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Pogida-Chef Müller zu 1 Jahr Haft verurteilt

Urteil in Potsdam Pogida-Chef Müller zu 1 Jahr Haft verurteilt

Am Freitag ist Pogida-Anführer Christian Müller (32) wegen Körperverletzung zu einem Jahr Haft verurteilt worden – ohne Bewährung. Noch kann Müller das Urteil anfechten und Revision einlegen. Was der neuerliche Schuldspruch für die Pogida-Demos in Potsdam bedeutet, ist unklar.

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Christian Müller (32), Pogida-Anführer.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Der Anführer der Potsdamer Pogida-Bewegung, Christian Müller (32), ist am Freitag zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr ohne Bewährung verurteilt worden. Richterin Doris Grützmann sah es als erwiesen an, dass Müller am Neujahrstag 2015 zwei Männer auf einer Party geschlagen haben soll. Außerdem wurde er wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt. Das bestätigte Amtsgerichtssprecher Wolfgang Peters.

Müssen die Pogida-Abendspaziergänge ausfallen?

An den Pogida-„Abendspaziergängen“ wird Müller vorerst weiterhin teilnehmen können, auch wenn das Urteil rechtskräftig wird. Die Zustellung des begründeten Urteils und die Aufforderung zum Haftantritt brauchen meist Monate.

Eine Woche hat Müller Zeit, um Rechtsmittel einzulegen.

Im Polizeicomputer kommt der Pogida-Chef auf 170 Einträge. Er begründet das unter anderem mit einer schwierigen Jugendphase im Heim.

Sitzt Müller tatsächlich im Gefängnis, wird er wohl nicht mehr Demos anmelden können, denn der Anmelder muss laut Versammlungsrecht persönlich an Kundgebungen teilnehmen.

Es ist nicht der erste Schuldspruch gegen jenen Mann, der die islamfeindlichen Pogida-Demos regelmäßig anmeldet und für den März einen Sieben-Tage-Demo-Marathon sowie eine Großkundgebung mit 5000 Unterstützern aus Sachsen angekündigt hat.

Im Dezember 2014 war der zweifache Vater schon einmal wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung in Cottbus zu zehn Monaten Haft verurteilt worden. Im November 2013 kassierte er ebenfalls wegen Körperverletzung zehn Monate. 1000 Euro Geldstrafe musste Müller wegen betrunkenen Fahrens ohne Führerschein im Juli 2014 zahlen.

Die Latte an Vorstrafen und die Tatsache, dass Müller die Taten in der Bewährungszeit beging, haben Folgen: Auf Haftverschonung kann Müller nicht hoffen, sollte das Urteil rechtskräftig werden.

Schläge gegen 16-Jährigen nach Silvesterparty

Konkret hatte Müller an diesem 1. Januar 2015 nach Genuss einer weitgehend aus Wodka bestehenden Bowle zwei junge Männer geschlagen. Es soll Streit um eine Frau und Müllers Hund gegeben haben. Einem 16-Jährigen schlug Müller nach Auffassung des Gerichts derart aufs Ohr, dass ein Trommelfell riss. Die Opfer erlitten Verletzungen im Gesicht und am Hals. Der Staatsanwalt hatte 16 Monate Gefängnis gefordert.

Verteidiger ist Szene-Anwalt der extremen Rechten

Verteidigt wurde Müller vom rechten Szene-Anwalt Wolfram Nahrath. Der ist der Pflichtverteidiger für den Angeklagten Ralf Wohlleben im NSU-Prozess. Ein Gutachter bescheinigte Müller eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Der Angeklagte sei emotional nicht berührt von seinen Taten, neige zu Selbstüberschätzung und sei deshalb voraussichtlich nur mäßig therapierbar. Müller sagte in der Verhandlung, er fühle sich für seine beiden Kinder verantwortlich.

Von Ildiko Röd und Ulrich Wangemann

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