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Lebenslang für Giftmischer gefordert

“Abgrundtiefer Hass“ gegen eigene Tochter Lebenslang für Giftmischer gefordert

Weil er seine Tochter als Belastung empfunden, sie ihn in einer Sex-Beziehung gestört hat, soll Gerd S. seine damals 8 Monate alte Tochter Emily mit Reinigungsmitteln vergiftet haben. Seit März läuft der Prozess gegen den 37-jährigen Vater. Nun hat die Staatsanwaltschaft lebenslangen Haft gefordert und glaubt an „abgrundtiefen Hass“.

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Der Angeklagte im Gespräch mit seinem Anwalt

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Gerd S. (37) soll lebenslang ins Gefängnis, weil er mehrfach versucht habe, seine kleine Tochter Emily (1) zu ermorden. Das forderten am Donnerstag im Landgericht Potsdam Staatsanwalt Gerd Heininger und Manuela Krahl-Röhnisch, die als Nebenklageanwältin die Interessen des Kleinkinds vertritt. Beide sehen als Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe erfüllt, die Anwältin erkennt in den Taten des Vaters darüber als drittes Mordmerkmal Grausamkeit.

Der Prozess gegen den in Hamburg geborenen Tierpfleger Gerd S. steht nach mehr als 20 Prozesstagen vor dem Ende. Der Staatsanwalt ist nach der Beweisaufnahme überzeugt, dass der Angeklagte sich des versuchten Mordes in zwei Fällen sowie der mehrfachen Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hat.

Staatsanwaltschaft überzeugt von Tötungsabsicht

Emily war acht Monate alt, als am 19. März 2014 ihr dreieinhalbmonatiges „Martyrium“ begann. Im norddeutschen Heimatort Seedorf, in Neumünster und in Brandenburg/Havel habe Gerd S. seiner hilflosen Tochter immer wieder ätzende, alkoholhaltige Substanzen wie Desinfektions- und Reinigungsmittel verabreicht. Im Brandenburger Helios-Klinikum war es einmal so schlimm, dass Emily nicht nur große Schmerzen hatte, sondern auch „besoffen wirkte und im Sitzen torkelte“.

Diese Zustände seien trotz der starken Schmerzen für das Kind noch nicht lebensgefährlich gewesen. Wirklich töten wollte Gerd S. die Kleine nach Überzeugung des Staatsanwalts zwischen dem 26. und 29. Juni 2014 im Städtischen Klinikum Brandenburg, als am Ende nur das schnelle Eingreifen der Oberärzte Simon Sporrer und Mathias Müller sowie der Schwestern den Tod des komatösen, nicht mehr selbstständig atmungsfähigen Kindes verhindert hätten.

Mutter anfangs unter Verdacht

Emily wird in der nächsten Woche zwei Jahre alt. Bleibende Körperschäden hat sie nach der langen Tortur soweit bisher absehbar nicht erlitten.

Mutter Nadja G. wurde anfangs auch verdächtigt. Eine psychologische Beurteilung besagt, sie sei auf dem Stand einer Fünfjährigen in Bezug auf das Böse. Der Staatsanwalt schließt sie als Täterin aus.

Heimtückisch sei das Vorgehen von Gerd S., weil er die Arg- und Wehrlosigkeit von Emilys Mutter bewusst ausgenutzt habe.

Als Motiv des Vaters macht Gerd Heininger „abgrundtiefen Hass“ aus, den Gerd S. gegen seine Tochter entwickelt habe. Er habe Emily an allem die Schuld gegeben: dass er mit seinen Lebensumständen unzufrieden war, dass er sich ständig unter Druck sah, Geld für die Familie zu verdienen und dass er eine Fremdbeziehung zu einer Frau nicht ausleben konnte, weil die ihn nur als Single akzeptiert hätte.

Gerd S.’ „hassgeprägtes Handeln“ habe sich fortgesetzt und mündete laut Staatsanwalt in den direkten Tötungsvorsatz. Gefühllos sei er gegen das eigene Kind vorgegangen gehandelt. Er sei dabei sogar das Risiko eingegangen, mit dem aufkeimenden Misstrauen der Kinderärzte zu spielen.

Anwältin Krahl-Röhnisch betonte in ihrem Plädoyer, welche grausame Schmerzen das Kind erlitten hat. „Es hat nicht viel gefehlt“, fasste sie die Bedrohung für Emily zusammen. Lange Zeit habe er wie ein Schauspieler „Effekthascherei“ betrieben, in dem er sich „toller Vater produziert hat“.

Verteidiger Matthias Schöneburg plädiert am nächsten Mittwoch. Das Urteil wird voraussichtlich am 9. Juli gesprochen.

Von Jürgen Lauterbach

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