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Brandenburg Notarzt braucht selbst eine neue Lunge
Brandenburg Notarzt braucht selbst eine neue Lunge
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11:02 04.06.2017
Wolfgang Wachs war jahrelang als Notarzt im Einsatz. Nun ist er selbst in einer lebensbedrohlichen Situation. Quelle: dpa
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Berlin

Das Blaulicht steht noch neben dem Fahrersitz, eine neonfarbene Jacke mit dem Aufdruck „Notarzt“ baumelt über der Rückbank. „Ich kann nicht ohne Tatütata“, sagt Wolfgang Wachs. Und doch weiß der 59-Jährige, dass er das Blaulicht nicht mehr auf sein Autodach setzen darf, nie wieder vielleicht. Der passionierte Notarzt aus Brandenburg, der 20 Jahre lang Tausende Male als Lebensretter zur Stelle war, braucht selbst Hilfe: eine neue Lunge, eine Transplantation. „Es ist kein schöner Gedanke, dass jemand sterben muss, damit ich weiterleben kann“, sagt er. Doch sein Wunsch, wieder arbeiten zu können, ist stärker.

Wolfgang Wachs steht beim Deutschen Herzzentrum Berlin auf der Warteliste für eine neue Lunge. Doch über seine Chancen auf eine Organspende macht er sich keine Illusionen. Als Notarzt hat er einer jungen Frau geholfen, die unter der gleichen Krankheit litt wie er: Lungenfibrose. Warum dabei die Lunge versteift und den Körper mit immer weniger Sauerstoff versorgt, ist noch nahezu unbekannt. Es ist eine seltene Erkrankung, und die Forschungsbudgets in Deutschland dafür sind gering. Mediziner Wachs weiß, dass seine Patientin inzwischen gestorben ist, weil es kein Spenderorgan für sie gab. „Sie war 35 Jahre alt und hatte zwei kleine Kinder.“

10.000 Menschen warten auf Organspenden

Es sind solche Dramen, die sich hinter den Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation verbergen. Rund 10.000 Menschen in Deutschland brauchen ein neues Organ, um weiterleben zu können. Rund drei von ihnen sterben jeden Tag, weil es nicht zur Verfügung steht. 857 Organspender gab es 2016. Es ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren. 2012 wurden an der Uniklinik Göttingen Manipulationen bekannt. Ein Arzt machte seine Patienten in Klinikakten kränker als sie waren, damit sie auf den Wartelisten nach oben rückten. Auch das Berliner Herzzentrum ist unter den verdächtigen Kliniken. Das Vertrauen in die Transplantationsmedizin ist erschüttert, die Spendenbereitschaft noch geringer als sie es ohnehin war.

Wolfgang Wachs war 20 Jahre lang Lebensretter. Quelle: dpa

Die Folgen spüren Menschen wie Wolfgang Wachs. Seit 2011 weiß er von seiner Fibrose. Ende 2016 beschloss er nach einem Einsatz, dass er nicht mehr guten Gewissens als Notarzt arbeiten kann. Seit drei Wochen braucht er dauerhaft ein Sauerstoffgerät. Husten quält ihn, selbst Sprechen kann anstrengend sein. Es fällt Wachs nicht leicht, sich mit kleinen Schläuchen in der Nase auf zu zeigen. Am Haus hängt das Schild „Arzt“. Innen hängt die Ahnengalerie – vom Ururgroßvater bis zu ihm, alles Mediziner.

Transplantation ist einzige Überlebenschance

Leben und Tod – kaum ein Arzt ist so nah dran wie ein Rettungsmediziner. Nach Jahren als Notarzt auf der Straße und auf dem Wasser kam Wachs seit 2008 mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 39“ aus der Luft zu Hilfe. In Perleberg (Prignitz) stationiert, war er in fünf Bundesländern im Einsatz. Es war ihm wichtig, zu bleiben, auch wenn er nichts mehr für Patienten tun konnte. Er blieb für die Angehörigen. Ein Notarzt ist auch ein Trostspender.

Wolfgang Wachs hat so ziemlich alles gesehen, was es an Unfällen und Unglücken gibt. Er hat viele Menschen sterben sehen. Doch er besitzt auch dieses Fotobuch. Ein kleiner Junge lacht auf dem Titelbild. „Er war im Gartenteich fast ertrunken.“ Wachs hat ihn mit Kollegen wiederbelebt, heute ist der Junge elf, ein guter Schüler und wie ein Patensohn für ihn. Es ist das, was bleibt. „Ich weiß nicht, was kommt. Ich kann nur warten“, sagt Wolfgang Wachs. Die Transplantation ist seine einzige Überlebenschance, Medikamente sind ausgereizt. Der Mangel an Organen führt zu einer paradoxen Situation: Würde Patient Wachs bald erfolgreich eine Lunge transplantiert, könnte er vielleicht sogar wieder arbeiten. „So wie Roland Kaiser, der singt ja auch wieder“, sagt er. Doch noch ist er nicht krank genug, um auf der Warteliste ganz nach oben zu rutschen. Je kränker er aber wird, desto schlechter sind die Aussichten auf schnelle Genesung. In vier Monaten wird Wachs 60 Jahre alt. Den runden Geburtstag will er erleben und feiern.

Von Ulrike von Leszczynski

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