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Brandenburg Ohne Paschke kein „Wankelmotor“
Brandenburg Ohne Paschke kein „Wankelmotor“
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16:25 30.01.2017
Der Ro 80 von Martin Hill aus Rangsdorf ist seit August nach 37 Jahren Abstinenz wieder auf der Straße. Quelle: FOTO: Martin Hill
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Rangsdorf und Am Mellensee

Ein Leserbrief macht uns neugierig. „2017 ist für unseren Berlin-Brandenburger Stammtisch vom Ro 80 Club International e. V. ein besonderes Jubiläumsjahr“, berichten uns MAZ-Leser Gunter Wieden (Am Mellensee) und Martin Hill (Rangsdorf) aus dem Landkreis Teltow-Fläming. Und sie erzählen uns von ihrem Hobby und einem besonderen Auto. Der vor genau 50 Jahren vorgestellte NSU Ro 80 war die erste Limousine der Welt mit einem Zweischeiben-Kreiskolbenmotor und wurde 1967 zum Auto des Jahres gewählt. Bis 1977 wurde er beim Fahrzeughersteller NSU in Neckars­ulm in einer Stückzahl von etwa 37 400 gebaut. „Auch wollen wir an den vergessenen Entwickler des Kreiskolbenmotors, Hanns Dieter Paschke, erinnern“, so die Autofreunde. Wir erfahren:

Hanns Dieter Paschke (rechts) zu Besuch beim Stammtisch der Berlin-Brandenburger Ro 80 Freunde. Quelle: Gunter Wieden

Wer heute vom Wankelmotor spricht, meint eigentlich den Kreiskolbenmotor. Der von Felix Wankel erfundene und erstmals 1954 auf einem Prüfstand bei NSU zum Laufen gebrachte Drehkolbenmotor wurde jedoch nie in ein Fahrzeug eingebaut. Wankel schaffte es zwar, nach seiner Idee den Viertakt-Verbrennungsprozess in eine reine Drehbewegung umzusetzen, ohne das Auf und Ab der Kolben in den herkömmlichen Motoren. Ihm ging es um das Ideal einer schnell laufenden vibrationsfreien Turbine. Alle bewegenden Teile eines Drehkolbenmotors drehen sich um einen festen Punkt. Es dreht sich nicht nur der Drehkolben, Läufer genannt, sondern auch das Gehäuse. Die Kerzen saßen im Läufer. Das Kraftstoff-Luft-Gemisch wurde über die Hohlwelle zugeführt. Leider war dieser komplexe, mit vielen filigranen Dichtteilen aufgebaute Motor nicht sehr langlebig und schwierig und teuer in Herstellung und Montage.

Aus dem Wankelmotor wird der Kreiskolbenmotor

In dieser Form hätte er niemals den Einzug in ein Serienprodukt schaffen können. So bekam Hanns Dieter Paschke den Auftrag, die Idee Wankels in einen günstigeren und einfach in Serie zu bauenden Motor umzuwandeln. Diese keinesfalls triviale Aufgabe gelang Hans Dieter Paschke, indem er, sehr vereinfacht gesagt, den beim Drehkolbenmotor rotierenden Außenläufer stillsetzte. Der Kreiskolbenmotor war geboren. Das war der Durchbruch: Ab diesem Zeitpunkt wurden alle bis heute gebauten „Wankelmotoren“ nach dem von Paschke entwickelten System gebaut. Der Namensgeber Felix Wankel hatte die geniale Idee des Motorkonzepts, doch erst Hanns Dieter Paschke sorgte dafür, dass es zum Erfolg wurde.

Sukzessive Weiterentwicklung – von 30 hin zu 50 PS

Im Jahre 1958 lief der erste NSU-Wankel in der Versuchsabteilung, ein Kreiskolbenmotor mit 125 cm³ und einer Leistung von etwa 30 PS bei einer maximalen Drehzahl von 14 000 U/min (Umdrehungen pro Minute). Über drei Jahre entwickelte Paschke weiter, bis 1961 ein Kreiskolbenmotor 150 serienreif wurde. Die Entwicklung ging weiter, 1964 hatten die Entwickler einen Einscheiben-NSU-Wankelmotor mit 497 cm³ für den Einsatz in einem Kraftfahrzeug lauffähig, der im NSU Wankel-Spider, einem kleinen Sportwagen, eingesetzt wurde. Der leistete 50 PS bei 6000 U/min.

Rückansicht des Ro 80 von Martin Hill aus Rangsdorf Quelle: Martin Hill

Zur Internationalen Automobilausstellung 1967 stellte NSU den Ro 80 vor. Dieser bestach durch das gelungene Design von Claus Luthe (1932–2008) und mit seiner fortschrittlichen Technik. Erstmals wurde ein Zweischeiben-NSU-Wankelmotor eingesetzt. Die Leistung von 115 PS und die Spitzengeschwindigkeit von 180 km/h sind in diesen Jahren nur in wenigen Hochleistungsfahrzeugen zu finden. Autohersteller in den USA, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien erwarben Lizenzen. Der Kreiskolbenmotor wurde bis 2012 in zigtausendfacher Ausführung, vor allem in Autos der Firma Mazda, weltweit verkauft. Heute ist er aus dem Automobil verschwunden.

Auch Trabis und Wartburgs waren Anwärter für Paschkes Motor

Auch in der DDR wurde erkannt, welche Möglichkeiten in dem neuen Motor lagen. So lief bereits am 19. April 1960 im Motorradwerk in Zschopau der erste Versuchsmotor. Ab 1961 begann die Konstruktion am KKM 600, der für den Einbau im Wartburg 311 vorgesehen war, der Motor leistete 61 PS bei 6400 U/min. Bei Sachsenring wurde am KKM 400 entwickelt, der für den Einsatz im Trabant bestimmt war. Dass es nie dazu kam, ist eine andere Geschichte.

Hanns Dieter Paschke (2.v.l.) zu Besuch beim Stammtisch der Berlin-Brandenburger Ro 80 Freunde. Quelle: Gunter Wieden

Hanns Dieter Paschke starb 2015, im Alter von 94 Jahren in Berlin. Herr Paschke war ein sehr bescheidener Mensch. Er hat nie einen Ro 80 besessen, kam aber zu einem unserer Stammtische und nahm auch an internationalen Treffen teil. Wenn er mit leiser Stimme gesprochen hat, wurde es ruhig und alle hörten zu, was er zu erzählen hatte.

Der einzige Clubableger in Ostdeutschland

Der Berlin-Brandenburger Stammtisch vom Ro 80 Club International ist der einzige Stammtisch in Ostdeutschland und zählt in wechselnder Stärke sechs bis 20 Teilnehmer.

Wir treffen uns regelmäßig zu kleinen Ausfahrten in Brandenburg sowie zu Oldtimertreffen in der Gegend, zum Beispiel in Wünsdorf im September.

Was uns verbindet, ist die Freude am Fahren mit dem einzigartigen Wagen.

Dieses Jahr ist eine Fahrt nach König Wusterhausen mit dem Besuch des Funkermuseums geplant, außerdem fahren einige von uns im Juni zum internationalen NSU-Treffen nach Waging am See.

Mit rund 700 Mitgliedern ist der Verein Ro 80 Club International der weltweit größte Zusammenschluss von Ro-80-Fahrern, die sich auch über die Website www.ro80club.org organisieren.

Das Foto ist beim Herbsttreffen des Ro 80 Club international 2015 entstanden. Organisiert hat das damals der Berlin-Brandenburger Stammtisch. Quelle: privat

Von Martin Hill, Gunter Wieden

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