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Brandenburg Polizeitaucher sichern die Außenminister
Brandenburg Polizeitaucher sichern die Außenminister
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14:49 02.09.2016
Der Havel auf den Grund gegangen: Polizeitaucher sicherten den Schiffsausflug der OSZE-Außenminister in Potsdam am Hafen der Weißen Flotte ab.  Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

 Auf seiner Spezialausrüstung perlt das Havelwasser, Ronny Bölk hievt sich aus dem Hafenbecken. 35 Kilo schleppt er an sich herum, Vollgesichtsmaske, Flossen, Kälteschutzanzug samt Bleigürtel, Atemgerät, Pressluftflasche. Was er gefunden hat? „Den allgemeinen Schrott. Ein Fahrrad, viele Glasflaschen“, berichtet der 37-Jährige und spaziert über die Anlegestelle der Weißen Flotte in Potsdam. Die Touristen staunen ungläubig ob des Aufgebots. Überall parken Busse und Laster von der Polizei. Beamte haben die Anlegestelle in Beschlag genommen. Und mittendrin Ronny Bölk, der Polizist im Taucheranzug.

Fahrrad und Flaschen haben ihn und seine Kollegen beim Tauchgang nicht weitergekümmert. Zu dritt haben sie am Donnerstagmorgen zwei Stunden lang die Grund und Spundwand abgesucht. Abgerichtet auf verdächtige Gegenstände: Seile, Netze, Haftminen. Wäre ja denkbar, wenn die OSZE-Außenminister in der Stadt sind und eine Dampferfahrt machen wollen. Aber bei aller Seriosität, richtige Aufregung kommt beim Einsatz von Bölk und Kollegen nicht auf. Eine Routinegeschichte.

Polizeitaucher Ronny Bölk (37). Quelle: Julian Stähle

Anders vor ein paar Wochen in Leipzig, als die Brandenburger den Sachsen Amtshilfe leisteten. „40 Taucher mussten ein großes Gebiet abtauchen“, sagt Fred Dumke. Am Ende der Suche standen grausige Funde. Aus einem Baggersee zogen die Polizeitaucher zwei zerstückelte Leichen. Auch das ist Routine. Dumke, kantiges Gesicht, zurückgekämmtes Haar, steht auf der Anlegestelle der Weißen Flotte. Bei der Polizei Brandenburg ist er Leiter der technischen Gruppe, zu der auch das zehnköpfige Team von Polizeitauchern zählt.

Unweit der Taucher befindet sich ein Polizeiboot. Quelle: Julian Stähle

Den Einsatz von Ronny Bölk hat er genau verfolgt. „Wir machen das ständig“, sagt der Chef. Wenn in Meseberg (Oberhavel) mal wieder Gäste der Bundesregierung im Barockschloss empfangen werden, haben Dumkes Leute zuvor den Huwenowsee abgesucht. Für Dumke gibt es keinen Zweifel. „Es ist eine sehr wichtige Angelegenheit.“ Und eine anstrengende. „Tauchen ist Schwerstarbeit. Man muss unter Pressluft atmen.“ Entsprechend anspruchsvoll ist die Ausbildung, die persönliche Eignung der Polizeitaucher, die im Durchschnitt 38 Jahre alt sind, wird immer wieder überprüft.

Schwerstarbeit: Die Montur wiegt rund 35 Kilogramm Quelle: Julian Stähle

Ronny Bölk will den Job so lange machen, wie es geht. Seit 2009 ist er bei den Tauchern. Rund 40 Einsätze sind es im Jahr. Privat muss er das nicht auch noch haben, im Urlaub hat er einmal geschnorchelt, auf den Malediven, aber das war ihm nichts. Bölk weiß, dass seine Arbeit etwas Außergewöhnliches ist. Er und seine Kollegen sind angesehen, vielleicht liegt darin auch der besondere Reiz.

„Wir sind da, um zu finden“, sagt Bölk knapp. Geht es darum, einen Vermissten aufzuspüren, tastet er sich mit Händen durch nicht selten trübe Gewässer. Einmal wurde er zu einem Tümpel im Wald gerufen. Entgegen der ursprünglichen Vermutung fand man zwischen Schlamm und Dreck zwar keine scharfe Waffe, aber vergessene Funkgeräte. Vielleicht ein Altbestand der Nationalen Volksarmee, vielleicht noch älter, Ronny Bölk kann sich nicht mehr genau erinnern. „Man weiß nie, was auf einen zukommt“, sagt er über seine ungewöhnliche Tätigkeit. „Wenn wir nach vermissten Personen suchen, wollen wir sie auch finden.“ Die eigenen Emotionen zu unterdrücken, das ist nicht immer einfach. Gerade wenn Menschen nur noch tot aus dem Wasser geborgen werden können. Manche Angehörige bedanken sich bei ihm, wenn sie die traurige Nachricht erhalten. Das ist leichter zu ertragen, als für immer mit der Ungewissheit leben zu müssen.

Polizeitaucher suchen in der Havel nach gefährlichen Gegenständen. Quelle: Julian Stähle

Als die OSZE-Außenminister an der Anlegestelle der Weißen Flotte die „MS Belvedere“ besteigen, sind die Polizisten aus dem Sichtfeld verschwunden, abgezogen in die zweite Reihe. Den hohen Herren kann nichts gefährlich werden, auch wenn im Havelwasser manche Altlast schlummert.

Hohe körperliche Anforderungen

Voraussetzung für die Arbeit als Polizeitaucher ist eine Beamtenlaufbahn im Mittleren oder Gehobenen Dienst sowie die körperliche Eignung, die regelmäßig neu überprüft wird.

Das Auswahlverfahren besteht aus sportlichen Prüfungen, insbesondere im Schwimmen – ähnlich wie beim Rettungsschwimmer.

Die eigentliche Ausbildung dauert acht Wochen. Brandenburg bildet im Rahmen der Sicherheitskooperation auch Polizeitaucher für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus.

Von Bastian Pauly

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