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Brandenburg Schafe weiden wieder in Sanssouci
Brandenburg Schafe weiden wieder in Sanssouci
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19:39 06.07.2018
Der Falkenseer Schäfer Olaf Kolecki weidet einen Teil seiner Schafe jetzt am Rossbrunnen von Park Sanssouci. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Wer die Potsdamer Maulbeerallee hinter dem Schloss Sanssouci am Rossbrunnen vorbeifährt, kann sie blöken hören, vielleicht sogar grasen sehen: 50 Tiere der Rassen Bentheimer und Rauwolliges Pommersches Landschaf, grau und schwarz-weiß gescheckt. Völlig neu ist so ein Anblick nicht. Bis weit in die Mitte der 80er-Jahre konnten Besucher des Schlossparkes Sanssouci Schafe in den Parkanlagen weiden sehen. „Da sind richtig große Schafherden durchgegangen“, sagt Sven Hannemann, einer von drei Parkrevierleitern der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG). Seit dem vierten Juni sind die Schafe wieder im Park Sanssouci und grasen in umzäunten Arealen. In einem von der Universität Potsdam begleiteten Modellversuch soll zunächst fünf Jahre lang geprüft werden, was Schafe für eine ökologische Bewirtschaftung der Parkfläche leisten können. Finanziert wird das Projekt aus den üblichen Mitteln der Landschaftspflege. Was für die Flächen sonst die Mäher bekämen, erhält jetzt der Falkenseer Schäfer Olaf Kolecki für seine Dienstleistung.

Weniger Grünabfall strebt die Schlösserstiftung schon lange an. „Gartenbaubilanz“, sagt Revierleiter Hannemann. Das könnte zum Beispiel dadurch geschehen, dass die Gewächshäuser von der Gasversorgung der Stadt unabhängig werden und ihre eigene Heizung mit Holzpellets aus abgeschlagenen Parkbäumen bekommen. Aber auch auf den Grünflächen selbst soll es umweltfreundlicher zugehen. Die Schlösserstiftung will mehr Artenvielfalt auf den rund 250 Hektar umfassenden Wiesengelände des Parks haben. Dazu sollen die Schafe des Falkenseer Schäfers Olaf Kolecki etwas beitragen.

Dem kommt der Versuch nicht ungelegen. Beweidung ist für ihn praktisch die letzte Möglichkeit, mit seinen rund 400 Tieren noch Geld zu verdienen. „Schafwolle ist Sondermüll“, ätzt er. Und deutsches Schaffleisch sei einfach nicht konkurrenzfähig. „Ich werde von der Schlösserstiftung ausreichend bezahlt“, so Kolecki. Als ihn die Stiftung ansprach, hatte er zunächst Bedenken. „Es gibt hier viel Publikumsverkehr und ich fürchtete Vandalismus.“ Bislang haben sich die Befürchtungen nicht betätigt. Und die Schafe scheinen sich auf der schon recht trockenen Wiese wohlzufühlen.

Für Michael Burkart, den wissenschaftlichen Leiter des Botanischen Gartens der Universität, liegt die wissenschaftliche Begleitung dieser traditionellen Parkpflege nahe: „Wäre der Park Sanssouci nicht Welterbestätte, zählte das Gebiet zu den herausragenden Naturschutzgebieten für Wiesen und Trockenrasen im Land Brandenburg.“ Burkart erwähnt die Pechnelke, die in Brandenburg als stark gefährdet gilt. Auch die Tauben-Skabiose ist in Brandenburg knapp – nur nicht auf den Wiesen von Sanssouci. Schon deshalb ist eine Schafsbeweidung eine gute Maßnahme eines ökologischen Gesamtpakets.

 Allerdings gibt es zwischen Beweidung und Pflanzenschutz keinen einfachen Zusammenhang. Die Schafe selbst legen jedenfalls keinen Wert darauf. Sie fressen zum Beispiel gerne Leguminosen, unter die auch die in Brandenburg seltene Platterbsen-Wicke fällt. Aber anders als nach dem herbstlichen Mähen im Park Sanssouci bleibt bei Schafen kein Mahdgut übrig, das den Bewuchs abdecken und Samen ersticken könnte. Die Schafe sorgen durch ihr Fressen und Umhergehen auch für ganz unterschiedliche Bodenbeschaffenheit. Neben leer gegrasten und aufgewühlten Flächen finden sich auch bewachsene Abschnitte. Diese Vielfalt hilft seltenen und gefährdeten Pflanzen. Bleiben zum Beispiel einige Stellen aufgrund geringen Eintrags durch Pflanzenreste ungedüngt, haben seltene Pflanzen gegenüber dominanten Pflanzen einen Vorteil. Dominante Pflanzen profitieren überdurchschnittlich von Düngung und überwuchern dann die seltenen Pflanzen. Nicht zuletzt verteilen Schafe durch ihren Kot und ihr Fell auch Pflanzensamen. Für Schäfer Kolecki steht daher fest: „Schafe sind die besseren Gärtner.“

Ob das stimmt, soll das botanische Experiment klären. Sechs Hektar Wiese an verschiedenen Orten im Park hat die Stiftung ausgesucht. Neben der Wiese am Rossbrunnen soll zum Beispiel eine Wiese im Hopfengarten nördlich des Neuen Palais’ und eine Fläche vor den Römischen Bädern beweidet werden. Koleckis Schafe weiden jeweils in umzäunten Flächen von bis zu einem Hektar. Darinnen werden nochmals kleinere Flecken extra umzäunt, um die Schafe am Weiden zu hindern. Für diese Flächen interessiert sich Jakob Schulz besonders.

Schulz ist Masterstudent an der Universität Potsdam beim Botaniker Michael Burkart und bei Johannes Metz, der gerade die Professur für Biodiversität vertritt. Mehrmals in der Woche ist er für Feldforschung auf den Schafsweiden unterwegs. Akribisch dokumentiert und katalogisiert er den Pflanzenbewuchs sowohl auf den beweideten wie auch auf den von den Schafen frei gehaltenen kleinen Flächen. Kommendes Jahr wird er diese biologische Inventur noch einmal wiederholen. Dann werden Schlösserstiftung und Universität wissenschaftlich belegen können, ob die beweideten Flächen tatsächlich eine größere Pflanzenvielfalt aufweisen als Flächen ohne Schafe.

Die Folgen wären weitreichend. Mehr Pflanzenvielfalt heißt auch mehr Insekten und mehr Vielfalt bei den ökologisch so wichtigen Pilzen. Botaniker Burkart ist jedenfalls optimistisch: „Bei Trockenwiesen ist Beweiden genau das Richtige“, sagt er. Das sei zwar ein Bruch mit der früheren Tradition der Mahd, passe aber zu den Bedingungen unserer Zeit, in der Böden generell überdüngt seien. Burkart geht jedenfalls davon aus, dass die Schafe ihren Zweck erfüllen.

In einem Punkt haben sie sich schon bewährt. Als ausdrückliches Ziel neben der Artenvielfalt hat die Schlösserstiftung für die Schafsweiden auch ästhetische Aspekte formuliert. Die nicht unattraktiven Schafe sollen als Landschaftsschmuck zwischen Schlössern dienen. Das gelingt. Mit den Prachtbauten im Hintergrund hält der Anblick der weidenden Schafe in Sanssouci locker mit einem Gemälde im pastoralen Stil eines Francois Bouchers mit. Eine Touristenattraktion sind die Tiere auf jeden Fall.

Von Rüdiger Braun

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