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Opposition sieht Denkmalschutz in Gefahr

Funktionalreform in Brandenburg Opposition sieht Denkmalschutz in Gefahr

Historische Gebäude und archäologische Funde legen Zeugnis ab über die lange Geschichte der Mark. 22.000 Objekte zählt die Denkmalliste des Landes. Oft wurde hart darum gerungen, denn warum Altes auch bedeutsam ist, sieht nicht jeder in den Kommunen ein. Ausgerechnet diesen Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) jetzt aber die Verantwortung übertragen.

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Bodenfunde in der Uckermark an der Autobahn A11.

Quelle: dpa

Potsdam. Brandenburgs Denkmalen stehen unruhige Zeiten bevor. Im Zuge der geplanten Kreisgebietsreform will Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) Zuständigkeiten für den Denkmalschutz von der Landes- auf die Kommunalebene übertragen. So sollen die Landkreise künftig entscheiden, welche historischen Objekte oder Gebäude schützenswert sind und welche nicht. Per Rechtsverordnung soll festgelegt werden, wann eine Beteiligung des Landesdenkmalamtes erforderlich ist.

„Damit wird der Denkmalschutz degradiert“, kritisiert die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Landtag, Anja Heinrich. Sie fürchtet, dass Landräte den Erhalt alter Bausubstanz dann hauptsächlich nach Kassenlage betrachten. „Wenn das Geld fehlt, wird schneller plattgemacht“, so Heinrich. Während das Landesamt mit Fachleuten wie Archäologen oder Kunsthistorikern besetzt sei, säßen in den Unteren Denkmalschutzbehörden der Kreise oft Sachbearbeiter, die dem Landrat unterstehen und sich finanziellen Erfordernissen beugen müssten.

Die Kulturpolitikerin der Grünen, Marie-Luise von Halem, warnt vor einem „Kahlschlag“, wenn die Denkmalliste künftig dem kommunalen Zugriff unterliegt. Die Liste werde seit mehr als zehn Jahren vom Denkmalamt des Landes geführt. Die Politikerin befürchtet, dass weniger Vorgänge zur Begutachtung an die Experten in der Wünsdorfer Landesbehörde gehen. Derzeit werden dort Streitfälle von landesrechtlicher Bedeutung entschieden. Von Halem warf der rot-roten Koalition vor, die Gebietsreform „mit dem Vorschlaghammer“ durchsetzen zu wollen. „Dabei wird missachtet, dass Denkmale Identität stiften, Touristen anziehen und im Handwerk ein Wirtschaftsfaktor sind.“

Auch Franz Schopper, Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege, sorgt sich angesichts der Pläne des Innenministers um den Denkmalbestand. „Wenn jeder Landkreis eigene Standards entwickelt, stellt sich die Frage, was wird in die Liste eingetragen und was nicht?“ Schoppers Behörde untersucht und bewertet jährlich mehrere Hundert Baudenkmale und archäologische Funde. Rund 22 000 sind erfasst. Allein für Ausgrabungen und Dokumentationen hat das Land seit der Wende 250 Millionen Euro ausgegeben. Der Archäologie-Professor warnt davor, Brandenburgs Denkmalschutz ins Provinzielle abgleiten zu lassen. Man arbeite seit Langem mit Wissenschaftseinrichtungen im In- und Ausland zusammen.

Das Kulturministerium zeigt sich eher bedeckt. „Die Debatte steht am Anfang“, so Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Das kulturelle Erbe sei nicht in Gefahr. Der Denkmalschutz sei im Landesetat für die nächsten beiden Jahre um 750 Millionen Euro aufgestockt worden. In Großprojekte wie die Stiftung Schlösser und Gärten flössen Millionenbeträge. Für Notsicherungsmaßnahmen an kleineren oder privat genutzten Denkmalen gebe es zudem einen Fördertopf.

Gräberfeld an der Autobahn

Das Landesamt für Denkmalpflege ist die zuständige Behörde für übergeordnete Aufgaben der Denkmalpflege in Brandenburg. Sitz ist in Wünsdorf (Teltow-Fläming). Das Amt hat Außenstellen in Cottbus und Calau und ist zudem verantwortlich für das Archäologische Landesmuseum in Brandenburg an der Havel.

Amtschef ist seit 2012 Professor Franz Schopper. Der 51-Jährige ist studierter Ur- und Frühgeschichtler. Nach Stationen als Bodendenkmalpfleger in Bayern wechselte Schopper 1997 nach Brandenburg und wurde zunächst Landesarchäologe.

Eine der jüngsten spektakulären Ausgrabungen gab es vor einem Jahr in Schmölln (Uckermark). Bei Arbeiten an der Autobahn 11 war man auf ein 7000 Quadratmeter großes germanisches Gräberfeld aus der Zeit 500 v. Chr. Geburt gestoßen. In Monate langer Arbeit gelang es den Archäologen Steinkreise, Schiffsrümpfe und Speichenräder sichtbar zu machen.

Von Volkmar Krause

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