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Plastik soll geschmiedete Hufeisen ablösen

Ludwigsfelder Schmied ist ein Pionier Plastik soll geschmiedete Hufeisen ablösen

Seit Jahrtausenden behauen Hufschmiede Pferde mit Hufeisen. Das soll, ginge es nach dem Ludwigsfelder Hufschmied Michael Rindt, bald der Vergangenheit angehören. Er verarbeitet nur noch Plastik – weil es besser für die Pferde sein soll. Doch noch hat die Technologie Schwächen.

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Hufschmied Michael Rindt aus Ludwigsfelde zeigt einen Kunststoff-Beschlag.
 

Quelle: Foto: Stephan Laude

Ludwigsfelde.  Hufschmied Michael Rindt aus Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) hat sich entschieden: Er schmiedet keine Hufbeschläge mehr. Er verwendet nur noch Kunststoffe. Rindt hat dadurch Kunden verloren, aber er hat auch neue gewonnen. Solch ein konsequenter Abschied von der Eisenzeit ist selten. „Dass ein Hufschmied sich nur auf Kunststoff festlegt, ist eine große Ausnahme“, sagt Tanja Haußer vom Ersten Deutschen Hufbeschlagschmiede-Verband (EDHV) mit Sitz in Eisingen (Baden-Württemberg), der Interessenvertretung der Branche.

Vermutlich waren es die Kelten, die die Hufeisen erfunden haben. Das ist über 2000 Jahre her. So lange werden zum Schutz vor übermäßigem Verschleiß Beschläge an die Hufe der Pferde genagelt. Die Nachteile sind so alt wie die Methode: Die Erschütterungen auf hartem Boden belasten die Gelenke und Sehnen der Tiere. Es ist Zeit, daran etwas zu ändern.

Am besten wäre es, jedes Ross liefe „barfuß“

Michael Rindt schwebt vor: „Jedes Pferd soll ein Barhufer sein“, also ganz ohne traben und galoppieren; oder wenigstens fast jedes. Denn bei Kutschpferden, so Rindt, werde ein Hufschutz auch künftig unverzichtbar sein. Wie schnell das Ziel erreicht werden kann, hänge von der Qualität des Horns ab, und die wiederum von der Zucht und vom Futter. Biotin und Zink beispielsweise können die Festigkeit der Hufe verbessern. Bei der Zucht werde wahrscheinlich oft zu wenig Wert auf die Festigkeit gelegt, so Rindt. Es werde immer auf Leistung gezüchtet und zu wenig auf Gesundheit. Der Weg zum Barhufer, wie es die Wildpferde sind, wird also noch lang.

Rindt schmiedet aber schon jetzt keine Hufeisen mehr. Auch die vorgefertigten Rohlinge, die nur noch geformt werden müssen, verwendet er nicht. Bei seinen Kunststoffbeschlägen besteht höchstens noch der Kern aus Eisen. Sie sind mit 15 bis 25 Euro allerdings deutlich teurer als die traditionellen Eisenbeschläge. „Dafür kann der Hufmechanismus besser arbeiten“, sagt der 29-Jährige.

Seit den 70er-Jahren ist der Kunststoff im Kommen

Zunächst hatte Rindt sich gegen den Kunststoff gewehrt, der in den 1970er Jahren in brauchbaren Varianten auf den Markt kam. Bestärkt wurde Rindt in seinem Kurswechsel von Pauline Träger, der Chefin eines Reiterhofs in Tremsdorf (Potsdam-Mittelmark), die ihre Ausbildung zur Hufschmiedin in Neuseeland gemacht hat. Sie entwickelte ihre eigene Ausschneidetechnik. Der Kunststoff sei der Festigkeit des Hufes angeglichen, sagt Rindt. Ein Problem sei noch die Passgenauigkeit. Das Eisen habe da noch Vorteile. Und Reitlehrer bemängeln: Der Kunststoff bremse, während Eisen gleite. Wegen dieser Eigenschaften eignet sich der Kunststoff nicht für Westernpferde. Das mit ihnen gern praktizierte spektakuläre Manöver Sliding Stop, bei dem das Pferd auf den Hinterhufen rutscht, funktioniert nur mit Eisen. Um solche Dressuren geht es dem Kinder- und Jugend-, Reit- und Fahrverein Zehlendorf nicht. „Bei uns im Verein haben wir gute Erfahrungen mit den Kunststoffeisen gemacht“, sagt die Vorsitzende Glinda Spreen. Doch in Museumsvereinen, die ihre Kosten mit traditionellem Schauschmieden decken, fürchtet man angesichts der Kunststoffbeschläge um die Existenz.

„Richtig ist, was dem Pferd guttut“

Tanja Haußer vom EDVH betont, es komme auf den Kunden und den Einsatzbereich des Pferdes an. „Richtig ist, was dem Pferd guttut.“ Michael Rindt gehört in der Initiative Horse Hoof Motion in Tremsdorf (Potsdam-Mittelmark) zu den Experten, die Pferdehaltern detailliert erklären, wie Pferde und ihre Hufe funktionieren und wie sie geschont werden können. Erst jüngst waren er und seine Mitstreiterinnen deshalb zu einer Messe am Bodensee eingeladen.

Gelegentlich kommt es vor, dass sich Pferde gegen den Hufschmied wehren, egal ob der nun Eisen- oder Kunststoffbeschläge annageln will. Michael Rindt experimentiert zur Beruhigung der Tiere mit einem Hilfsmittel, das noch neuer ist als Plastik an den Hufen: mit Klangschalen. Bisher hat es zwar stets eine Weile gedauert, bis sich das Pferd von den Tönen beruhigen ließ, letztlich habe es aber immer funktioniert.

Von Stephan Laude

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