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Brandenburg „Notfalls holen wir sie raus“
Brandenburg „Notfalls holen wir sie raus“
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20:27 26.02.2013
SCHWIELOWSEE

„Hier ist niemand, der uns schützt“, schreit sie panisch ins Handy. „Mein Laptop, meine hundert Dollar, mein Gott, sie können mich jederzeit auf der Straße wegschnappen und Lösegeld fordern!“

Glücklicherweise ist es nur eine Übung. Christine Weidemann gibt es nicht, sie ist eine Erfindung des Presse- und Informationszentrums am Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Geltow (Potsdam-Mittelmark). Doch so ähnlich könnte eine Krise aussehen: Tausende deutsche Touristen irgendwo in Afrika, dazu noch ein paar hundert Beschäftigte bei deutschen Firmen. Revolution, Bürgerkrieg, Naturkatastophe. Was dann? „Notfalls holen wir sie raus“, sagt Pressestabsoffizier Hauke Bunks.

Damit das im Ernstfall reibungslos funktioniert, wird eine solche Evakuierungsaktion derzeit beim Einsatzführungskommando im Schwielowseer Ortsteil Geltow geprobt. Die Übung mit dem Namen „Extricate Owl“ („Befreite Eule“) dauert einen ganzen Monat lang, bundesweit nehmen rund 650 Soldaten daran teil. Es ist eine Stabsübung – der Einsatz von Menschen, Schiffen und Flugzeugen wird nur simuliert. Aber auf den Landkarten und Computerbildschirmen wirkt das Geschehen täuschend real.

Hat die Bundeswehr überhaupt die Mittel, um eine solche Aktion auf die Beine zu stellen? „Grundsätzlich können wir das“, sagt Bunks. Natürlich hätte es vorher Hinweise für deutsche Staatsbürger gegeben, das Land zu verlassen. Warnungen des Auswärtigen Amtes, eine sogenannte diplomatische Evakuierung mit zivilen Mitteln. Aber manchmal bleibt nur „MilEvakOp“, wie es die Bundeswehr nennt: die militärische Evakuierungsoperation.

Wie in diesem Fall. Im Fantasiestaat Atrea, der ein wenig an Ghana erinnert, ist der Teufel los. 3.000 Deutsche befinden sich noch im Land, dazu 10.000 andere EU-Bürger. Immerhin sind die Flugplätze noch alle benutzbar. Auf der Insel Coucouvaya vor der Küste wurde eine militärische Präsenz aufgebaut. Die Fregatten „Emden“ und „Bremen“ sowie das Versorgungsschiff „Frankfurt am Main“ sind vor Ort.

Wie geht es weiter? Im „Situation Center“, wo die Übung gesteuert wird, hat Oberstleutnant Thomas F. die Fäden in der Hand. Er ist oft im Ausland im Einsatz, deshalb möchte er seinen vollen Namen nicht sagen. An den Wänden riesige Bildschirme, Landkarten, die aktuelle Uhrzeit in Potsdam, der atreischen Hauptstadt Vukuada und in New York.

Hier werden die Aufgaben gestellt, hier wird das Drehbuch für die Übung geschrieben. Auf einem Bildschirm ist der aktuelle Stand direkt ablesbar. „T/O 4 Lfz NH-90 von PAC nach VUK 0533 Zulu“, ist da zu lesen. Heißt: Start von vier Hubschraubern des Typs NH-90 vom Küstenort Pacouvaya in die Hauptstadt Vukuada um 05.33 Zulu-Zeit.

Nur diese Hubschrauber können später in Runtum landen, wo 153 Zivilisten auf Hilfe warten. Die Übungsleitung hat sich auch noch andere Probleme ausgedacht. So wird es am Nachmittag einen Bombenanschlag geben und eine Lagerhalle in Brand geraten. Entscheidend, das wird schnell deutlich, sind nicht die Kampftruppen, sondern die Logistik. Menschen müssen untergebracht, versorgt, medizinisch behandelt werden. Truppen brauchen Sprit und Kommunikation. Kann das die Bundeswehr angesichts laufender Einsätze in Afghanistan, Mali und anderswo überhaupt stemmen? „Wir arbeiten schon am oberen Limit des Kräftespektrums“, sagt der Offizier.

Ein paar hundert Meter weiter, in der Operationszentrale II, werden die Probleme gelöst. Oberst Olaf Rohde verfügt über vier Transporthubschrauber, zwei Helikopter von den beiden Fregatten, zehn Transportflugzeuge und inzwischen auch 220 Fallschirmjäger. 2800 Zivilisten wurden schon in Sicherheit gebracht, 1200 warten noch darauf. „Bis jetzt läuft alles gut“, sagt Rohde. Da weiß er noch nicht, dass gleich die Lagerhalle zu brennen beginnt.

Ein einziges Mal wurde eine solche „MilEvakOp“ bisher in der Realität durchgeführt: Bei der „Operation Pegasus“ holte die Bundeswehr im Februar 2011 aus der Wüstenstadt Nafurah in Libyen 132 EU-Bürger, darunter 22 Deutsche heraus. Prompt bekam die Regierung Ärger mit der Opposition, weil sie die Zustimmung des Bundestages nicht eingeholt hatte. (Von Klaus Stark)

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