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Brandenburg Pflege in der Familie: Viele verzichten auf Hilfen
Brandenburg Pflege in der Familie: Viele verzichten auf Hilfen
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18:08 21.12.2015
Viele Brandenburger pflegen ihre Angehörigen zu Hause. Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

Pflegende Angehörige in Brandenburg nutzen nur in Ausnahmefällen entlastende Angebote. Das geht aus dem Pflegereport der AOK Nordost hervor. Die Kasse ist für die Bundesländer Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zuständig.

Grundlage des Reports sind die Abrechnungsdaten aller Pflegeleistungen der Jahre 2010 bis 2014. Im Jahr 2014 nahmen der Auswertung zufolge nur 14 Prozent der Pflegenden die sogenannte Verhinderungspflege in Anspruch, nur zehn Prozent verlangten eine Kurzzeitpflege. Bei der Verhinderungspflege springt im Falle der Erkrankung eines pflegenden Angehörigen vorübergehend eine professionelle Pflegekraft ein. Bei einer Kurzzeitpflege wird eine vollstationäre Pflege von vier Wochen mit bis zu 1612 Euro erstattet.

Beide Leistungen werden von der Krankenkasse erstattet. Chris Behrens Spezialist für Pflege und Pflegestützpunkte der AOK Nordost sagt: „Wir wünschen uns, dass die Betroffenen die Angebote stärker nutzen.“ Die ambulanten Angebote würden angesichts des demografischen Wandels immer wichtiger.

Das brandenburgische Gesundheitsministerium bestätigt die Analyse mit Einschränkung. „2013 erhielten in Brandenburg 28,5 Prozent der Pflegebedürftigen ambulante Pflegesachleistungen durch einen Pflegedienst“, so Sprecherin Marina Ringel. Das sei mehr als im Bundesdurchschnitt, der derzeit bei 23,5 Prozent liege. Allerdings hätten sich umgekehrt 50.036 Pflegende und damit 48,6 Prozent aller Pflegenden in Brandenburg lediglich mit Pflegegeld begnügt.

Das Ministerium will daher „leicht zugängliche Beratung und Information“ bereitstellen. „Hier leisten die Brandenburger Pflegestützpunkte wichtige Arbeit“, sagt Ringel. In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt gibt es einen sogenannten Pflegestützpunkt.

Die Arbeit der Beratungsstellen hält Birgitta Neumann, stellvertretende Geschäftsführerin der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg, für sehr wichtig. „Diese Hilfe ist noch viel zu wenig bekannt.“ Dabei könnten die Mitarbeiter Betroffenen durch die komplizierte Pflegeversicherung helfen. „Viele wissen gar nicht, dass es so viele Leistungen gibt“, sagt Neumann.

Birgitta Neumann, von der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg Quelle: Detlev Scheerbarth

Das Zweite Pflegestärkungsgesetz berücksichtigt den tatsächlichen Bedarf zu wenig, kritisieren Wissenschaftler der Universität Potsdam. Michael Plazek und Moritz Schnitger haben sich für eine Studie Pflegestrukturen und Netzwerke in 16 deutschen Kommunen angesehen. „Die Kommunen könnten unterschiedliche Bedarfe und Hilfsangebote deutlich besser koordinieren als die Pflegekassen“, sagt Plazek. Dazu bräuchten sie aber einen klaren gesetzlichen Auftrag.

2013 waren laut Statistik 102 953 Brandenburger pflegebedürftig. Fast 80.000, also 77 Prozent, wurden zu Hause gepflegt.

Von Rüdiger Braun

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