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Oben-ohne-Badeverbot für NPD-Politiker

Wegen Nazi-Tattoo Oben-ohne-Badeverbot für NPD-Politiker

Auf seinem Rücken prangt die Silhouette des Vernichtungslagers Auschwitz, darunter der zynische Nazi-Spruch „Jedem das Seine“: Der Brandenburger NPD-Funktionär Marcel Zech ist wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Jetzt kennt ihn die ganze Welt.

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Marcel Zech mit Anwalt Wolfgang Nahrath. Der Verurteilte wurde auf Anordnung des Gerichts auf dem Foto unkenntlich gemacht.

Quelle: Foto: DPA

Oranienburg. An seinem Äußeren scheint Marcel Zech, 27, viel gelegen. Er hat die Haare akkurat zurückgekämmt und am Hinterkopf zum Zopf gebunden, die Seiten sind ordentlich rasiert, am Kinn versucht er sich an einem Rockerbart. Seine Unterstützer, die auf dem Hof des Amtsgerichts Oranienburg (Oberhavel) beim Rauchen zusammenstehen, sind leicht auszumachen. Die meisten tragen den Bart wie er. Allein einer sticht heraus, mit Schlips und standesgemäßer Robe: Szeneanwalt Wolfram Nahrath, der wie Zech NPD-Mitglied ist.

Dem Gericht versucht Nahrath Glauben zu machen, dass sich sein Mandant mit der auf dem Rücken eintätowierten Auschwitz-Silhouette und dem Nazi-Spruch „Jedem das Seine“ nichts weiter gedacht habe. Aber wer Zech mustert, kann schnell auch zu einem anderen Urteil kommen. Er versteht es, seine Botschaften wohldosiert in die Welt zu tragen. „Barnimer Freundschaft“, steht auf seinem Gürtel. Das ist der Name einer Neonazi-Bruderschaft, die sich wie Rocker gerieren – bloß ohne Motorrad. Daher auch der markante Bart.

Wahrscheinlich hat er das wirklich nicht gewollt: dass sein Name auf der Webseite der britischen BBC zu lesen ist, dass zum Prozess sogar ein russischer Fernsehsender anreiste und dass sich ZDF-Satiriker Jan Böhmermann auf Twitter mit dem Fall beschäftigte. Zech ist jetzt wegen Volksverhetzung verurteilt, allerdings ist der Richterspruch noch nicht rechtskräftig.

Laut Medienberichten soll Zech in der Vergangenheit schon mehrmals mit dem KZ-Tattoo baden gegangen sein. Nur hat sich bislang noch niemand so sehr daran gestört wie ein Berliner Journalist, der Zechs Rücken im Oranienburger Freizeitbad mit der iPhone-Kamera festhielt und den Schnappschuss per Facebook um die Welt schickte. „Er hat das Tattoo offensiv zur Schau getragen“, sagt der Zeuge vor Gericht. Weil offenbar niemand daran Anstoß nahm, habe er das dokumentieren müssen.

Volksverhetzer Zech darf jetzt nicht mehr oben ohne unter Menschen. Bei der nächsten Straftat müsste er für ein halbes Jahr ins Gefängnis. Allein in den vergangenen beiden Jahren hat der gebürtige Löbauer (Sachsen), den es nach Brandenburg gezogen hat, fünf Vorstrafen gesammelt – unter anderem wegen Körperverletzung und Amtsanmaßung. Zechs Vorderansicht war bislang kein juristisches Thema: Auf seinem Bauch prangt ein Reichsadler-Tattoo – das Hakenkreuz ersetzt sein Bauchnabel.

Von Bastian Pauly

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