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Philipp allein zu Haus? Von wegen!

Beim Dreikönigstreffen am Sonntag kämpft FDP-Parteichef Rösler um sein politisches Überleben Philipp allein zu Haus? Von wegen!

rd nachgesagt, sie sei bereits scheintot. Beim Dreikönigstreffen am Sonntag kämpft  Parteichef Rösler um sein politisches Überleben. Die liberale Idee aber scheint Menschen noch  begeistern zu können.

POTSDAM. Allein in den letzten drei Monaten entschieden sich 22 Brandenburger zum Eintritt in die schwächelnde FDP. Zwei märkische Neu-Liberale haben wir getroffen. 

POTSDAM - Opa hat das nicht gewollt. Die SPD, gut, ja, wenn’s sein muss, aber die FDP? „Wenn es nach meinem Großvater gegangen wäre, wäre ich nicht eingetreten“, sagt Paul Gehrmann. Doch der Oranienburger schlug die lebensweise Warnung in den Wind und schloss sich mit 19 Jahren einer Partei an, die ihre besten Jahre längst hinter sich hat. Sowohl in Brandenburg als auch im Bund liegen die Liberalen, die dieses Wochenende bei ihrem traditionellen Dreikönigstreffen in Stuttgart lebensverlängernde Maßnahmen einleiten wollen, in Umfragen unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Auch der Rückhalt Tausender Parteimitglieder geht der FDP verloren: Allein im ersten Halbjahr 2012 waren 3000 Liberale so frei zu gehen. Rund 60 100 Anhänger zählt die FDP nun bundesweit noch. Der Bundestrend wirke sich immer auch auf die märkischen Liberalen aus, meint Landesgeschäftsführer Sandro Schilder. 2009, im Bundestagswahljahr, zählte die FDP in der Mark einen Mitgliederrekord von 1620. Inzwischen sind es nur noch 1400. Der Schwund sei aber kein Ergebnis von Massenaustritten, betont Schilder – auch wenn in Templin im November neun von 14 Mitgliedern aus Protest über die Parteispitze hingeschmissen hatten. Der Rückgang der Mitgliederzahlen sei vielmehr das Resultat „normaler Fluktuation“ wegen Umzügen. Kompensieren könne die Partei die Austritte nicht, aber immerhin mindestens ein neues Mitglied pro Monat verzeichnen. In den letzten drei Monaten des alten Jahres fanden 22 Neue den Weg in die Brandenburger FDP.

Die kostbaren Neuzugänge werden auf der Internetseite der Partei hofiert. Der mittlerweile 20-jährige Paul Gehrmann war „Neumitglied des Monats August“. „Die FDP ist die Partei, die meinen Idealen am nächsten kommt“, erklärt der VWL-Student, der eine Karriere bei der Bundeswehr anstrebt. Freiheit und Gerechtigkeit – damit könne er sich identifizieren. Zu den Piraten, weil es hipp ist, zur SPD, um das „soziale Gewissen zu beruhigen“ – „nö“, sagt Gehrmann.

Die 35 Jahre ältere Ulrike Reinke sieht das ähnlich. „In der CDU hätte ich wahrscheinlich eher Karriere machen können“, sagt sie. Aber auch für die Cottbuserin kommt keine andere Partei in Frage. „Die FDP ist die einzige Mittelstandspartei“, sagt sie. Mit 55 Jahren ist die Betreiberin eines Babyfachmarkts in die FDP eingetreten. Aus zwei Gründen. Der eine ist akut, der andere liegt lange zurück. Reinkes Vater hatte zu DDR-Zeiten ein Fuhrunternehmen. „Wir waren die Kapitalisten, Exoten, das war nicht immer einfach.“ Weil sie studieren wollte, trat Reinke in die liberale Blockpartei LDPD ein. Nach der Wende habe sie weiter mit den Liberalen geliebäugelt, aber dann kamen zunächst das eigene Geschäft und zwei Kinder dazwischen.

Diese sind am Ende mit schuld, dass die Diplom-Volkswirtin doch noch einmal ein Parteibuch in die Hand genommen hat: Beide Söhne studieren an der Hochschule in Senftenberg. Die Mutter wollte mehr über die umstrittene Hochschulfusion in der Lausitz erfahren – und fand bei den Liberalen „erstaunlich gut informierte Lokalpolitiker“. Nun will das „Neumitglied des Monats Oktober“ selbst für die FDP als Stadtverordnete antreten – und sich sein Engagement nicht von schlechten Umfragewerten vermiesen lassen.

Wie sich diese weiterentwickeln – dafür werden beim Dreikönigstreffen die Weichen gestellt. Landesparteichef Gregor Beyer erwartet mit Blick nach Stuttgart jedenfalls, dort „keine Truppe von unkoordinierten Einzelkämpfern zu erleben, sondern ein Team“.

Das hofft auch Paul Gehrmann. „Ist doch Kindergarten, was da abläuft“, kommentiert der Neuling die Machtkämpfe um Bundesparteiboss Philipp Rösler. „Ich persönlich habe ihn abgehakt. Brüderle ist im Mo- ment der Fähigste“, meint er. „Rösler redet manchmal zu flach“, findet auch Ulrike Reinke. Aber egal was kommt: Die zwei von der Brandenburger Basis wollen die liberale Fahne hochhalten. Jetzt, wo sie sie gerade erst gehisst haben. Mitten in der Flaute. (Von Marion Kaufmann)

Vor dem Dreikönigstreffen: Rösler im Niedergang Vor dem Dreikönigstreffen der FDP am Sonntag haben am Freitag führende Liberale gefordert, den für Mai geplanten Parteitag vorzuziehen, um die Führungsfrage zu klären. Nach Ansicht von FDP-Präsidiumsmitglied Hermann Otto Solms soll- te direkt nach der Niedersachsen-Wahl „eine abschließende Entscheidung“ zur Zukunft des Parteichefs Philipp Rösler gefällt werden. „Es muss eine Frau oder ein Mann an der Spitze stehen, die oder der unsere liberalen Werte glaubhaft vermitteln und umsetzen kann.“ Mit Blick auf Fraktionschef Rainer Brüderle sagte Solms, die Basis wisse „genau, wer die besten Chancen im Wahlkampf hat“.

Der frühere FDP-Chef Wolfgang Gerhard sagte, Rösler verantworte nicht den Vertrauensverlust der FDP, aber „natürlich das Nicht-Herauskommen aus dieser sehr schwierigen Situation“. Fraktionsvize Volker Wissing legte Rösler den Rücktritt nahe, sollte die FDP in Niedersachsen nicht wieder in den Landtag kommen. dpa

 

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