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Nun gerät auch IHK-Chef Kohl unter Druck

Erneut IHK-Auftrag für Stimming-Firma Nun gerät auch IHK-Chef Kohl unter Druck

Aufträge für Familienunternehmen, umstrittene Bauprojekte und nun auch noch üppige Pensionsforderungen für ein Ehrenamt: Die Liste der Vorwürfe gegen Victor Stimming ist lang. Nun stellt sich in internen Kreisen die Frage, ob auch IHK-Hauptgeschäftsführer René Kohl Teil des Systems ist.

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IHK-Geschäftsführer René Kohl und IHK-Präsident Victor Stimming im Oktober vor der Villa Carlshagen.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Aufträge für Familienunternehmen, Dienstwagen, Privatsekretärin, umstrittene Bauprojekte und nun auch noch üppige Pensionsforderungen für ein Ehrenamt: Die Liste der Vorwürfe gegen Victor Stimming wird immer länger. Am Mittwoch legte der 62-Jährige unter dem Eindruck der massiven Kritik sein Amt als Präsident von Brandenburgs mächtigster Wirtschaftsvertretung, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam, nieder. Doch in diesem Zusammenhang gerät auch IHK-Hauptgeschäftsführer René Kohl unter Druck. „Natürlich stellt sich die Frage, ob er nicht Teil des Systems Stimming ist“, hieß es am Mittwoch aus Kammer-Kreisen. Kohl trug den üppigen Führungsstil Stimmings mit, distanzierte sich zumindest nicht öffentlich davon.

Als IHK-Chef billigte er etwa, dass Stimming eine persönliche Sekretärin zur Seite gestellt wurde. Sie arbeitet wie berichtet nicht an Stimmings Dienstsitz in Potsdam, sondern in dessen Bauunternehmen HIB in Brandenburg an der Havel. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Kammerpräsident und Geschäftsführer naturgemäß eng, wie ein Insider berichtet. „In einer guten Kammer darf zwischen Präsident und Hauptgeschäftsführer kein Blatt Papier passen.“

Weder bei der IHK Cottbus noch bei der IHK Ostbrandenburg in Frankfurt (Oder) gibt es Privilegien für den ehrenamtlichen Präsidenten, wie Stimming sie für sich in Anspruch nahm. Die Präsidenten der beiden Kammern hätten auch keinen Dienstwagen und nutzten für ihr Ehrenamt ihr Privatbüro, hieß es auf MAZ-Anfrage. Daran, dass in Potsdam andere Sitten einrissen, trägt nach Ansicht von Beobachtern auch die Landesregierung Anteil: „Stimming wurde von der Landesregierung regelrecht hofiert“, hieß es. „Dann besteht schnell die Gefahr, dass einem das Gespür abhandenkommt.“

Das ging sogar so weit, dass er für sein Ehrenamt eine Pension forderte. Die IHK bestätigte einen Präsidiumsbeschluss, der dem Präsidenten eine Altersvorsorge zusichern soll. Die Kammer hat dafür dem Vernehmen nach Rücklagen in Höhe von 500 000 Euro gebildet. Der Beschluss liegt derzeit auf Eis. Eine vergleichbare Regelung sei nicht bekannt, hieß es beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dem Dachverband der Kammern. Selbst DIHK-Präsident Eric Schweitzer bezieht aus seinem Amt keinen Anspruch auf eine Pension. In Kammerkreisen war von einer „Katastrophe“ die Rede, die das Ansehen der IHK nachhaltig schädige.

Außerdem bestätigte die IHK, dass der Fünf-Millionen-Ausbau der Potsdamer Villa Carlshagen für die IHK-Stiftung von der Firma „Dr. Stimming und Partner“ vorbereitet wird. Zur „Projektsteuerung und gezielten Aufwandsreduzierung“, wie es heißt. Stimming hatte die Firma Mitte der 90er Jahre gegründet, inzwischen führt sein Sohn die Geschäfte. Bereits beim Bau eines Nebengebäudes des Potsdamer IHK-Sitzes vor neun Jahren hatte Stimmings Sohn Kai den Zuschlag erhalten.

Die Vorwürfe soll nun der Haushaltsausschuss der IHK überprüfen. An der Aufarbeitung soll auch die „Transparenz-Gruppe“ mitwirken, die sich kurz nach dem Auftauchen der Vorwürfe gegen Stimming vor vier Wochen gebildet hatte.

Von Torsten Gellner und Gerald Dietz

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Der Präsident der Potsdamer Industrie- und Handelskammer (IHK), Victor Stimming, steht massiv unter Druck. Kritiker werfen ihm Vetternwirtschaft und Selbstherrlichkeit vor. Der 62-Jährige äußert sich im MAZ-Gespräch erstmals zu den Vorwürfen und nennt die Gründe seines Rücktritts.

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