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Brandenburg Pisa-Studie zweifelt an Quereinsteigern
Brandenburg Pisa-Studie zweifelt an Quereinsteigern
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17:53 12.06.2018
Funktioniert der Unterricht wie hier an einer Grundschule in Frankfurt (Oder) mit Quereinsteigern genauso gut? Quelle: picture-alliance/ ZB
Potsdam

Jetzt ist sozusagen amtlich, was vermutet wurde: Quereinsteiger ins Schulwesen können sich negativ auf die Qualität des Unterrichts auswirken. Das geht aus dem neuen Pisa-Report der OECD über den Zusammenhang von Lehrerqualifizierung und Unterricht hervor. Die internationale Studie untersucht, von welcher Art Unterricht Schüler besonders profitieren. Ein Ergebnis: Nicht ausreichend qualifizierte Lehrer machen guten Unterricht beinahe unmöglich.

Laut der neuen Pisa-Studie waren diejenigen Klassen mit den schlechtesten Ergebnissen auch diejenigen, die geringer qualifizierter oder unerfahrene Lehrkräfte hatten. „Lehrer“, heißt es im Originaltext, „sind mit anderen Worten keine austauschbaren Arbeiter in einer Art industriellen Produktionslinie, einzelne Lehrer können ein Leben verändern – und bessere Lehrer sind entscheidend, um die Bildung zu verbessern, die Schulen bereitstellen sollen.“

Dieses Schuljahr rund 225 Seiteneinsteiger

Das wirft Fragen nach der zukünftigen Qualität des Unterrichts in Brandenburg auf, wo der Anteil an Quereinsteigern aus Mangel an klassisch ausgebildeten Bewerbern stetig zunimmt. Von den 1078 neu eingestellten Lehrern zum aktuellen Schuljahr waren 225 Seiteneinsteiger. Es sind studierte Chemiker, Physiker, Musiker und vieles mehr. In manchen Schulen sind schon heute die Hälfte der Lehrkräfte Menschen, die kein ordentliches Lehramtsstudium abgeschlossen haben. Das ist zum Beispiel in der Albert-Schweitzer-Schule in Wittenberge (Prignitz), in der Schule am Wald in Vierlinden (Märkisch-Oderland) oder in der Schule am Sonnenhof in Mittenwalde (Dahme-Spreewald) der Fall. Alle diese Schulen haben einen sonderpädagogischen Förderschwerpunkt. In der Spektrum-Schule in Rathenow (Havelland) sind inzwischen sogar fast 60 Prozent der Lehrkräfte Quereinsteiger, wie aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage der CDU-Fraktion hervorgeht.

Das Bildungsministerium setzt aber noch stärker auf lehrwillige Menschen ohne Pädagogik-Studium. „In den kommenden drei Jahren könnte die Zahl der jährlich einzustellenden Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger bei etwa 500 liegen“, teilt Sprecher Ralph Kotsch auf MAZ-Anfrage mit. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) macht aus der Personalnot eine Tugend: „Mit ihrer Lebenserfahrung, ihren beruflichen und menschlichen Kompetenzen sind sie eine Bereicherung für den Schuldienst“, hatte die Ministerin im April gesagt.

500 Stunden Qualifikation für die Neulehrer

Ihr Haus widerspricht aber nicht den Aussagen der neuen Pisa-Studie. Schon der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie habe vor zehn Jahren in einer Studie die Bedeutung des Lehrers für die Unterrichtsqualität hervorgehoben. „Daher unternimmt das Bildungsministerium alles, um den Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern das nötige Rüstzeug zur Wahrung einer guten Unterrichtqualität an die Hand zu geben“, sagt Kotsch.

Gordon Hoffmann, Bildungsexperte der CDU-Fraktion, meint, dass pädagogische Defizite schon jetzt omnipräsent seien. „Man kann nicht darauf hoffen, das unter 500 neuen Seiteneinsteigern 500 Naturtalente sind“, sagt er. Fachliches Wissen, das Mathematiker oder Ingenieure sicher mitbrächten, nütze wenig, wenn die pädagogischen Kompetenzen fehlten, die das Lehramtsstudium ausmachten.

„Wir müssen so schnell wie möglich an allen Stellschrauben drehen, um den Lehrermangel zu beheben“, sagt Hoffmann. Er fordert, die Zahl der Lehramtsstudienplätze zu erhöhen und „bedarfsgerecht“ auszubilden. Außerdem plädiert er für ein Modellprojekt, dass Lehramtsstudenten eine „ganz enge Begleitung“ erhielten, um sie schnell zum Abschluss zu bringen und Studienabbruch zu vermeiden.

Ministeriumssprecher Kotsch verweist auf das neue Konzept zur Qualifizierung der Seiteneinsteiger. Vorgesehen sind ab August für Neueinsteiger vor dem Schuljahresbeginn 500 Stunden Ausbildung inklusive Selbststudium. Seiteneinsteiger, die während des Schuljahres eingestellt werden, erhalten 200 Stunden vertiefendes Programm zur Qualifizierung. Dennoch räumt auch das Schulministerium ein, es müsse Sorge getragen werden, „größere Disproportionen in der Zusammenstellung der Kollegien nach Möglichkeit“ zu vermeiden. Ob solche „Disproportionen“ in der Spektrum-Schule in Rathenow schon erreicht seien, sagte Kotsch nicht.

Von Rüdiger Braun

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