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Brandenburg Pilzsammler in Brandenburg warten auf Regen
Brandenburg Pilzsammler in Brandenburg warten auf Regen
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09:27 18.09.2015
Eine Marone versteckt sich hinter einem Steinpilz. Quelle: dpa
Potsdam

Für Pilzsammler in Brandenburgs Wäldern hat die Saison begonnen - jedoch weniger aussichtsreich als sonst. “Insgesamt sind die Erträge noch nicht gut und auch regional sehr unterschiedlich“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Pilzsachverständigen Brandenburgs, Wolfgang Bivour.. Der heiße und trockene Sommer mit Temperaturen um die 30 Grad und der fehlende Regen in den vergangenen Wochen hätten in vielen Gegenden das Pilzwachstum gedrosselt. “Wir hoffen auf richtiges Pilzwetter: regnerisch und nicht zu kalt“, sagte er.

Regen willkommen

Wenn es in den kommenden Tagen regnet, könnten sich in zwei bis drei Wochen wieder mehr Waldpilze zeigen, so Bivour. Die Feuchtigkeit im Waldboden sei wichtig, damit sich die Pilze wieder regenerierten. “Es braucht aber eine gewisse Zeit und geht nicht innerhalb weniger Tage.“

Der Klimawandel sei zu spüren, sagte Bivour. Pilze aus mediterranen Regionen seien bereits auf dem Vormarsch. So sei der in Spanien vorkommende Kaiserling - ein schmackhafter Speisepilz aus der Gattung der Knollenblätterpilze - bereits in Süddeutschland gesichtet worden.

Am Ende ohne Beute

Er selbst habe an den ihm gut bekannten Stellen schon reichlich Steinpilze gefunden, sagte Bivour. Anfänger und Ortsunkundige müssten aber kilometerweit durch die Wälder laufen - “und finden am Ende doch nichts.“

“Zuerst sollten Sammler sich auf offenen Flächen umsehen“, empfahl Bivour. Champignons, Riesenboviste oder Riesenschirmpilze seien in diesen feuchten Arealen eher zu finden als in dichten Wäldern. Auch die Hoffnung auf Pfifferlinge, die sonst ab Juni in den Wäldern wachsen, sollten die Sammler nicht aufgeben. “Bis Oktober haben die Saison“, sagte er.

In Deutschland gibt es etwa knapp 5000 verschiedene Arten von Pilzen. Rund 4000 Arten wachsen in Brandenburg, davon sind 40 Speisepilze und etwa 60 sind giftig.

Achtung, Lebensgefahr

Der Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Das Gift wirkt erst mehrere Stunden nach dem Verzehr. Zunächst treten Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf. Nach ein bis zwei Tagen kann es zur Schädigung der Leber kommen, die von Blutgerinnungs- und Nierenfunktionsstörungen begleitet werden kann. Im schlimmsten Fall stellt die Leber ihre Funktion ein, so dass nur noch eine Lebertransplantation das Leben des Patienten retten kann.

Fragen und Antworten

Pilzvergiftungen handeln sich Sammler schnell ein, wenn sie unvorsichtig sind. Einige Tipps dazu, welche Anzeichen auf eine Vergiftung hindeuten, wie sie sich vermeiden lässt und wie man Pilze fachgerecht in der Küche verarbeitet:

Wie erkenne ich essbare Exemplare?

Für Laien sind giftige von ungiftigen Exemplaren schwer zu unterscheiden. Zum Beispiel kann sogar der giftige Grüne Knollenblätterpilz mit dem Champignon verwechselt werden - denn er ist nicht immer grün, sondern auch mal weiß, nennt die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder (BAG) ein Beispiel. Daher sei die Bestimmung von Pilzen mit Büchern oder Apps für Smartphones für Laien gefährlich. Besser sei es, die Exemplare von Pilzberatungsstellen begutachten zu lassen. Kontaktdaten haben oft die Gemeindeverwaltungen oder Gesundheitsämter.

Und die Experten raten: Sammler dürfen nie Pilze auflesen und essen, die sie nicht mit Sicherheit erkennen. Wer sich gar nicht auskennt, sollte lieber im Handel kaufen.

Gibt es keine Tipps und Tricks zum Erkennen?

