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Ortsvorsteher will Bauland schaffen

Jeseriger Gewerbebrache Ortsvorsteher will Bauland schaffen

Das Jeseriger Gewerbegebiet harrt seiner Zukunft. Jetzt hat Ortsvorsteher Andreas Gohlke den Vorschlag, dort Eigenheim-Bau zu ermöglichen. Das scheint indes ein Ding der Unmöglichkeit, meint jedenfalls Thomas Petter, Nachtragsliquidator der aufgelösten Gewerbepark Jeserig GmbH.

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Blühenden Landschaften in Jeserig: Gräser im Wind auf 17 Hektar erschlossener Brache.

Quelle: Marion von Imhoff

Jeserig. Blühende Landschaften waren die Vision des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) von der wirtschaftlichen Perspektive Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung. Bald jedoch wurde der Begriff umgemünzt auf jene Flächen, die ihrer Entwicklung teils bis heute harren. Das Wort von den „beleuchteten Wiesen“ machte die Runde.

Gemeint sind leerstehende Gewerbeparks wie jener in Jeserig: 17 Hektar voll erschlossene „teure Schafweide mit Straßen.“ So nennt es auch Thomas Petter. Der Rechtsanwalt aus Zossen ist Nachtragsliquidator der HSG Gewerbepark Jeserig GmbH.

Diese wurde Petter zufolge „nach masseloser Insolvenz bereits vor Jahren gelöscht“. Verkauft wurde von der in den 90er Jahren erschlossenen Fläche bisher nichts, so Petter.

Still wehen die Gräser im Wind auf der Fläche, die mit Strom-, Trink- und Abwasserleitungen samt Tiefbrunnen versorgt ist.

Ortsvorsteher Andreas Gohlke (CDU) mag das nicht mehr hinnehmen. Er verfolgt eine Idee und nennt sie „mein großes Hauptziel“. Mit weiter Geste deutet der 38-jährige ehrenamtliche Kommunalpolitiker in seinem Heimatdorf auf die Anhöhe südlich der Bundesstraße 1. Aus der rund 17 Hektar Gewerbebrache soll etwa ein Drittel der Fläche für Wohnbebauung ausgegliedert werden, schlägt Gohlke vor. Durch das Haushaltssicherungskonzept sei die Gemeinde gezwungen gewesen, alle Baugrundstücke in ihrem Eigentum zu Geld zu machen, sprich zu verkaufen. „Nun sind keine mehr da, wir brauchen aber Bauland“, sagt Gohlke. Rund 30 Einfamilienhäuser könnten dort entstehen, wo bisher Straßen, Bürgersteige und Laternen umsonst in den märkischen Sand gesetzt worden sind.

Doch dafür müsste das Gewerbegebiet in eine Mischgebiet umgewandelt werden. „Dem Vorschlag des Ortsvorstehers stehe ich positiv gegenüber“, sagt Petter der MAZ, nicht ohne auf die Schwierigkeiten an der Idee hinzuweisen: „Das Problem für weitere Planungen ist die rechtliche Situation der HSG und der Grundstücke.“ Mit Verweis auf die Insolvenz der HSG erläutert Petter: „Es ist weder Geld noch Verhandlungsspielraum vorhanden. Die Grundstücke sind bei einer Vielzahl von Gläubigern weit über deren Wert belastet.“

Zahlen und Fakten

Für das Land Brandenburg sind fast 26 000 Hektar als Bruttofläche in Gewerbegebieten erfasst. Das geht aus den Zahlen des Landesamtes für Bauen und Verkehr hervor. Das entspricht rund neun Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche. Von dieser Bruttofläche sind 7900 Hektar, also gut 30 Prozent, ungenutzt. Das bedeutet, pro 1000 Einwohner gibt es 3,2 Hektar Gewerbebrache im Land Brandenburg. Zur Bruttofläche zählen auch die Bürgersteige und Straßenflächen.

Gleich nach der Wende haben viele Gemeinden in Ostdeutschland gehofft, ein großes Stück Kuchen vom wirtschaftlichen Aufschwung abzubekommen, wenn man Investoren schon fertig erschlossene Gewerbegebiete präsentieren könne. Das ist der Grund, warum Gewerbeparks wie Pilze aus den Boden schossen und Millionen in sie investiert wurden, mit der Folge eines enormen Überangebotes. Bis heute steht ein Drittel dieser Flächen leer.

Es müsste ein Bebauungsplan aufgestellt werden, erläutert der Jurist: „Das hierfür notwendige Geld stellen die Gläubiger jedoch nicht zur Verfügung, da sie bereits hohe Beträge ,verloren’ haben. Ohne B-Plan lässt sich jedoch kein Käufer finden. Wer kauft schon eine teure Schafweide mit Straßen.“

Die HSG war nicht der Projektentwickler des gesamten Gewerbegebietes in Jeserig. Nicht zum HSG-Areal zählt die Fläche von McMöbel. Das HSG-Gelände wiederum ist zweigeteilt. Zum einen in den nach der Wende neu erschlossenen, komplett ungenutzten Teil von 17 Hektar, die beleuchtete Wiese, für den es bis heute keinen gültigen Bebauungsplan gibt.

Der andere Teil war zu DDR-Zeiten das Gelände der Jeseriger LPG. Diese zwei Hektar große Fläche ist nach Angaben Petters komplett verkauft. Dort ist seit 2013 unter anderem der Bauhof der Gemeinde Groß Kreutz beheimatet. Ansässig sind zudem sechs Firmen.“

Von Marion von Imhoff

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