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Odyssee im Kampf um Anerkennung

DDR-Unrecht Odyssee im Kampf um Anerkennung

Der Fall Gerd Korsowski füllt dicke Aktenberge. Am Freitag steht der Rentner aus Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) erneut vor Gericht. Der inzwischen 70-Jährige kämpft für die Rehabilitierung als politischer Häftling der DDR. Doch die Rehabilitierungsbehörde im Innenministerium will die erlittenen beruflichen Nachteile nicht anerkennen.

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Opfer des DDR-Regimes: Gerd Korsowski

Quelle: MRZ

Cottbus. Nichts ließ Gerd Korsowski in den letzten Jahren unversucht. Zweimal war der heute 70-Jährige als Zeitzeuge in der Enquetekommission des Landtags. Der einstige politische Häftling in der DDR suchte Roland Jahn, den Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, auf. Auch bei der Aufarbeitungsbeauftragten in Brandenburg, Ulrike Poppe, war er. Sein Schicksal hörten sich sogar Politiker wie Ministerpräsident Dietmar Woidke oder der heutige Landtagsvize Dieter Dombrowki an. Meist erfährt er neben großer Betroffenheit wohlwollende Sympathie. Seinen Fall füllen dicke Aktenordner, sein Name ist bei denen, die sich heute mit DDR-Unrecht befassen, ein Begriff.

Viel genutzt hat Gerd Korsowski, der 18 Monate im Cottbuser Gefängnis saß, das alles bisher wenig. Die zuständige Rehabilitierungsbehörde beim Potsdamer Innenministerium will seine erlittenen beruflichen Nachteile nicht anerkennen. Sie zweifelt an seinen Angaben und hält von ihm benannte Zeugen für nicht glaubwürdig. Es fehlten die Belege, dass Korsowski 1967 im Tiefbaukombinat, wo er tätig war, eine Meisterausbildung beginnen sollte. Diese konnte er wegen seiner Verhaftung aber nicht antreten, sagt er. Bei der Hausdurchsuchung kurz davor habe die Stasi alle persönlichen Dokumente entwendet.

Rehabilitierung und Beratung

In Brandenburg ist für die Rehabilitierung der Opfer von DDR-Unrecht die Rehabilitierungsbehörde des Innenministeriums zuständig. Die strafrecht­liche Rehabilitierung läuft bei den ­jeweiligen Kammern der Landgerichte Cottbus, Frankfurt (Oder), Potsdam.

Die Landesbeauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, ist Ansprechpartner für die Bürger, die von der kommunistischen Diktatur verfolgt wurden. Dazu gehören Verfolgungen in der SBZ/DDR in der Zeit von 1945 bis zum Oktober 1990 wegen Widerstands und Auf­begehrens oder aus Willkür, aber auch „biografische Bezüge“, die vor das Jahr 1945 reichen.

Am Freitag kämpft der Rentner aus Lübbenau vor dem Verwaltungsgericht in Cottbus wieder einmal um die Anerkennung seiner beruflichen Nachteile. Der Ausgang ist offen.

Die zermürbende Auseinandersetzung mit der Bürokratie ist für Korsowski inzwischen zur Odyssee geworden. Er fühlt sich zum zweiten Mal „bestraft“ – einmal vor 1989 und jetzt wieder.

Zu allem Überfluss kommt hinzu, dass Korsowski eine gesetzte Frist für die Klageerhebung verpasst hatte. Nun muss er hoffen, dass das Gericht seine schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen anerkennt – eine schwierige Abwägung. Noch heute hat er mit den psychischen Folgen der Haft zu kämpfen. „Sie wollten meinen Willen brechen, als sie mich in eine käfigartige Einzelzelle sperrten.“

Korsowski will nicht glauben, dass die Beweise, die er vorgelegt hat, nicht ausreichen. Er hat sich sogar mit seinem Peiniger von einst getroffen, der ihn ins Gefängnis gebracht und vor Gericht als „gesellschaftlicher Ankläger“ eine zehnjährige Haftstrafe gefordert hat. Es war sein Produktionsleiter, der zugleich Stasi-Major war. Der bestätigte, dass es sich damals um einen Schauprozess handelte und die Vorwürfe wie „Bandenbildung“ und „Zersetzung der DDR“ erfunden waren.

Die Rehabilitierungsbehörde überzeugt das nicht. Sie sieht keine beruflichen Nachteile. Allein die schriftliche Zulassung der Betriebsakademie würde zählen – doch die hat die Stasi bei der Hausdurchsuchung mitgenommen. Korsowski sollte nun seinem früheren Produktionsleiter, dem Stasi-Mann, einen Fragenkatalog vorlegen. Der lehnte die Beantwortung aber ab. Über dieses Ansinnen der Behörde ist Korsowski bis heute empört.

Ein Fall wie Korsowski, sagt Petra Morawe , Mitarbeiterin der Aufarbeitungsbeauftragten Poppe, komme gar nicht so selten vor. „Das Quellenproblem haben viele DDR-Opfer.“ Sie könnten heute oft nur noch Zeugen benennen. Für die Betroffenen sei das oft eine Zumutung, nach so vielen Jahren nach schriftlichen Beweisen zu suchen. Die Argumentation der Rehabilitierungsbehörde hält sie nicht für schlüssig. Sie fordert, den konkreten historischen Kontext in der DDR zu beleuchten und nicht allgemeine Verlautbarungen aus der DDR als Beleg zu nehmen.

Von Igor Göldner

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