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Pogida-Müller suchte Schutz bei Sexverbrechern

Im Visier der Hells Angels Pogida-Müller suchte Schutz bei Sexverbrechern

Ein Treffen der besonderen Art: Im Brandenburger Knast bekommt der Potsdamer Demo-Anmelder Ärger mit Rockern der Hells Angels und lässt sich vor Angst ausgerechnet von den berüchtigten „Störchen“ unter die Fittiche nehmen.

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Pogida-Frontmann Christian Müller.

Quelle: Foto: Rainer Schüler

Potsdam. Es geht um Schutzgelderpressung, Drogen, Rocker und zwei prominente Schwerverbrecher: Wegen seiner kriminellen Vorgeschichte ist der Potsdamer Pogida-Anmelder Christian Müller derzeit Zeuge in einem spektakulären Prozess vor dem Amtsgericht Brandenburg an der Havel.

Der 32-Jährige soll während seiner Zeit im Knast von einem Mitgefangenen erpresst worden sein, nachdem er sich abfällig über den Rockerclub Hells Angels geäußert hatte. Aus Angst vor seinem Widersacher soll Müller ausgerechnet Hilfe bei zwei der bekanntesten Häftlinge der JVA Brandenburg an der Havel gesucht haben: den „Störche“ genannten Sexualstraftätern Detlef W. und René N., über deren mutmaßliche Begünstigung Ex-Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) vor gut zwei Jahren nach MAZ-Recherchen stürzte.

Mit abfälliger Bemerkung die Hells Angels provoziert

Die abenteuerliche Knastgeschichte um den Potsdamer Pogida-Frontmann, die seit vergangenen Dienstag verhandelt wird, spielt im Jahr 2013. Müller saß zu der Zeit in Brandenburg an der Havel eine Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung ab. Bereits 2008 war er vom Amtsgericht Cottbus wegen Bedrohung und unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt worden – zunächst auf Bewährung. Doch er wird zum wiederholte Mal straffällig, malträtiert einen Bekannten und muss hinter Gitter. Dort trifft der Potsdamer Oberschüler auf seinen Mitgefangenen Marvin S., der den Hells Angels nahesteht. In dessen Gegenwart lästert Müller über die Rocker, die nichts könnten außer mit Waffen und Drogen zu tun zu haben. Für diesen Ausspruch sollte Müller laut Anklage büßen: Marvin S. fordert von ihm eine „Genugtuung“ in Form von 5000 Euro sowie 50 Gramm Cannabis, die er bei einem Freigang ins Gefängnis schmuggeln soll.

Lange Brücke wegen Demos gesperrt

Am Donnerstag müssen die Potsdamer wegen fünf Demos wieder mit Verkehrsbehinderungen rechnen. Die Lange Brücke samt Zufahrten wird ab etwa 17 Uhr bis zum Versammlungsende für Autos gesperrt sein. Auch Busse und Bahnen sind davon betroffen.


Christian Müller hat erneut eine Pogida-Demonstration angemeldet. Der „Abendspaziergang“ soll um 18.30 Uhr am Hauptbahnhof starten und über die Lange Brücke zum Filmmuseum und wieder zurück führen.


Das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“, der Kreisverband der Linken, die Partei DIE Partei sowie der Fußballverein Concordia Nowawes demonstrieren gegen Pogida.

Müller, der zu einer Strafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden war, aber nur elf Monate absaß, war im Sommer 2013 bereits Freigänger. Am 22. August kehrte er nicht von einem Kurzausflug in die Freiheit zurück. Erst sechs Wochen später meldete er sich wieder bei der JVA. Begründung für den auf eigene Faust verlängerten Knasturlaub: Er habe Angst vor Marvin S. Auch um seine Freundin und seine Familie habe er Sorge, soll der zweifache Vater einem JVA-Beamten anvertraut haben. Müller suchte dann aber nicht bei den Gefängniswärtern Schutz, sondern bei zwei einschlägig bekannten Insassen: Er vertraute sich den beiden mittlerweile miteinander verheirateten Schwerverbrechern W. und N. an, die gemeinsam ein 13-jähriges Mädchen brutal vergewaltigt hatten.

Die hochgefährlichen Sextäter, die gemeinsam eine Zelle bewohnten, hatten in der JVA ein subkulturelles Netzwerk aufgebaut und standen in der Knasthierarchie ganz oben. Das zweite mächtige Lager bildete die Gruppe um Marvin S., die Pogida-Müller ans Zeug wollte. Der damalige Justizminister und frühere Anwalt der „Störche“, Volkmar Schöneburg, hatte im Dezember 2013 versucht, die Verlegung W.s nach Cottbus und so dessen Trennung von seinem Partner und Komplizen zu verhindern. W., der inzwischen den Nachnamen seines Ehepartners angenommen hat, sitzt weiter in Cottbus. René N. ist in der Sicherungsverwahrung in Brandenburg an der Havel untergebracht. Die beiden wollen aber per Gericht erreichen, wieder zusammengelegt zu werden.

Müller macht auf Richterin verwirrten Eindruck

Christian Müller, der am Montag nicht zu erreichen war, soll vor Gericht einen verwirrten Eindruck gemacht haben und war laut Richterin „nicht bewusstseinsklar“. Auch seine Lebensgefährtin Anika Keller, Mitorganisatorin bei Pogida, war als Zeugin geladen. Der Prozess in Brandenburg an der Havel wird am 12. April fortgesetzt.

In Potsdam stand Müller im Februar vor Gericht: als Angeklagter. Er wurde vom Amtsgericht wegen Körperverletzung, Bedrohung und Fahrens ohne Führerschein zu einem Jahr Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, wie Amtsgerichtssprecher Wolfgang Peters am Montag bestätigte. Müller und die Staatsanwaltschaft gingen in Berufung. Nun muss sich das Potsdamer Landgericht mit dem Fall befassen.

Von Marion Kaufmann und Jürgen Lauterbach

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