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Brandenburg Pferdewirtschaft boomt in Brandenburg
Brandenburg Pferdewirtschaft boomt in Brandenburg
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00:30 05.03.2018
Astrid Liske-Schmitz ist Pferdewirtschaftsmeisterin und leitet das Gut Marggraffshof mit Brandenburgs erster Pferdereha. Quelle: Fotos: Christin Iffert
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Marggraffshof

Astrid Liske-Schmitz nimmt ihre Hand von dem weichen Fell ihres Hengstes Upper Delves James. Er wird ungeduldig, stupst mit seiner Nase immer wieder gegen ihre Schulter. Seine lange, zu Zöpfen geflochtene Mähne schwingt langsam mit. Zwei Mal die Woche werden sie neu drapiert, mehrfach hochgesteckt, weil sie sonst fast den Boden streifen. Das Shire Pferd ist so etwas wie der „Gentle Giant“ unter den Kaltblütern. Ein Zuchtpferd – mehr als 70 000 Euro wert, größer als der durchschnittliche deutsche 1,80-Mann mit einem mehr als 1,85-Meter-Stockmaß vom Huf bis zum Rücken am Übergang zum Hals. Und Astrid Liske-Schmitz ist so etwas wie eine Pferdeflüsterin.

Astrid Liske-Schmitz und Thomas Schmitz züchten auf dem Gut Marggraffshof eigene Pferde wie dieses einjährige Fohlen. Und die werden richtig mit Streicheleinheiten verwöhnt. Quelle: Christin Iffert

Gemeinsam mit ihrem Mann Thomas Schmitz hat sie 2006 das ehemalige Berliner Stadtgut Marggraffshof bei Stahnsdorf gekauft, baut es Schritt für Schritt weiter aus. Damit führt die Pferdewirtschaftsmeisterin einen von rund 600 Brandenburger Höfen, auf denen 45 000 Pferde gehalten werden. Die märkische Pferdewirtschaft boomt. Sie sichert gut 12 000 Arbeitsplätze und bringt einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro im Jahr. Der Tourismus zeigt, wie viel Potenzial darin steckt: Gibt ein Radfahrer durchschnittlich im Urlaub in Brandenburg 90 Euro aus, lassen die Pferdeurlauber rund 148 Euro zurück. Ein Vorteil ist dabei, dass das Reiten auf märkischen Wegen fast uneingeschränkt und grenzenlos ist.

Mehr Potenzial in der Wirtschaftskraft rund ums Pferd

„Brandenburg steht Niedersachsen, das als starkes Pferdeland gilt, in nichts nach. Durch die unmittelbare Nähe zu Berlin und die Tourismusentwicklung ist die Pferdewirtschaft ein stetig wachsender Geschäftszweig“, sagt Guido Brachwitz von der Brama West aus Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark), die in den frühen neunziger Jahren in den Pferdezubehör-Handel einstieg. Seither gebe es jedes Jahr Zuwächse im Verkauf – etwa beim Spielzeug, Futter oder Zusatzstoffen. Letzteres spiegelt einen Trend: Pferdegesundheit. „Brandenburg zählt dort mittlerweile zu den Spitzenreitern“, sagt Mirjam Deponte vom Verband pro agro zur Förderung des ländlichen Raumes. Die vergangenen zehn Jahre hätten viel Veränderung gebracht, zahlreiche Unternehmensgründungen.

Guiodo Brachwitz ist Geschäftsführer der BRAMA West Agrarhandels GmbH in Treuenbrietzen. Er sieht weiterhin großes Potenzial in der Pferdewirtschaft. Quelle: Christin Iffert

Das Gut Marggraffshof hat auf mehr als 236 000 Quadratmetern nicht nur eine Pferdepension für mehr als 80 Tiere, sondern ein ganzes Reha-Zentrum mit eigenem Physiotherapeuten für Tiere und Reiter geschaffen. „Das Bewusstsein für Pferdegesundheit hat sich verändert, wir sind mitten in einer Umbruchphase“, erklärt Pferdewirtin Liske-Schmitz. Es brauche nicht immer eine Operation oder eine „Rentnerweide“. Vielmehr wird auf ein Spa in einem Becken aus hochkonzentriertem, kalten Salzwasser gesetzt. 100 000 Euro kostet die riesige Badewanne für Pferde in der Anschaffung. Außerdem gibt es eine Sauna und Lichttherapie für die Tiere. „Die Nachfrage ist aber schon jetzt so enorm, dass allein das Equine Spa zwei Mal am Tag läuft“, sagt Pferdehofbesitzer Thomas Schmitz.

Eine Badewanne für Pferde soll nicht nur für Entspannung, sondern für Heilprozesse sorgen. Quelle: Christin Iffert

Tiere, die verloren geglaubt waren, sind wieder gesund

Die Hofbesitzer halten selbst zehn eigene Pferde, kennen die Probleme, die etwa durch falsches Reiten im Schulbetrieb, wenn Anfänger auf den Tieren ihre ersten Reitversuche starten, entstehen können. „Manchmal sind es Banalitäten wie schiefe Sattel, die so leicht zu beheben sind. Die Halter sind oft entscheidend“, sagt Thomas Schmitz. Deshalb setzt man im Pferde-Rehazentrum auf eine Therapie für Pferd und Reiter, die langfristig und nachhaltig wirkt. Und so manches bereits verloren geglaubte Pferd, habe es nicht nur wieder auf die Koppel, sondern auch zum Reiten geschafft. Dabei kooperiert der Hof mit der Freien Universität in Berlin und, wenn es für das Tier keine andere Möglichkeit gibt, mit verschiedenen Tierärzten.

Sebastian Hill ist ein eigens eingestellter Physiotherapeut, der sich auf dem Gut Marggraffshof um die Pferde, aber auch um die Reiter kümmert und erst alle Alternative abklopft,. Ganz ohne Mediziner geht es aber manchmal doch nicht, sagt er. Quelle: Christin Iffert

Astrid Liske-Schmitz führt ihren Zuchthengst Upper Delves James in den Stall. Zwei Katzen springen voraus in das frisch drapierte Stroh. Es ist ruhig, obwohl Box an Box Pferde stehen. „Ruhe ist sehr wichtig in einem Betrieb wie diesem. Ohne Gelassenheit und Zeit kann man Tieren kaum helfen“, sagt die 50-Jährige. Eine Auszubildende fährt leise mit Schubkarre und Mistgabel vorbei. Pferdepersonal wie dieses sei immer schwieriger zu bekommen, sagt Mirjam Deponte von pro agro. Im Verhältnis zur schwierigen Arbeit sei der Job relativ schlecht bezahlt. „Ohne Leidenschaft kann man auf einem Pferdehof nicht arbeiten“, sagt Gutsbesitzerin Liske-Schmitz.

Von Christin Iffert

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