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Ölquelle in der Uckermark

Gräfin baut ihren eigenen Mohn an Ölquelle in der Uckermark

Eine Gräfin aus der Uckermark baut rund 20 Hektar ihren eigenen Mohn an. Daraus presst sie dann Speiseöl und verkauft dieses an regionale Abnehmer und den Großhandel.

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Blankensee. Bauernhofidylle pur: Hühner laufen über die Streuobstwiese, Hunde und Katzen räkeln sich in der Sonne. Im Hofladen von Saskia Gräfin Hahn (39) in der sanierten Ölmühle im uckermärkischen Blankensee reihen sich regionale Angebote, vor allem kaltgepresste Öle aus eigener Produktion. Sie baut Mohn an und verarbeitet ihn. Dorfbewohner brachten die junge Frau auf die Idee. Sie berichteten ihr, dass es sich bei dem zum Gut gehörenden Gebäude von 1860 um die frühere Ölmühle handelte.

Doch die lag im Dornröschenschlaf. Das Gebäude war fast eingefallen, die Obstwiese überwuchert. „Wir suchten ein Standbein für schwierige Jahre – warum nicht eine Ölmühle, wenn sie denn schon da ist“, erklärt die Gräfin. Die junge schlanke Frau, die mit ihrem Mann seit 13 Jahren in Blankensee lebt, ging an den Start. „Der erste Versuch hat uns gleich gut gefallen.“ Inzwischen ist das Gebäude saniert, eine Ölpresse angeschafft.

Auf den rund 450 Hektar Acker und Grünland des land- und forstwirtschaftlichen Familienbetriebes gedeiht auf etwa 20 Hektar Mohn. „Dieser Mohn blüht pink und dann, wenn auch Raps blüht“, sagt Botho Graf Hahn. „Das müsste man mal aus der Luft fotografieren.“ Seine Frau ergänzt: „Ein Meer aus Blüten.“ Das Speiseöl liefert sie an regionale Abnehmer und den Großhandel. Alles läuft von Behörden kontrolliert ab. Wegen des Morphingehaltes von Mohn dürfen nur zwei Sorten angebaut werden. Die Ölausbeute beträgt rund 330 Liter pro Hektar.

Kaltgepresstes Speiseöl ist ein natürliches Produkt, das in seiner Qualität den Rohstoffen entspricht, schätzt Lebensmittelchemiker Bertrand Matthäus vom Max-Rubner-Institut in Detmold ein. Bei raffiniertem Öl – es wird gepresst, extrahiert und gereinigt – definiert sich die Qualität über den Verarbeitungsprozess. Hinsichtlich des Nährwertes gibt es zwischen beiden Sorten keine Unterschiede. Raffinierte Öle seien neutral in Geschmack und Geruch und in der Küche universell einsetzbar. „Native, kaltgepresste Öle zeichnen sich dagegen durch ein intensives Aroma aus, das sich aus dem verwendeten Rohstoff ergibt“, betont der Wissenschaftler vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel.

Deutschlandweit erfolgt die Ölgewinnung seit etwa 20 Jahren wieder verstärkt in kleinen und mittleren Anlagen im ländlichen Raum, wie Matthäus betont. Es gebe mehr als 250 solcher Anlagen, die Öle für den technischen Bereich, aber auch hochwertiges Speiseöl produzierten. In Blankensee entsteht dieses neben Mohn auch aus Bucheckern und Walnüssen. Zudem bietet Gräfin Hahn im Hofladen, zu dem ein Café gehört, aromatisierte Öle an. Ein Heu-Hotel öffnet 2014. Dieses sollen vor allem Schulklassen nutzen, um das Leben auf dem Bauernhof oder im Wald kennenzulernen, sagt die vierfache Mutter und studierte Forstwirtin.

Das Mohnöl wird auch über die Marke „Von hier“ angeboten, unter der sich kleine Firmen zusammenschlossen, um neue Vertriebswege aufzubauen, wie Kai Rückewold, Fachbereichsleiter des Verbandes Pro Agrar, berichtet. Mit ihren Produkten werden derzeit Supermärkte beliefert. Der Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in der Region Brandenburg-Berlin versuche, kleinen Firmen zu helfen, neue Vertriebswege zu erschließen, sich zu vernetzen, wo es möglich sei.

Mit der Regionalmarke „Von hier“ bieten 25 Firmen etwa 70 Produkte an, von Wurst bis zu Kartoffeln. „Wir wollen ein Image für regionale Produkte aufbauen und ein Brandenburg-Gefühl erzeugen.“ Haben die in die Uckermark Zurückgekehrten selbst schon ein solches Gefühl entwickeln können? „Unsere Kinder sind in Templin geboren und sollen hier ein Heimatgefühl haben“, betont die Gräfin, die von betagten Dorfbewohner gern Geschichten von früher hört. Das Verhältnis zu den Einheimischen sei ausgewogen. Dennoch: „Wir sind die Zugereisten“, betont das Paar. Es lebt seit 2000 in der Uckermark auf dem Gut, auf dem die Mutter von Botho Graf Hahn geboren wurde. Er selbst ist in Bayern aufgewachsen. „Die Familie hatte immer Kontakt nach Blankensee“, erinnert er sich.

Von Steffi Prutean

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