaften in Höhe von zwei Milliarden Euro seit 1991

Die Bürgschaftsbank Brandenburg hat seit ihrer Gründung Mitte 1991 mehr als 8000 Mittelständler unterstützt.

31 000 Arbeitsplätze konnten mit den Bürgschaften an Unternehmen und Existenzgründer geschaffen werden. Mehr als 126 000 wurden gesichert.

Mit Bürgschaften von zwei Milliarden Euro konnten Kredite für Investitionen von mehr als 4,2 Milliarden Euro bei mittelständischen Betrieben abgesichert werden. Am 22. November 1990 hatte zunächst eine Zweigniederlassung der Bürgschaftsbank Nordrhein-Westfalen die Geschäfte in Brandenburg aufgenommen – und zwar in einer Gartenlaube in Potsdam-Babelsberg. Im April 1991 folgte dann die Eintragung ins Potsdamer Handelsregister als Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH. Zwei Monate später trat der Bürgschaftsausschuss der Bank zum ersten Mal zusammen.

Von Igor Göldner

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