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Brandenburg Initiative kämpft gegen Pestizid-Einsatz
Brandenburg Initiative kämpft gegen Pestizid-Einsatz
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08:05 21.02.2014
Etwa zwei Drittel der märkischen Bauern setzen zur Unkrautvernichtung Mittel wie Glyphosat ein. Quelle: dpa
Boitzenburg

Wenn in der Uckermark bald der Frühling anbricht, beginnt für Sybilla Keitel die Leidenszeit. Augenbrennen, Kopfschmerzen: Ihre Beschwerden führt Keitel aber nicht auf Allergien zurück, sondern auf Pestizide in der Landwirtschaft. Zu jeder Saison versprühten die Bauern auf den umliegenden Feldern des Boitzenburger Landes einen „Giftcocktail”, sagt Keitel, darunter Glyphosat.

Das sogenannte Totalherbizid ist eines der weltweit meistverwendeten Pflanzenvernichtungsmittel und seit Jahrzehnten im Einsatz. Landwirte schätzten die „einfache und kosteneffektive Art der Unkrautbeseitigung”, heißt es bei der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat, ein Verbund von Unternehmen der Pflanzenschutz-Industrie. Kritiker sagen, das Mittel sei krebserregend und schädige das Erbgut.

Weil Glyphosat auch als Reifebeschleuniger eingesetzt wird, finden sich mittlerweile Rückstände in Mehl und Backwaren.

Die Gründerin der Bürgerinitiative "Pestzidfreie Uckermark", Sybilla Keitel, steht in der Gemeinde Beutzenburger Land an einem Feldrand. Quelle: dpa

Sybilla Keitel und ihr Ehemann Gert Müller kauften sich vor 20 Jahren im Boitzenburger Land ein Haus im Grünen. Damals sei die Uckermark eine „Naturidylle” gewesen, sagen beide. Ihr Haus liegt mitten im Naturschutzgebiet. Doch in den vergangenen Jahren beobachtete das Paar Veränderungen: Schmetterlinge, Vögel, Frösche, Bienen – viele der früher so zahlreichen heimischen Tiere seien fort. 

In einem Tümpel im benachbarten Maisfeld nahmen Keitel und Müller Wasserproben und schickten sie an ein Chemielabor in Berlin-Adlershof. Das Ergebnis: Im Gewässer fand sich fast ein Dutzend Pestizide, darunter Metolachlor, Terbuthylazin, Simazin und Glyphosat. Fast alle gefundenen Gifte hätten den Grenzwert der Grundwasserrichtlinie extrem überschritten, sagt Müller – allein Glyphosat um 220 Prozent.

Müller hatte nicht vor, Hobby-Chemiker zu werden, in Berlin ist er Prorektor der Musikhochschule Hanns Eisler. Doch nach dem Giftfund im Tümpel gründete er mit seiner Frau die Initiative „Pestizidfreie Uckermark”, ein Bürgerbündnis gegen die intensive Landwirtschaft im Agrarland Brandenburg.

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat

  • Glyphosat ist eines der weltweit am häufigsten eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel. Es wird in der Landwirtschaft, aber auch von Kleingärtnern verwendet. Mittel wie „Roundup” vom Agrarkonzern Monsanto sind in Baumärkten erhältlich.
  • Dank Glyphosat müssen Landwirte nicht mehr pflügen. Stattdessen spritzen sie im Frühjahr ihre Felder mit dem Pflanzengift frei.
  • Anschließend können Mais, Getreide oder Raps ausgesät werden. Das Mittel wird aber auch zur Reifebeschleunigung (Sikkation) eingesetzt.
  • In Deutschland hat sich der Absatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln laut Bundesregierung in den vergangenen 20 Jahren mehr als verzwanzigfacht.

Wie viel Glyphosat auf den Äckern landet, ist unklar: „In Brandenburg liegen keine Daten zum Anwendungsumfang von Glyphosat vor”, sagt ein Sprecher des Umweltministeriums. Auch der Landesbauernverband (LBV) hat keine exakten Zahlen, sondern nur „Daumenwerte”.

Früher pflügten Landwirte ihre Felder zur Unkrautbekämpfung. Diese Methode sei „etwas aus der Mode gekommen”, sagt Karsten Lorenz, LBV-Referent für Acker- und Pflanzenbau. Zwei Drittel der märkischen Bauern arbeiteten heute pfluglos und setzten auf Herbizide wie Glyphosat. Die Kritik an dem Mittel weist der Bauernverband zurück. „Ich glaube, es gibt 620 Studien, alle kommen zum Schluss, dass Glyphosat nicht krebserregend ist”, sagt Lorenz.

Glyphosat schädige menschliche Zellen und führe zu deren raschem Absterben, warnt dagegen der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Es mehrten sich die Studien, wonach Glyphosat „erhebliche negative Effekte” für Umwelt und Gesundheit habe. Bei Hühner- und Froschembryonen löste Glyphosat Missbildungen aus. Ein Leipziger Forscherteam fand Glyphosat-Rückstände im Urin von Nutztieren und Menschen - auch von solchen, die im Alltag nicht direkt mit Glyphosat in Kontakt gekommen waren. Ein Hinweis darauf, dass das Mittel in der Nahrungskette angekommen sein könnte.

Derzeit prüft die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), ob Glyphosat weiter in der Landwirtschaft eingesetzt werden darf. Deutschland ist berichterstattender Mitgliedsstaat und hat die weitere Zulassung beantragt. Grundlage ist ein positiver Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Sorgen um ein mögliches Glyphosat-Verbot müssten die Landwirte sich also nicht machen, sagt Karsten Lorenz vom Landesbauernverband.

Kritiker sollten „die Kirche im Dorf lassen und der Wissenschaft vertrauen”, meint Lorenz und betont: „Pflanzenschutzmittel sind wichtig für uns.” Dank ihres Einsatzes seien die Erträge in der Landwirtschaft erheblich gestiegen.

In der Uckermark wollen sie dagegen weiter für ein Verbot von Glyphosat und anderen Pestiziden kämpfen. „Hier wird ein Ökosystem vernichtet”, sagt Aktivistin Keitel am Rande ihres verseuchten Tümpels. Bald wird die Landschaft aufblühen. Touristen werden kommen, um sich in der grünen Uckermark sich zu erholen. Oh ja, grün sei die Uckermark, sagt Keitel, aber „giftgrün”.

Von Haiko Prengel, dpa

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