Weder Schneckenfraß noch Madengänge deuten darauf hin, dass ein Pilz ungiftig ist. Und Hausmittelchen wie ein anlaufender Silberlöffel oder eine mitgekochte Zwiebel eignen sich nicht als Indiz für eine mögliche Gefahr, betonen die Experten des Botanischen Gartens Berlin-Dahlem.

Was muss ich beim Sammeln beachten?

Von nassen, zerfressenen oder unansehnlichen Pilzen besser die Finger lassen. Ein geeignetes Exemplar wird am besten vorsichtig aus der Erde gedreht, erklärt der Verbraucherinformationsdienst aid. Dann das Loch mit Erde, Laub oder Nadelstreu abdecken. Wer den Pilz aus dem Boden reißt, beschädigt auch sein Myzel - den eigentlichen Pilz. Das Geflecht aus fadenförmigen Zellen im Boden bildet den sichtbaren Fruchtkörper.

Viele einheimische Pilze stehen unter Artenschutz und dürfen nur in geringen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden. Dazu gehören Steinpilz, Pfifferling, Schweinsohr, Brätling, Rotkappe, Birkenpilz und Morchel. Diese Ausnahmeregel betrifft aber nicht Kaiserling, Trüffel und Saftlinge - sie dürfen gar nicht aus dem Wald geholt werden.

Transportiert werden sollten Pilze immer möglichst luftig in Körben, raten die Experten des Botanischen Gartens Berlin-Dahlem. Sonst zersetzt sich das Eiweiß der Fruchtkörper schnell, und sie werden ungenießbar. Empfehlenswert ist es, nicht bei feuchtem Wetter zum Sammeln zu gehen. Die Witterung könne Schimmelbildung begünstigen.

Wann muss ich nach dem Verzehr besorgt sein?

Symptome einer Pilzvergiftung sind etwa Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Das Gift des Knollenblätterpilzes zum Beispiel greife in schweren Fällen die Leber an und könne bis zu deren völliger Zerstörung führen, erklärt der Mediziner Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen.

Wie reagiere ich?

Fühlen Verbraucher sich nach einer Pilzmahlzeit unwohl, sollten sie sofort den Notarzt oder den Giftnotruf wählen. Dieser vermittelt Anrufer an Pilzberater und erklärt, was genau zu tun ist. Die Reste der Pilze werden am besten aufgehoben, um im Notfall bestimmen zu können, um welche Sorte es sich handelt.

Wie gehe ich mit Pilzen in der Küche um?

Der aid rät, Wild- und Zuchtpilze am besten noch am selben Tag zu verarbeiten. Der BAG empfiehlt, sie innerhalb von ein bis zwei Tagen nach dem Kauf oder dem Sammeln zu verbrauchen. Die Pilze werden nur mit einer speziellen Pilzbürste oder einem Pinsel abgerieben, es gehe auch Küchenpapier. Waschen brauche man sie nicht. Vertrocknete und stark verschmutzte Enden werden abgeschnitten, sonst lassen sich aber die Stiele mitverwerten.

Die meisten Pilze sind im rohen Zustand unbekömmlich, einige sogar giftig. Sie sollten daher gekocht werden. Eine Ausnahme ist zum Beispiel der Champignon. Wildpilze müssen dem aid zufolge immer durcherhitzt werden, 70 Grad und zwei Minuten reichen. So zubereitet halten sich die Pilze einen Tag im Kühlschrank.

Die Fruchtkörper lassen sich aber auch trocknen: Die Pilze dafür mindestens halbieren und bei circa 40 Grad trocknen im Dörrgerät, an der Zentralheizung oder im Backofen bei halb geöffneter Tür. Danach lagern sie nach Angaben des Botanischen Gartens Berlin am besten luftdicht. Um sie einzufrieren, werden die Pilze in Salzwasser und mit einer Messerspitze Zitronensäurepulver kurz aufgekocht und nach dem Abtropfen schockgefroren. Sie halten sich so mindestens sechs Monate lang.

Kann ich Pilzgerichte aufwärmen?

Ja, erklären die aid-Ernährungsexperten. Aber das Pilzgericht sollte nach der Zubereitung rasch abgekühlt und in der kältesten Zone des Kühlschranks aufbewahrt werden, also im unteren Bereich oder im speziellen Kältefach. Zum Aufwärmen braucht es mindestens 70 Grad.

Von MAZonline

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