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Perseus, Medusa und Andromeda

Sternenhimmel über Brandenburg im Oktober 2017 Perseus, Medusa und Andromeda

Im Oktober dominieren die Herbststernbilder den Nachthimmel über Brandenburg. Was es mit Perseus, Andromeda, Kassiopeia und der Medusa auf sich hat, erklärt Autor Uwe Schierhorn.

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Quelle: Uwe Schierhorn mit Stellarium

Königs Wusterhausen. Die Beobachtungszeiten des dunklen Himmels werden nach Herbstbeginn zwar etwas kühler aber auch länger werden. Im Oktober wird die Tageslänge insgesamt eineinhalb Stunden kürzer. Bei wolkenlosem Himmel sind bereits ab 20.00 Uhr auch die lichtschwächeren Sterne zu erkennen. Dabei ändert sich kaum die Erscheinung gegenüber dem Septemberhimmel. Die Bewegung des Himmels in Richtung Westen wird durch den früheren Sonnenuntergang ausgeglichen.

Günstig ist jetzt die Sicht auf das Band der Milchstraße, welches sich direkt über uns zieht. Am Südhimmel sind jetzt die sogenannten Herbststernbilder dominierend. Pegasus, das geflügelte Pferd, steht kopfüber am Südosthimmel. Es schließen sich in Richtung Osten die Protagonisten der antiken Sage rund um Perseus an: Andromeda, Fische und Walfisch und Perseus sowie Kassiopeia und Kepheus im Zenit.

Der Perseus-Mythos

Die sehr arrogante Königin Kassiopeia, Frau des Königs Cepheus, hatte eine Tochter, die Andromeda. Kassiopeia schmückte sich mit ihrer Tochter, die sie immer wieder als überirdisch schön, schöner noch als die Nereiden, die 50 Nymphen des Poseidons, bezeichnete. Das rief den Meeresgott auf den Plan. Er sandte ein Seeungeheuer (am Himmel das Sternbild Walfisch) und eine Flut über das Land. Ein Orakel gab dem Land den Rat, um gerettet zu werden und Poseidon gnädig zu stimmen, Andromeda an einen Felsen zu schmieden und so dem Seeungeheuer zu opfern. Perseus, Sohn des Zeus und der Danae, befreite Andromeda und nahm sie danach zur Frau. Perseus selbst war ungeliebter Enkel des Königs Akrisios. Weil dieser ihn beseitigen wollte, musste Perseus die gefährliche Aufgabe erledigen, dem König das Haupt der Medusa, eine der drei Gorgonen (Töchter des Meerungeheuers), deren Blick alles versteinerte, zu bringen. Durch eine List mit Hilfe des Spiegelschildes der Göttin Athene gelang es ihm. Bei seiner Rückreise sah er die angekettete Andromeda. Er besiegte das Meeresungeheuer Keto – in einigen Überlieferungen mit dem Haupt der Medusa, in anderen mit seinem Schwert – befreite Andromeda und bekam sie zu Frau. Bei der Hochzeitsfeier soll er noch mal das Haupt der Medusa eingesetzt haben, um sich seines Nebenbuhlers zu entledigen.

So verwundert es auch nicht, dass im Sternbild Perseus auch das Haupt der Medusa verewigt ist. Der Stern Algol (ß Per), ein Stern in 93 Lichtjahren Entfernung und zweithellster des Perseus, wechselt periodisch seine Helligkeit: Alle 2 Tage, 20 Stunden und 48 Minuten erreicht er ein Helligkeitsminimum. Der Holländer John Goodricke (1764-1786) bestimmte gerade 19-jährig im Jahre 1783 die Länge der Schwankungsperiode. Es ist aber davon auszugehen, dass die Schwankung selber bereits in der Antike bekannt war. Die Perseussage und die Übersetzung aus dem Arabischen (Algol heißt dort soviel wie Teufelsstern) untermauern diese Vermutung. Bereits im Sternkatalog des Ptolemäus (um 100 n. Chr.) wurde dieser Stern mit der Medusa in Verbindung gebracht. Ptolemäus bezeichnete ihn Gorgonea Prima (Erste der Gorgonen). Man kannte jedoch nicht die Ursache dieser Helligkeitsschwankungen. Heute weiß man, dass diese Helligkeitsschwankungen durch ein Doppelsternsystem hervorgerufen werden, welches genau in Blickrichtung um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreist. Dabei kommt es in regelmäßigen Zeitabständen zu Bedeckungen, was die Helligkeit sinken lässt. Algol ist der Prototyp eines bedeckungsveränderlichen Sterns.

Die meisten der mit bloßen Augen sichtbaren Planeten, zeigen sich uns am Morgenhimmel. Besonders ist die Begegnung von Mars und Venus am 5. Oktober wo die Venus am Mars vorbeieilt. Die Abbildung rechts verdeutlicht die relative Bewegung beider Planeten zueinander innerhalb der Woche vom 2. bis 8. Oktober.

Saturn ist in der Abenddämmerung noch im Südwesten zu sehen, Jupiter entzieht sich der Sichtbarkeit, da die Erde sich auf ihrer Innenbahn um die Sonne schneller als Jupiter bewegt und er damit am 26.10. von uns aus gesehen hinter der Sonne steht. Er hat seine Konjunktionsstellung erreicht. Ebenso verhält es sich mit Merkur, der am 8.10. wegen seiner noch schnelleren Bewegung um die Sonne hinter ihr verschwindet.

Weinmond am 5. Oktober

Der 10. Vollmond des Jahres, der „Weinmond“, ereignet sich am 5. Oktober im Sternbild Fische. Bis zum Neumond am 19.10. wird der Mond abnehmend die zweite Nachthälfte erleuchten. Ab dem 21.10. ist er wieder als zunehmende Sichel am Abendhimmel zu erkennen.

Zeitumstellung am 29. Oktober

Ab dem 29. Oktober gilt in Deutschland wieder die mitteleuropäische Zeit MEZ. Sie löst die im März verordnete Sommerzeit (MESZ) ab. Nachts um 3.00 Uhr (MESZ) werden die Uhren wieder um eine Stunde zurückgestellt, diese Nacht ist also eine Stunde länger, was viele Schüler (und Lehrer) im Land Brandenburg freuen wird, verlängert sich dadurch doch ihre Ferienzeit um eine Stunde.

Autor Uwe Schierhorn ist Fachlehrer für Mathematik, Physik und Astronomie am Friedrich–Schiller–Gymnasium Königs Wusterhausen und Mitglied der Schul- und Volkssternwarte Dahlewitz e.V.

Quelle: Keller, Hans-Ulrich (Hrsg.), Kosmos Himmelsjahr 2016; Kosmos-Verlag; Stuttgart, 2015
Daten: www.calsky.com und www.heavens-above.com Abbildungen: erstellt durch den Autor (u.a. unter Nutzung von Stellarium 0.14)

Von Uwe Schierhorn

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