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Ostdeutsche haben wenig Vertrauen in Medien und Kirchen

Umfrage Ostdeutsche haben wenig Vertrauen in Medien und Kirchen

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall unterscheiden sich Ost und West noch auf so manchem Gebiet. Auffällige Unterschiede gibt es beim Vertrauen in Institutionen. Doch es gibt auch (ein paar wenige) Gemeinsamkeiten.

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Nur 16 Prozent der Menschen im Osten trauen dem Fernsehen.

Quelle: dpa

Potsdam. Ostdeutsche schenken Medien und Kirchen einer Umfrage zufolge deutlich weniger Vertrauen als Westdeutsche. Nur 16 Prozent der Menschen im Osten trauen dem Fernsehen (Westdeutsche: 30 Prozent), nur 27 Prozent der Presse (West: 43%) und 41 Prozent dem Radio (West: 59%). Das ist ein Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Mediengruppe RTL zum Vertrauen der Deutschen in nicht-politische Institutionen.

Demnach haben auch nur 13 Prozent der Ostdeutschen Vertrauen zur katholischen Kirche (West: 30%), 34 Prozent trauen der evangelischen Kirche (West: 50%) und 40 Prozent dem Papst (West: 57%).

Genaue Fragestellung

In der repräsentativen Forsa-Umfrage wurden 2307 Menschen vom 15. bis zum 20. Dezember 2017 befragt. Die genaue Fragestellung lautete:

„Ich nenne Ihnen jetzt einige Einrichtungen, Institutionen oder gesellschaftliche Gruppen. Bitte geben Sie jeweils an, ob Sie dieser Gruppe oder Institution sehr großes Vertrauen entgegenbringen, großes Vertrauen, eher wenig oder gar keines.“

Ost und West im Gleichtakt

Nur drei Institutionen schenken die Ostdeutschen dem RTL/n-tv-Trendbarometer zufolge ähnlich viel Vertrauen wie die Westdeutschen: den Ärzten (Ost: 79%; West: 78%), dem Zentralrat der Juden (Ost: 39%; West: 37%) - sowie auf niedrigem Niveau dem Zentralrat der Muslime (Ost: 16%; West: 12%).

Kirche im Osten oft unbekannt

Das geringe Vertrauen der Ostdeutschen in die Kirchen erklärt der Politikpsychologe Prof. Thomas Kliche mit der fehlenden Bindung an die Institution. „Von Kirche haben die allermeisten Ostdeutschen praktisch keine Vorstellung mehr“, erläuterte der Wissenschaftler von der Hochschule Magdeburg-Stendal. In Sachsen-Anhalt zum Beispiel seien gerade noch 17 Prozent der Bevölkerung in einer Glaubensgemeinschaft. „Je weniger man aber eine Sache, Personen oder Gruppen kennt, desto leichter entwickelt man Vorurteile, zeigt die Sozialpsychologie.“

Misstrauen gegen die Presse

Das Misstrauen gegen die Presse sei aus der Historie zu erklären. „Ostdeutschland hat erstens den Zusammenbruch einer Gesellschaft erlebt. Der betrifft auch, was man als Tatsache und Weltbild ernst genommen hat. Welchen Informationen darf man denn nun überhaupt noch trauen?“, erklärte Kliche. „Zweitens war es danach für die Ostdeutschen schwer, in die Leitmedien vorzudringen und den eigenen Erfahrungen eine Stimme zu geben. Sie wurden als Verlierer, Unwissende, Versager hingestellt – der Westen hatte schließlich gewonnen. Die Medien wurden so zur aufgestülpten, künstlichen Erklärungshaube von außen.“

Großes Vertrauen in Polizei

Das größte Vertrauen haben die Deutschen insgesamt zur Polizei , zu den Universitäten, den Ärzten und ihrem eigenen Arbeitgeber - und das geringste zu Arbeitgeberverbänden, Banken, Versicherungen, Managern und Werbeagenturen sowie zum Zentralrat der Muslime und zum Islam.

Im Vergleich zu einem Jahr vorher sei etwa das Vertrauen in Unternehmen um 18 Prozentpunkte zurückgegangen, das in Manager um 7 Prozentpunkte. Das Vertrauen zum Islam ist um 16 Prozentpunkte gesunken und zum Zentralrat der Muslime in Deutschland um 15 Prozentpunkte. Nur 9 Prozent der Deutschen haben demnach noch großes Vertrauen in den Islam.

Von Birgit Zimmermann

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