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Auf der Suche nach den Sternschnuppen

Perseiden-Regen in Brandenburg Auf der Suche nach den Sternschnuppen

Wünsch dir was: Noch bis morgen sind dank eines Meteorstroms besonders viele Sternschnuppen zu sehen. Der Sternenpark Westhavelland bietet perfekte Voraussetzungen zur Beobachtung des Himmels, denn die Nächte dort sind besonders dunkel. Marion Werner hatte am Freitagabend für Hobby-Astronomen etwas Besonderes vorbereitet.

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Sternschnuppen-Regen: In der Nacht auf Samstag bleibt noch Zeit zum Perseiden-Gucken.

Quelle: dpa

Strodehne. Immer wenn Marion Werner als junges Mädchen Sternschnuppen am Himmel beobachtete, wünschte sie sich an einen Ort, der nah an einem See liegt. "Damit ich schon gleich morgens schwimmen gehen kann", sagt die gebürtige Berlinerin, die im Prenzlauer Berg aufgewachsen ist. Dieser Wunsch ging für sie vor fünf Jahren in Erfüllung, als sie in das 440-Seelen-Dorf Strodehne im Naturpark Westhavelland zog, nur ein paar Kilometer entfernt von Gülpe, dem dunkelsten Ort Deutschlands. "Die Nächte hier sind besonders dunkel, die Sterne leuchten wie nirgendwo anders", sagt sie. Dass diese Region im Jahr 2014 von der "International Dark Sky Association" zum ersten Sternenpark Deutschlands erklärt wurde, nennt sie eine glückliche Fügung: Denn Marion Werner beschäftigt sich schon seit ihrem 16. Lebensjahr mit Sternenbildern, in ihren Sommerurlauben saß sie oft nachts vor ihrem Zelt, blickte verträumt in den Himmel und wollte diese ihr so unbekannte Welt ergründen. Inzwischen kann sie 30 der insgesamt 80 Sternbilder problemlos bestimmen und hat viele Bücher über Astronomie gelesen.

In ihrem "Haus der Vielfalt“ mieten sich immer mehr Menschen ein, die sich nach Ruhe und Entspannung sehnen und die Welt der Sterne erkunden wollen. Dafür bietet die Hobby-Astronomin Sternenwanderungen an, aber auch Basen-Fasten und Wildpflanzenführungen. Freitagnacht kamen etwa 20 Astronomie-Begeisterte nach Strodehne, um mit ihr zusammen den Sternschnuppenregen zu genießen. Jedes Jahr um den 12. August kreuzt die Erde auf ihrem Weg um die Sonne die Umlaufbahn eines Meteorstroms, auch Perseiden genannt, die die leuchtenden Feuerwerke am Himmel verursachen.

 

Marion Werner beobachtet den Himmel.

Quelle: Melanie Höhn

"Es ist ein großes Glück, noch so ein dunkles Stück Himmel zu haben", sagt sie zu ihren Gästen, denen sie zunächst ein Video des Gülper Sees zeigt, über dem sich der klare Sternenhimmel im Zeitraffer verändert, bevor es nach draußen zu den Sternschnuppen geht. Zu sehen ist die weite Flur, die vom dunklen Himmel und den unzähligen Sternen verschluckt wird. Während des Vortrags stellt sie das Hubble-Weltraumteleskop vor: "Da oben gibt es unendlich viel Leben und unendlich viele Galaxien. Es sind Bilder, die mir den Atem rauben", sagt die 54-Jährige und gibt den Astronomie-Interessierten gleich ein paar Tipps an die Hand für das Betrachten der Himmelskörper zu Hause: "Nehmt euch eine Sternenkarte, geht einfach raus und plant viel Zeit ein. Auch mit einer App auf dem Handy können die Konstellationen gut bestimmt werden." Wenn der Himmel überflutet ist mit Sternen, sei die Beobachtung jedoch gar nicht so einfach. Lieber auch mal rausgehen, wenn es nicht im Übermaß vom Himmel glitzert und funkelt, weiß die Expertin. Wem die reale Beobachtung zu kurz war, kann sich das Programm Stellarium herunterladen und die Welt der Sterne noch detaillierter vom Computer aus erkunden.

Lichtverschmutzung bereitet Sorgen

Ein Thema, das Marion Werner besonders beschäftigt, ist Lichtverschmutzung: "Wenn der nächtliche Schlaf durch zu viel Licht gestört ist, wird die Produktion des Hormons Melatonin gehemmt. Dadurch können Schlafstörungen entstehen und man altert schneller", erklärt sie. Vor allem im Berlin sei die Lichtverschmutzung extrem hoch. "Wir haben im Havelland Glück, denn es gibt hier viel Wasser und es kann nicht viel gebaut werden. Dadurch entstehen weniger Lichtquellen." Das Schlafzimmer sollte dunkel sein, appelliert Werner an ihre Gäste, die sie nun nach draußen in die havelländische Nacht führt.

Der Freitagabend im August ist klar und kühl, alle Teilnehmer haben sich dick angezogen. Noch ist weit und breit keine Sternschnuppe zu sehen. Nach einem kurzen Spaziergang erreicht die Gruppe ein abgelegenes Feld außerhalb von Strodehne. Vor jedem bäumt sich nun der prächtige Sternenhimmel auf. Mit ihrem blauen Laserstrahl deutet Marion Werner für alle gut zu erkennen auf ein auffälliges Sternbild: Das Kassiopeia, das Himmels-W. "Wenn der zweite W-Strich verlängert wird, kommen wir ins Sternbild Persus, der Ursprung dieser Sternschnuppen, die wir heute sehen." Nicht weit davon entfernt leuchtet das Sommerdreieck Wega, Atair und Deneb.

Sterne, die wir mit dem bloßen Auge sehen

"Mit dem bloßen Auge können wir etwa 6000 Sterne sehen", sagt die Expertin, als gerade ein Satellit, der genau in ihrem Blickfeld ist, vorbeischießt und sinniert: "464 Meter drehen wir uns mit der Erde, theoretisch müssten uns die Haare wehen." Klar zu erkennen ist Arktur, hellster Stern des Nordhimmels, der sich im Sternbild des Bärenhüter befindet. Fast zu jeder Konstellation weiß Marion Werner eine kleine Anekdote. Besonders fasziniert ist sie vom Polarstern: "Er liegt am Ende des kleinen Wagens und ist 432 Lichtjahre von uns entfernt. Er ist unsere verlängerte Achse."

Wo der dunkelste Ort der Welt ist, fragt einer der Teilnehmer. "Irgendwo im Meer, wo es keine Bohrinsel gibt. Viele denken in Island ist es am dunkelsten, aber dort strahlt das Licht der Gewächshäuser enorm", erklärt Marion Werner, als gerade mehrere Sternschnuppen die Aufmerksamkeit der Gruppe auf sich ziehen. Doch die erwarteten 100 Sternschnuppen pro Stunde bleiben leider aus. Bald legt sich eine Wolkendecke über die Sterne, so dass sie innerhalb weniger Sekunden verschwunden sind. Nur einzelne blitzen jetzt noch durch, wie etwa Capella, der helle Stern im Norden im Sternbild Fuhrmann. "Alle mal pusten, dass die Wolken wieder weggehen", flüstert die Sternenführerin, doch es wird nicht mehr klarer. Nun wartet sie eben auf die nächste Nacht, auch dann wird sie sich wieder etwas wünschen. Doch es wird nicht der See sein, denn das ist dank der Sternschnuppen schon in Erfüllung gegangen.

Von Melanie Höhn

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