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Nur die Familie kennt Priebkes Grab

NS-Kriegsverbrecher auf Gefängnisfriedhof bestattet Nur die Familie kennt Priebkes Grab

Wochenlang gab es Streit um das Begräbnis für den NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke. Niemand wollte ihn haben, auch nicht sein Geburtsort Hennigsdorf (Oberhavel). Schließlich einigten sich die Beteiligten auf ein geheimes Grab. Die Zeitung „La Repubblica” berichtet am Donnerstag, dass Priebke auf einem italienischen Gefängnisfriedhof beigesetzt worden sein soll - ohne Namen oder Datum.

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Erich Priebke im Jahr 1996.

Quelle: dpa

Rom. Der im Oktober gestorbene NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke ist nach einem Medienbericht auf einem italienischen Gefängnisfriedhof beigesetzt worden. Sein Grab sei mit einem Holzkreuz mit einer Nummer ohne Namen oder Datum gekennzeichnet, berichtete die Zeitung „La Repubblica” am Donnerstag. Der genaue Ort sei weiter geheim. Nur Priebkes Familie kenne die Nummer des Grabes. Damit solle auch verhindert werden, dass es zu einer Pilgerstätte für Neonazis werde.

Um das Begräbnis des früheren SS-Offiziers hatte es wochenlang Streit gegeben, nachdem er im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben war. Sowohl Priebkes langjähriger Wohnort Bariloche in Argentinien als auch sein Geburtsort Hennigsdorf in Brandenburg und die Stadt Rom hatten eine Bestattung abgelehnt. Nach einer von Protesten begleiteten Trauerfeier bei der erzkonservativen Piusbruderschaft in Italien wurde Priebkes Leichnam zu einem Militärflughafen bei Rom gebracht, wo er mehrere Tage blieb.

Priebkes Anwalt Paolo Giachini kritisierte den Zeitungsbericht. Vor allem gegen die Fotos in dem Blatt, die eine ungepflegte Wiese mit einigen Holzkreuzen zeigen, protestierte er. „Die veröffentlichen Fotos wurden aus einem Horrorfilm genommen, dieser verlassene Garten hat nichts mit dem Grab von Herrn Priebke zu tun”, sagte er laut italienischen Medienberichten.

Stattdessen forderte Giachini ein öffentliches Grab für Priebke. „Es wurde entschieden, dass wir nichts sagen, bis eine permanente Lösung gefunden ist, ein angemessenes Begräbnis für Herrn Priebke, das es jedem ermöglichen sollte, das Grab zu besuchen”, sagte er der Nachrichtenagentur Adnkronos. Ricardo Pacifici, der Leiter der jüdischen Gemeinde in Rom, sagte, der Verbleib vom Priebkes sterblichen Überresten solle für immer unbekannt bleiben.

Priebke war 1944 an einem der schlimmsten Nazi-Massaker während des Zweiten Weltkriegs in Italien beteiligt, bei dem in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom 335 Zivilisten getötet wurden. Er hatte bis zu seinem Tod keine Reue gezeigt. Nachdem der frühere SS-Mann lange Zeit unbehelligt in Argentinien gelebt hatte, war er in den 90er Jahren in Italien verurteilt worden und hatte bis zu seinem Tod unter Hausarrest gelebt.

Der Gefängnisfriedhof wurde nach Angaben der Zeitung „La Repubblica” nach tagelangen Beratungen für die Bestattung ausgewählt, auch weil er vor Überfällen geschützt ist. Zuvor wurde auf dem Friedhof mehr als 20 Jahre lang niemand mehr bestattet. Das Begräbnis fand Ende Oktober statt und nur wenige Menschen waren eingeweiht, darunter der Gefängnisdirektor und zwei von Priebkes Söhnen. Die Anwohner und der Bürgermeister des Ortes wurden hingegen nicht informiert, um Proteste zu verhindern. dpa

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