Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Notfallversorgung: Streit um die 112
Brandenburg Notfallversorgung: Streit um die 112
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:32 12.10.2017
Die 112 ist die richtige Wahl bei lebensbedrohlichen Krankheiten. Quelle: dpa
Anzeige
Potsdam

Mandelentzündung, Atemwegsinfekt oder Rückenschmerzen: Immer mehr Menschen wählen die Notrufnummer 112, obwohl es sich bei ihrer akuten Erkrankung um keinen lebensbedrohlichen Notfall handelt. Der Trend, wegen einer Bagatelle außerhalb der Praxis-Sprechzeiten nachts und am Wochenende in die Notfallambulanz der Krankenhäuser zu stürmen statt zu Bereitschaftsärzten zu gehen, sorgt dafür, dass Kassenärzte die bundesweite Bereitschaftsdienstnummer 116 117 bekannter machen wollen.

Diese Telefonnummer gibt es bereits seit einigen Jahren, doch viele kennen sie nicht. „Der Rettungsdienst ist dafür da, Menschen mit schweren Erkrankungen in die Krankenhäuser zu fahren, nicht aber Leute, die seit drei Wochen unter Rückenschmerzen leiden“, sagte Andreas Gassen, Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am Mittwoch in Berlin. In den Notfallambulanzen der Krankenhäuser kommt es dadurch häufig zu langen Wartezeiten und Überlastung der Klinikärzte.

Auch Brandenburger können die 116 117 wählen

Laut KBV wissen viele Menschen nicht, wohin sie sich wenden können, wenn sie zwar nicht lebensbedrohlich erkrankt sind, aber trotzdem außerhalb der Praxisöffnungszeiten eine ärztliche Behandlung benötigen. Das Gesundheitssystem sieht eigentlich vor, dass sich diese Patienten an die Notdienste der Kassenärztlichen Vereinigung wenden. Dort werden sie weitervermittelt an den nächsten niedergelassenen Bereitschaftsarzt.

Auch in Brandenburg ist der Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 kostenfrei zu erreichen. Darüber hinaus hat der ärztliche Notdienst seine Notfallpraxen in den Städten Brandenburg, Cottbus, Eberswalde, Königs Wusterhausen, Potsdam und Rüdersdorf direkt an den Kliniken angesiedelt. Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) ist geplant, in den kommenden Jahren rund 15 weitere integrierte Bereitschaftspraxen an Krankenhausstandorten zu eröffnen. Laut KVBB sind im Jahr 2016 knapp 100 000 Fälle ambulant im ärztlichen Bereitschaftsdienst versorgt worden. Ein Drittel der Patienten sei in die integrierten Bereitschaftspraxen gekommen. Dort soll von Vertrags- und Klinikärzten gemeinsam entschieden werden, ob der Patient tatsächlich ins nahegelegene Krankenhaus müsse oder direkt in der Portalpraxis ambulant versorgt werden kann.

Kritik von den Krankenhausverbänden

In einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage hat der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (KKVD) 1000 Patienten zu der Einführung solcher integrierter Notfallzentren befragt. Eine Mehrheit der Teilnehmer ab 45 Jahre befürchtet längere Wartezeiten in der Notfallversorgung. Insgesamt gaben 53 Prozent der Befragten an, im Notfall ein Krankenhaus aufzusuchen, für 35 Prozent ist eine Haus- oder Facharztpraxis die erste Anlaufstelle. Patientenanliegen dürften in der Debatte um angebliche „Lappalienfälle“ in den Notaufnahmen nicht marginalisiert werden. Nicht immer werde gleich der „komplette Apparat der Unfallchirurgie“ benötigt.

Auch die Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg (LKB) steht den Plänen der Kassenärzte skeptisch gegenüber. „Ich halte nichts davon, die Dienste miteinander zu verknüpfen, wenn eine Nummer wie die 116 117 nicht bekannt ist. Die 112 ist etabliert, und das muss so bleiben! Der Patient muss wissen, unter welcher Nummer er Hilfe bekommt“, sagte LKB-Geschäftsführer Jens-Uwe Schreck.

„Eine Zumutung für Patienten“

Im November 2016 hatte die LKB 10 000 märkische Patienten befragt, um die Hintergründe des „Notaufnahme-Booms“ zu ermitteln. Eine Mehrheit wusste nicht, dass es die Bereitschaftsnummer der Kassenärztlichen Vereinigung gibt. „Die Rufnummer ist nur zu 11 Prozent in Brandenburg bekannt, nur 3 Prozent der Patienten haben sie angerufen, bevor sie in die Rettungsstelle gingen“, resümiert Schreck.

Nicht hilfreich sei zudem die sogenannte Abklärungspauschale von 4,74 Euro, die Krankenhäuser seit April abrechnen können, wenn sie einen Patienten aus der Notfallambulanz direkt an den niedergelassenen Arzt weiterschicken. Innerhalb von zwei Minuten müsse über die Behandlungsnotwendigkeit entschieden werden. „Wer kein sogenannter echter Notfall ist, muss zum Hausarzt – auch wenn es ihm nicht gut geht und er Schmerzen hat.“ In einem Flächenland wie Brandenburg mit Versorgungslücken im ambulanten Bereich sei dies „eine Zumutung“ für Patienten.

Wann wähle ich die 116 117 und wann die 112?

Die 112 ist die richtige Wahl, wenn Sie plötzlich heftige Beschwerden haben oder einen Unfall hatten und ernste bis lebensbedrohliche Folgen fürchten, wenn Sie nicht sofort behandelt werden. Zum Beispiel bei Anzeichen eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls.

Die 116 117 wählen Sie, wenn Sie starke Beschwerden haben, die Sie mit Hausmitteln oder der Hausapotheke nicht in den Griff bekommen. Bis zum nächsten Werktag können Sie nicht warten. Unter der Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes erreichen Sie einen Arzt auch außerhalb der Sprechzeiten.

Von Diana Bade

Brandenburg Polizei in Brandenburg vor großer Aufgabe - Sorge um Sicherheit in Asylbewerber-Unterkünften

Als größte Herausforderung für die innere Sicherheit bezeichnet Brandenburgs stellvertretender Polizeipräsident Roger Höppner die Folgen der Migration – am selben Abend noch werden im zentralen Heim in Wünsdorf bei einer Massenschlägerei drei Asylbewerber verletzt.

14.10.2017
Brandenburg Einstiges Kindergefängnis Bad Freienwalde - Mahnmal stößt auf Ablehnung

Zu DDR-Zeit saßen schätzungsweise bis zu 1000 Kinder und Jugendliche Im Durchgangsheim in Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland). Sie sollten von dort aus in reguläre Kinderheime eingewiesen werden. Aber aus den 18 Tagen Aufenthalt wurden oft Monate. Es herrschten Gewalt und Erniedrigung. Daran soll ein Denkmal erinnern. In der Stadt gibt es dafür kaum Verständnis.

14.10.2017

Nach der scharfen Kritik bei der ersten Anhörung zur Kreisreform geht der Streit zwischen Regierung und Opposition ungebremst weiter. Die CDU schlägt jetzt einen Konvent vor, bei dem alle Beteiligten „auf Augenhöhe“ und völlig neu über die Zukunft der kommunalen Strukturen beraten soll. Vorher soll die Reform gestoppt werden. Die SPD spricht von „Irreführung.“

11.10.2017
Anzeige