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Brandenburg Niemand soll an Luther vorbeikommen
Brandenburg Niemand soll an Luther vorbeikommen
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18:58 27.10.2016
Der Tetzelkasten (lang, hölzern) ist das Symbol Jüterbogs als Auslöser der Reformation 1517 Quelle: DEGENER
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Potsdam

Reformation ganz nah: In Jüterbog, das sich selbst „Stadt des Anstoßes der Reformation“ nennt, sind im Mönchenkloster und in der Nikolaikirche legendäre Fundstücke der damaligen Zeit zu besichtigen. Neben originalen Ablassbriefen aus dem 15. und 16. Jahrhundert ist in einer Ausstellung zum 500. Reformationsjubiläum auch der berüchtigte „Tetzelkasten“ zu sehen. Der Dominikanermönch Johann Tetzel soll in Jüterbog seine Ablässe verkauft haben. Motto: „Wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“ Das führte schließlich dazu, dass der Wittenberger Theologieprofessor Martin Luther 1517 seine 95 Thesen verfasste.

Ob das alles wirklich so ablief und Tetzel wirklich der „Bad Boy der Reformation“ war, womit Jüterbog wirbt, ist allerdings nicht belegt. So ist der Kurator der geplanten Ausstellung in Jüterbog, Hartmut Kühne, der Meinung, dass Tetzel wahrscheinlich nie in Jüterbog war. Und der Ablasshandel sei auch nicht gar nicht so verdammenswert gewesen. Der Tetzelkasten sei eine Archivkiste der Kirche gewesen, glaubt Kühne. Das Schöne an der Ausstellung sei doch, freut sich Kirchenhistoriker Kühne, das jenseits des Mainstream um Luther und die Reformation die Chance bestünde, Geschichte zu hinterfragen und Neues zu erzählen.

Auf Orte wie Jüterbog setzt auch die offizielle Kampagne des Landes zum Reformationsjubiläum, die erst Mitte 2017 so richtig los geht. Die Stadt habe sich, wie andere auch, früh auf den Weg gemacht zu zeigen, was es an Spuren der Reformation vor Ort gibt, sagt die Geschäftsführerin von Kulturland Brandenburg, Brigitte Faber-Schmidt. Brandenburg könne mit den großen Lutherstätten Wittenberg oder Eisenach sicher nicht mithalten, räumt sie ein. Auch war Luther nie in der Mark. „Aber wir können erzählen, was die Reformation heute mit uns zu tun hat.“ Diesen Spuren solle bis in die jüngste Gegenwart hinein nachgegangen werden.

Im kommenden Jahr starten verschiedene Projekte zum Lutherjahr, wie Ausstellungen, Foren und Gesprächsrunden. Auftakt ist am 5. Mai 2017 die Eröffnung der Ausstellung „Bürger, Pfarrer, Professoren“ in Frankfurt (Oder). „Das Jahr ist gut vorbereitet“, sagt Faber-Schmidt. Geplant sind rund 30 Projekte mit etwa 300 Veranstaltungen. Die vielfältigen Angebote im kommenden Jahr werden unter dem Dach des Kulturlands Brandenburg gebündelt. Faber-Schmidt hofft auch auf touristische Effekte für das ganze Land. Es werde viele Tagesgäste geben, ist sie sich sicher, vor allem aus Berlin. Darauf setzen auch die einzelnen Kreise und Städte mit eigenen Marketing-Kampagnen. So gab der Elbe-Elster-Kreis einen „Luther Pass“ heraus, an dem acht Städte und drei Bundesländer beteiligt sind. In jeder der acht beteiligten Städte erhalten die Gäste einen besonderen Stempel. Der Luther-Pass verbindet in Brandenburg Bad Liebenwerda, Doberlug-Kirchhain, Finsterwalde, Herzberg, Jüterbog und Mühlberg/Elbe sowie in Sachsen Torgau und in Sachsen-Anhalt Wittenberg miteinander.

An Martin Luther soll im kommenden Jahr möglichst keiner vorbeikommen in Brandenburg. Luther auf Tassen und Socken. Es gibt eine eigene Luther-Playmobilfigur und eigene Luther-Rad- und Wanderwege sowie geführte Reisen an die Wirkungsstätten Luthers.

Vom Reformationsjahr erhofft sich auch der kleine Ort Mühlberg (Elbe-Elster) einen Strom an Touristen. Im vergangen Jahr wurde ein Museum eröffnet, in dem die Schlacht bei Mühlberg 1547 eindrucksvoll erlebbar gemacht wird. Die Katholiken um Karl V. siegten und der Kurfürst von Sachsen Johann Friedrich geriet in Gefangenschaft – eine erste Folge von Luthers Reformation.

Von Igor Göldner

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