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Polizei schlampt im Maskenmann-Fall

Nicht alle Indizien abgeklopft Polizei schlampt im Maskenmann-Fall

Wieder einmal rückt im spektakulären Maskenmann-Prozess die Polizei selbst in den Fokus. Offenbar hat sie nicht alle Gegenstände, die im Entführerversteck gefunden worden waren, eingehend geprüft. Das war womöglich ein schwerer Fehler. Denn die Spuren hätten zu einem weiteren Verdächtigen führen können – einem Ex-Polizisten.

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Das Kanu, mit dem der Banker T. entführt worden sein soll, am Fundort.

Quelle: Foto: Polizei

Potsdam. Die Spur trug die Nummer 407. Ein Hundehaar, gefunden auf der Blümchendecke, die im Entführerversteck des Maskenmannes lag. Eine Spur, die, wie die MAZ bereits im Mai 2014 berichtete, in dem Kriminalfall wohl nicht korrekt verfolgt wurde. Womöglich ein schwerer Fehler. Denn ein weiterer Verdächtiger, der seit dem Wochenende wieder in den Fokus in dem spektakulären Kriminalfall rückt, wurde in diesem Zusammenhang nicht überprüft.

Ein Ermittler sollte die Decke, die nach der Entführung des Bankers Stefan T. 2012 durch den Maskenmann auf einer Schilfinsel gefunden wurde, zu einem DNA-Spezialisten nach Innsbruck bringen. Zu diesem Zeitpunkt war schon der nun Angeklagte Mario K. ins Visier der Ermittler geraten. Der Beamte nahm die Speichelprobe eines Hundes aus dem Umfeld K.s mit zum Abgleich. Und nur diese. Zuvor hatte er aber vorgeschlagen, auch bei einem weiteren Verdächtigen eine Probe zu holen, weil dieser einen Hund besitzt. Das sei ihm untersagt worden, wie die MAZ seinerzeit erfuhr.

Bei diesem zweiten Verdächtigen soll es sich um den Polizisten Andreas K. handeln, der nach einem Medienbericht vom Samstag ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist, weil sein Alibi für die Entführung nach belastender Aussage seiner Ex-Frau wackelt. Hubschrauberpilot Andreas K., der seinen Polizeidienst mittlerweile quittierte, hat einen Hund. Einen 14 Jahre alten Golden Retriever. Im Internet wird der Hund angeboten – für die Betreuung während einer längeren Abwesenheit von rund zwölf Monaten. Eingestellt wurde die Anzeige am 29. April dieses Jahres. Das muss nichts bedeuten, aber: Um den Ex-Polizisten tatsächlich sicher von der Verdächtigenlisten streichen zu können und sich nun nicht dem Vorwurf schlampiger Ermittlungen aussetzen zu müssen , hätte man einfach den Hundehaarabgleich machen können. Ebenfalls nicht geprüft wurde der Hund eines engen Bekannten von Andreas K., mit dem dieser viel zu tun hatte.

Die Hundehaar-Analyse brachte kaum Erkenntnisse im Prozess

Die Analyse des Hundehaares des Bekannten von Mario K. ergab: nicht besonders viel. Jener Hund könne es gewesen sein. Oder auch nicht. Das Tier, dem das auf der Decke gefunden Haar gehört, habe eine recht häufige DNA, sagte der Experte vor Gericht – „quasi der VW Golf unter der Hunde-DNA.“

Ebenfalls nicht eingehend unter die Lupe genommen wurde anscheinend das Kajak, das wie die Decke am mutmaßlichen Entführerversteck am Storkower See gefunden wurde. Auf Polizeifotos wurde das Boot früh gezeigt, ein Sit-on-Top in leuchtenden, auffälligen Farben. Mit jenem Gefährt habe der Entführer den Banker über den See zum Versteck im Schilf geschleppt, hieß es. Was nicht gezeigt wurde: Aufgefunden wurde das Kajak in weitaus desolaterem Zustand (siehe Foto). Wo es zuvor gelagert und ob es überhaupt fahrtüchtig war, soll nicht geprüft worden sein. Im Bug stellten Gutachter des Landeskriminalamtes eine Beschädigung fest, zudem festhaftende Pflanzen und Muscheln, die darauf schließen ließen, dass das Boot längere Zeit unter Wasser lag.

Der frühere Polizist Andreas K. hat unterdessen seine Ex-Frau angezeigt, die ihn mit einer Aussage gegenüber der Presse schwer belastet hatte. Das bestätigte der Sprecher des Landespolizeipräsidiums in Potsdam, Rudi Sonntag, am Dienstag gegenüber der MAZ. Die Anzeige sei online über die Internetwache eingegangen, und zwar am 16. Mai. An diesem Tag hatte der „Tagesspiegel“ darüber berichtet, dass die mittlerweile von ihm getrennte lebende Frau das Alibi ihres Ex-Partners erschüttert.

Von Marion Kaufmann

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