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Brandenburg Noch Hunderte Tonnen Kampfmittel im Boden
Brandenburg Noch Hunderte Tonnen Kampfmittel im Boden
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02:17 29.04.2018
Eine entschärfte 250 Kilogramm Bombe hängt am Kranhaken in Oranienburg, drei Tage vor Weihnachten. Quelle: dpa
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Potsdam

Mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs liegen in Brandenburg noch immer unzählige gefährliche Kampfmittel im Boden. Im vergangenen Jahr seien 280 Tonnen Kampfmittel in Brandenburg entdeckt worden, sagte ein Sprecher des Potsdamer Innenministeriums. 235 Tonnen davon seien fachgerecht vernichtet worden. Rund 12,6 Millionen Euro habe das Land für Entschärfungen und Sprengungen aufbringen müssen.

Die Spezialisten untersuchten den Angaben zufolge 4500 Verdachtsfälle, die Grundstückseigentümer geäußert hatten. Der sogenannte Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) sei zudem rund 3000 Mal wegen beunruhigender Funde ausgerückt.

Kosten tragen die Kommunen

Neben den militärisch genutzten Arealen stehen dem Sprecher zufolge noch 350.000 Hektar zivil genutzter Fläche unter Kampfmittelverdacht. Lokale Schwerpunkte bildeten nach wie vor Oranienburg, Potsdam, die Oder-Neiße-Linie und Bereiche südlich Berlins.

In Oranienburg wurde erneut ein Blindgänger gefunden. Am 20. Dezember 2017 mussten daher rund 12.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Der Tag in Bildern.

Besondere Herausforderungen für die Einsatzkräfte stelle die Evakuierungen von Wohngebieten dar, sagte Potsdams Stadtsprecher Jan Brunzlow. Auch die Evakuierung von Krankenhäusern, wie sie beispielsweise im Jahr 2005 bei der Entschärfung einer amerikanischen Fliegerbombe auf dem Gelände des Ernst-von-Bergmann-Klinikums nötig gewesen sei, gestalte sich schwierig. „Wir brauchen zum Transport zahlreiche Krankenwagen, müssen aber gleichzeitig den Notdienst am Laufen halten.“

Die Kosten für Vorbereitungen wie Baumfällungen, die Grundwasserhaltung, die Evakuierung und die Wiederherstellung beschädig

ter Flächen durch Pflasterarbeiten oder Grubenverfüllung tragen die Kommunen, wie Oranienburgs Stadtsprecherin Eike-Kristin Fehlauer sagte. Diese würden pro Entschärfungsmaßnahme zwischen 200.000 Euro und 250.000 Euro liegen. Darin seien noch nicht die Kosten enthalten, die Oranienburg für die systematische Suche nach Kampfmitteln entstünden.

Ende der Entschärfungseinsätze nicht absehbar

Oranienburg hatte in jüngster Zeit immer wieder die Schlagzeilen wegen der Entschärfung von Weltkriegsbomben beherrscht. Der Sprecherin zufolge sind seit der Wende mehr als 200 Bomben unschädlich gemacht worden, 270 Blindgänger würden derzeit noch im Boden vermutet. 19 Evakuierungsmaßnahmen habe es seit 2013 in der Stadt für die Entschärfung von Bomben gegeben. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs seien gut 10.500 Großbomben über Oranienburg abgeworfen worden. Der schwerste Angriff ereignete sich am 15. März 1945, als fast 5000 Bomben auf die Stadt fielen.

Ein Ende der Entschärfungseinsätze ist angesichts der großen Mengen im märkischen Boden zunächst nicht absehbar. „Bei uns sind die Abläufe beinahe schon automatisiert“, sagte Brunzlow mit Blick auf weitere Maßnahmen im Nuthepark. Und auch Schröter bemerkte dazu: „Bombenfunde werden uns leider auch in Zukunft nicht erspart bleiben, darauf müssen wir uns einstellen.“

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Von MAZonline/dpa

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