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Polizei probt Ernstfall: Pestbakterien in Berlin

Großübung in Berlin Polizei probt Ernstfall: Pestbakterien in Berlin

Bisher einmalig in Deutschland: In Berlin proben Polizei, Feuerwehr, GSG 9, FBI und andere den Großeinsatz bei einem angenommenen Terroranschlag mit biologischen Waffen.

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Quelle: dpa

Berlin. Es ist neben Terroranschlägen mit Atombomben oder Giftgas die dritte fürchterliche Variante: ein Angriff mit biologischen Waffen, etwa tödlichen Bakterien oder Viren, die Seuchen auslösen. Mit einer in Deutschland bislang einmaligen Übung haben Polizeibehörden und Wissenschaftler einen entsprechenden Großeinsatz geprobt. Bei dem Testlauf in Berlin ging es von Dienstag bis Donnerstag um die reibungslose Zusammenarbeit der Landes- und Bundespolizei, des Spezialeinsatzkommando GSG 9, der Seuchenexperten vom Robert Koch-Institut, der Amtsärzte der Gesundheitsämter, der Feuerwehr und der Krisenstäbe der Ministerien.

Das Übungsszenario war folgendes: Drei Tage zuvor gab es eine Fotoausstellung zu muslimischen Sportlern mit 200 geladenen Besuchern. Kurz darauf erkrankten mehrere Menschen, drei starben. Ärzte stellten als Ursache Pestbakterien und das tödliche Gift Rizin fest. Nach ersten Ermittlungen ging die Polizei von einem terroristischen Anschlag mit islamistischem Hintergrund aus und identifizierte über Fingerabdrücke einen Verdächtigen.

In der Übung stürmte die GSG 9 am Mittwochmorgen die Wohnung des Mannes, die im Szenario ein Labor enthielt und in einem Rohbau der Polizeiübungsstadt Ruhleben im Westen Berlins liegt. Die Mitglieder der Spezialeinheit rückten schwer bewaffnet und mit Gasmasken ausgerüstet an. Sie schossen einen der Täter an und fanden eine Leiche, offenbar ein Opfer der Seuche. Die Polizei twitterte: „Der beim Zugriff verletzte Verdächtige zeigt Krankheitssymptome. Für alle Einsatzkräfte ist höchste Vorsicht geboten.“ Kriminaltechniker untersuchten die Wohnung.

Übung am Mittwoch auf einem Polizeigelände in Berlin-Charlottenburg

Übung am Mittwoch auf einem Polizeigelände in Berlin-Charlottenburg.

Quelle: dpa

Schutz der Bevölkerung und Verfolgung der Terroristen

Parallel mussten sich Amtsärzte und Seuchenspezialisten des Robert Koch-Instituts um die 200 Besucher der Ausstellung kümmern und sie mit Gegenmitteln versorgen. Die Nachbarn der Terroristen-Wohnung mussten untersucht und unter Umständen isoliert werden, um eine Verbreitung der Seuche zu verhindern. Feuerwehrleute in Schutzanzügen stellten am Mittwoch nahe der Wohnung der Terroristen Zelte zur Dekontamination von möglicherweise infizierten Menschen auf. Gleichzeitig entdeckt die einen Spätkaufladen, in dem die Terroristen verkehrten. Auf einem Computer werden „Hinweise auf ein nicht näher bezeichnetes Ereignis in Berlin am morgigen Tag“ entdeckt.

Die Übung, die von den beteiligten Behörden seit zwei Jahren vorbereitet wurde und deren Auswertung ein halbes Jahr dauern soll, trug den Namen „Wunderbaum“ - der Name einer Pflanze, deren Samenschalen das tödliche Gift Rizin enthalten. Neben 300 direkt beteiligten Menschen waren auch 80 nationale und internationale Sicherheits- und Gesundheitsexperten, darunter Vertreter des amerikanischen FBI und europäischen Polizeibehörden, bei der Übung dabei.

Außerdem vor Ort: zahlreiche Beobachter und sogenannte Schiedsrichter der Polizei, die später die Analyse der Abläufe vornehmen. Eine Drohne schwebte über dem großen Übungsgebiet und filmte. Den ganzen Tag informierte die Polizei die Öffentlichkeit über den Ablauf der Übung per Mitteilungen und Fotos in ihrem Twitterkanal.

Im Mittelpunkt des Testlaufs standen die wichtigsten Ziele, Entscheidungen und Abläufe bei einem solchen Angriff mit Erregern der Lungenpest und dem extrem starken Giftstoff: der Schutz der Bevölkerung und die Verfolgung der Terroristen. Es gehe um Absprachen zwischen der Polizei und den Ärzten, die verschiedene Prioritäten und Interessen hätten, wie Berlins Innensenator Andreas Geisel und Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (beide SPD) sagten. „Es gibt viele, viele Schnittstellen. Keiner kann alleine die Lage bewältigen.“ Die Auswertung der Übung soll auch als Vorlage für die anderen Bundesländer dienen.

Geisel sagte: „Ja, wir müssen üben. Fehler resultieren aus fehlender Übung.“ Er gehe nicht davon aus, dass alles perfekt laufe. Aber genau das sei die Grundlage für Verbesserungen. Gleichzeitig betonte er, gegenwärtig gebe es keine akute terroristische Bedrohung dieser Art.

Die nächste große Übung für ein Katastrophenszenario in Berlin folgt unter dem Namen „Gamma 2017“ in wenigen Tagen. Dabei geht es um einen Unfall im Berliner Forschungs-Atomreaktor auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums in Wannsee.

Von Andreas Rabenstein

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