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Brandenburg Pharmaskandal: Keine Apotheken in Brandenburg betroffen
Brandenburg Pharmaskandal: Keine Apotheken in Brandenburg betroffen
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15:20 20.07.2018
Ein Brandenburger Pharmahändler soll illegal Krebsmedikamente vertrieben haben. (Symbolbild) Quelle: dpa
Berlin

Der Skandal um vermutlich gestohlene und womöglich gefälschte Krebsmedikamente aus Griechenland zieht auch in Berlin Kreise. „Wir wissen aber noch nicht, wie viele Patienten betroffen sind“, sagte Mirza Cerimagic, Sprecher des Landesamts für Gesundheit (Lageso) am Freitag. Es sei ein aufwendiger Prozess, die Lieferkette von einem Großhändler in Brandenburg zu einer Berliner Apotheke und von dort aus weiter zu vier Arztpraxen in der Hauptstadt zu verfolgen. „Es liegt dann zum Schluss bei den Ärzten, ihre Patienten zu informieren“, ergänzte er.

Brandenburger Apotheken sind laut Informationen des RBB nicht betroffen. Auf direktem Wege seien keine Medikamente des Unternehmens Lunapharm in die Apotheken gelangt, zitiert der RBB Brandenburgs Gesundheitsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (Linke). Die Medikamente seien in mehrere Bundesländer, aber auch in Nachbarländer der Europäischen Union gegangen, hieß es dort weiter. Es seien Medikamente verkauft und möglicherweise auch verabreicht worden, sagte Hartwig-Tiedt. Man wisse nicht, „in welchem Zustand sie waren“.

Um diese Krebsmittel geht es

Es handelt sich um die Medikamente Adcetris, Afinitor, Alimta, Herceptin, Mabthera, Neulasta, Tracleer, Vectibix, Velcade und Xgeva. Nachgewiesen ist die Lieferung von 700 Packungen in den Jahren 2016/17. Eine Probe des dabei gelieferten Medikaments Alimta hat das Gesundheitsamt prüfen lassen. Dabei wurde Unbedenklichkeit festgestellt. Zu den empfindlichen Medikamenten gehört das ebenfalls gelieferte Mabthera für Infusionen. Es muss bei zwei bis acht Grad Celsius gelagert werden. Eine Beprobung solcher empfindlicher Medikamente hat das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) Brandenburg nach einer Inspektion von „Lunapharm“ im März 2017 nicht durchgeführt.

Dem Pharmakonzern droht demnach der Entzug der Betriebsgenehmigung. Auch personelle Konsequenzen drohen. Am Mittwoch sei eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses geplant.

Gesundheitsministerium richtet Informationstelefon ein

Vor kurzem war bekanntgeworden, dass ein Brandenburger Pharmahändler gestohlene Krebsmedikamente mit unklarer Wirksamkeit von einer Apotheke in Griechenland vertrieben haben soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit April 2017 wegen Hehlerei. Bereits im Dezember 2016 hatte es erste Hinweise auf Unstimmigkeiten gegeben. Doch erst im Juni 2017 hatten die Brandenburger Behörden der Firma den Handel mit dieser Apotheke untersagt. Der Mann stammt laut RBB aus Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming)

Noch sei völlig unklar, ob diese Medikamente gegen Krebs schädlich oder unwirksam seien, sagte Cerimagic. Die Untersuchungen dazu liefen in Brandeburg. „Wir hoffen, dass es nächste Woche mehr Erkenntnisse dazu gibt.“ Es könne aber auch sein, dass Patienten die Medikamente bereits eingenommen und damit aufgebraucht hätten. „Bei uns hat sich bisher noch kein Patient mit Fragen gemeldet.“

Seit Freitag gibt es beim Gesundheitsministerium ein Informationstelefon. Täglich werden zwischen 10 und 16 Uhr Anrufe von Betroffenen entgegengenommen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Unter der Telefonnummer 0331 8665020 stehen Apotheker und medizinisches Personal für Anfragen bereit. Seit Donnerstag werden im Ministerium zudem Akten der Staatsanwaltschaft intensiv geprüft.

Von MAZonline