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Notruf-Missbrauch auch in Brandenburg ein Problem

Berliner Aufklärungskampagne über Facebook und Twitter Notruf-Missbrauch auch in Brandenburg ein Problem

Die Notrufnummern 110 und 112 werden in Berlin und Brandenburg häufig missbraucht. Immer mehr Zeitgenossen haben keinen Notfall zu melden, sondern wollen Banalitäten loswerden. Die Polizei in der Hauptstadt hat deshalb eine Aufklärungskampagne über Facebook und Twitter gestartet.

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Die missbräuchliche Nutzung des Polizeinotrufs ist strafbar.

Quelle: Sophia Weimer

Berlin/Potsdam. „Die Reparatur meiner Heizdecke dauert nun schon fünf Wochen“, beschwert sich einer. „Meine Schwiegertochter will an mein Erbe“, fürchtet ein anderer. Ein Dritter klagt: „Ich habe eine Freundin, die ist geistig nicht auf der Höhe. Die will ich nicht mehr.“ Anrufe wie diese blockieren tagtäglich den Polizei-Notruf 110 in Berlin und Brandenburg. 1,3 Millionen Notrufe gehen jedes Jahr allein bei der Polizei in de Hauptstadt ein. Aber bei 300 000 besteht kein Grund für den Einsatz der Ordnungshüter. Viele 110-Anrufer müssen wegen sinnloser Alarmierungen inzwischen in Warteschleifen hängengelassen werden.

Die Behörde hat deshalb am Montag eine Kampagne gestartet. Über Twitter und Facebook sollen nervige Beispiele veröffentlicht werden. „Das Bewusstsein, dass die 110 für Notfälle gedacht ist, ist nicht mehr vorhanden“, sagt Yvonne Tamborini vom Internet-Team der Berliner Polizei. Schuld daran seien auch Handys, die jeder bei sich trage. Die Versuchung, schnell mal die Polizei anzurufen, um sie auch bei Banalitäten um Rat zu fragen, sei groß.

„Mir ist eine Katze zugelaufen. Vermisst die jemand?“ Solche Anrufe auf der 110 kennt auch die brandenburgische Polizei. In der Leitstelle des Potsdamer Präsidiums gehen jedes Jahr etwa 400 000 Notrufe aus dem ganzen Land ein. „4000 bis 6000 davon haben auch bei uns keinen Notrufcharakter“, sagt Präsidiumssprecher Mario Heinemann. Zu den Klassikern gehören neben entlaufenen Tieren auch die Frage nach dem richtigen Weg. Die speziell geschulten Einsatzbearbeiter würden „höflich, aber bestimmt“ klarstellen, dass die Polizei dafür nicht zuständig sei. „Da ist oftmals Fingerspitzengefühl nötig, aber unsere Kollegen haben auch Routine darin, die Leitung für tatsächliche Notsituationen freizubekommen.“

Wartezeit wird immer länger

62 Prozent der Notrufe in Berlin wurden im ersten Halbjahr innerhalb der ersten zehn Sekunden angenommen. Alle anderen mussten oft mehrere Minuten warten.

2014 und 2015 kam die Polizei noch auf eine Quote von 70 Prozent. Ziel ist es, 90 Prozent der Anrufe nach zehn Sekunden anzunehmen.

Pro Tag gehen 820 überflüssige Anrufe beim Polizeinotruf in Berlin ein.

Die Masse der echten Notrufe in Brandenburg erfolgt nach Verkehrsunfällen. Überhaupt nicht lustig sei, wenn Unfälle, Prügeleien oder gar Tote erfunden würden, nur um einen großangelegten Polizeieinsatz auszulösen, so Heinemann. „Das ist dann richtiger Missbrauch. Wer das macht, muss mit einem Ermittlungsverfahren rechnen.“

Gemäß Paragraf 145 Absatz 1 des Strafgesetzbuches droht dem Verursacher eines schwerwiegenden Fehlalarms eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. Zudem haftet er für die Kosten des Einsatzes. Angesichts der Terrorgefahr sind die Sicherheitsbehörden vor allem bei Bombendrohungen hellwach. Anrufern ist oftmals nicht klar, dass die Telefonnummer auch dann erkannt werden kann, wenn sie am Gerät unterdrückt wird. Auf einem Bildschirm wird zudem der Standort des Anrufers angezeigt. Handys können digital geortet und zum Besitzer zurückverfolgt werden.

Andreas Schuster, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, glaubt, dass der Notruf zunehmend zur „puren Auskunft“ umfunktioniert werde. „Die Leute wissen, dass da immer jemand rangeht, der Ahnung haben muss.“ Schuster fordert mehr Verantwortungsbewusstsein. „Davon kann das Leben von Menschen abhängen.“

Nicht nur die Leitstelle der Polizei erhält zahlreiche unnötige Notrufe, auch die Mitarbeiter der vier märkischen Regionalleitstellen von Feuerwehr und Rettungsdienst, die rund um die Uhr Anrufe auf der 112 entgegennehmen, können ein Lied davon singen. Harald Töpfer von der Leitstelle Oderland in Frankfurt (Oder) hat regelmäßig Leute in der Leitung, die meinen, sie könnten Rettungswagen grundlos durch die Landkreise schicken. „Schlimm wird es, wenn die Rettungskräfte an anderer Stelle wirklich gebraucht werden.“ Manchmal würden die Leitungen auch blockiert, weil Spaßvögel einen Witz loswerden oder nur eine Melodie pfeifen wollen. In Berlin meldete sich gar ein Sänger. Er trällerte glücklich: „Es geht mir gut, das macht die Liebe...“

Von Volkmar Krause

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