Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Vater der Tempo-Erbsen hört auf
Brandenburg Vater der Tempo-Erbsen hört auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:29 27.11.2014
Peter Kretschmer und das Institut für Getreideverarbeitung in Bergholz-Rehbrücke Quelle: Archiv
Bergholz-Rehbrücke

Ein spitzfindiger Treuhandmitarbeiter schenkte ihm 1994 amerikanische Boxhandschuhe. Damals war die Privatisierung des Instituts für Getreideverarbeitung (IGV) gerade über die Bühne gegangen. Peter Kretschmer, der nach der Wende von der Belegschaft zum Geschäftsführer gewählt worden war, hatte mit zwei Kollegen und zusammengeliehenem Geld das Institut aus dem Treuhand-Imperium herausgekauft, um das IGV zu retten. Fortan mussten sich die Lebensmittelingenieure in Bergholz-Rehbrücke (Potsdam-Mittelmark), die zu DDR-Zeiten Meister der Improvisation waren, allein in der freien Marktwirtschaft durchboxen.

Das schafften sie mit Bravour: Das Institut, das in neuen Zeiten eine GmbH wurde, gibt es 54 Jahre nach der Gründung immer noch. 53 Jahre davon war Peter Kretschmer dabei. Jetzt geht er von Bord. Heute verabschiedet sich der 76-Jährige von seinen Mitarbeitern in den Ruhestand, die Laudatio hält Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD).

Kretschmer wird freier Mitarbeiter

Von Ruhestand will Kretschmer freilich nichts wissen. Er ziehe sich aus dem operativen Geschäft zurück, sagt er. Auf seine Ideen kann das Institut weiter bauen. Wenn man so will, geht Kretschmer als freier Mitarbeiter zu den Ursprüngenzurück, als er seinen Ruf als Forscher und Erfinder begründete.

Der Daniel Düsentrieb der DDR-Lebensmittelindustrie bekam einst als Aufgabe aufgetragen, die Kochzeit von Hülsenfrüchten zu reduzieren. Den modernen Frauen, die Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen hatten, sollte die Zeit in der Küche verkürzt werden. Kretschmer fand die Lösung: Tempo-Erbsen, die schon nach zehn Minuten servierfertig sind. Dank einer wärmetechnischen Vorbehandlung entfiel das stundenlange Einweichen und Kochen.

Das IGV erhob Improvisieren zur Kunst

Kretschmer gilt auch als Vater von Cornflakes, Erdnussflips und Kukoreis – ein Kürzel, das für Kurzkochreis steht. Kreiert wurden die Produkte damals für das Nahrungsmittel-Kombinat in Wurzen. „Wir suchten immer nach Lösungen, mit heimischen Ressourcen teure Import-Rohstoffe zu ersetzen“, erzählt er. Der Tempo-Erbsen-Erfinder und seine Mitstreiter im Institut erhoben dabei das Improvisieren zur Kunst, machten aus grünen Tomaten Zitronat, das in Weihnachtsstollen landete, ohne dass der Geschmack litt.

Gerufen wurde Kretschmer auch, als es galt, einen Ost-Kaugummi herzustellen, der mit dem Vorbild aus dem Westen mithalten kann. Er war dabei, als 1978 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) die damals größte Kaugummi-Fabrik Europas entstand. Den Anstoß dazu soll der Enkel eines Politbüro-Mitglieds gegeben haben. Mit der Offenheit eines Kindes soll der Junge seinem Opa gesagt haben, in der DDR gebe es keine richtigen Kaugummis.

Peter Kretschmer und das Institut für Getreideverarbeitung in Bergholz-Rehbrücke

  • Peter Kretschmer verschlug es 1951 in die Region. Sein Vater wechselte damals von der Wetterwarte auf dem Fichtelberg zum meteorologischen Dienst nach Potsdam. Am Institut für Getreideverarbeitung fing er 1961 an.
  • Kretschmer wohnt mit seiner Frau in Wilhelmshorst. Er hat zwei Kinder und fünf Enkelkinder.
  • Das Institut für Getreideverarbeitung sitzt in Bergholz-Rehbrücke (Potsdam-Mittelmark) und ist heute auch die wichtigste Forschungs- und Ausbildungsstätte des Bäckerhandwerks in den neuen Bundesländern.
  • Für seine Verdienste bekam Kretschmer 2007 den Eberhard-Paech-Preis verliehen – die höchste Bäckerauszeichnung. Der langjährige Kopf des Instituts ist auch Mitbegründer des Verbandes „pro agro“, dem er bis heute als Ehrenvorsitzender angehört.

Kretschmer will sich mehr der Familie widmen

Nach dem Ende der DDR erwarb sich das Institut vor allem in der Getreide- und Algenforschung einen Namen. Auf dem Gipfel war Peter Kretschmer freilich schon in seinen ersten Lebenstagen – geografisch gesehen. Am 12. November 1938 wurde er in der Wetterwarte auf dem Fichtelberg (Sachsen) geboren, in 1214 Metern Höhe. Sein Vater arbeitete dort als Meteorologe. Sohn Peter musste später täglich herunter vom Berg und nach Schulschluss wieder hinauf. Die 500 Höhenmeter hätten ihn drei Dinge gelehrt: Dass man nicht auf halbem Weg stehen bleibt und die Angst vor dem Anstieg bezwingen muss und auch kann.

Und was nimmt er sich nach seiner Verabschiedung vor? „In den 53 Jahren blieb wenig Zeit für die Familie. Das will ich nachholen“, sagt Kretschmer. Und er will den alten Schulweg noch einmal in Angriff nehmen – von Unterwiesenthal hoch zum Fichtelberg.

Von Jens Steglich

Brandenburg Angst vor der Geflügelpest in Brandenburg - Stallpflicht wegen Vogelgrippe ausgeweitet

Um eine Ausbreitung der Vogelgrippe zu vermeiden, weitet Brandenburg die Stallpflicht für Geflügel jetzt deutlich aus. Nach der Uckermark, dem Havelland und Ostprignitz-Ruppin gilt die Stallpflicht nun auch in Spree-Neiße und zu Teilen auch in weiteren Landkreisen.

28.11.2014
Brandenburg Solarkrise hinterlässt deutliche Spuren - Kaum noch Jobs durch erneuerbare Energien

Bislang war die Mark Primus beim Ausbau der erneuerbaren Energien. In dem aktuellen Ländervergleich belegt das Land Brandenburg aber nur noch Platz 5. Insbesondere im Bereich Solarenergie ist Brandenburg der große Verlierer. Das hinterlässt deutliche Spuren am Arbeitsmarkt.

27.11.2014
Brandenburg Drittes Branchentreffen der Designszene in Potsdam - Brandenburger Designtage starten

Im märkischen Hinterland tüfteln Künstler und Handwerker an innovativen Kreationen. Das Land Brandenburg setzt auf die Kreativwirtschaft – und arbeitet daran, die jungen Unternehmen voranzubringen. Am Donnerstag starten in Potsdam die dritten Designtage Brandenburg.

29.11.2014