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Brandenburg Polizistenmord auch nach Jahren ungesühnt
Brandenburg Polizistenmord auch nach Jahren ungesühnt
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20:30 05.04.2017
Garagenkomplex Friedenseck in Lauchhammer 2009. Hier wurde der Polizist getötet. Quelle: Mirko Sattler
Potsdam

Der Satz ist unvergessen. "Wir werden nicht eher ruhen, bis die Täter gefasst sind", hatte der damalige Leiter des Schutzbereiches Oberspreewald-Lausitz, Jürgen Piesker, in seiner Trauerrede für Steffen Meyer geschworen. Er versichere, dass das Verbrechen, das dem Kollegen und seiner Familie angetan wurde, nicht ungesühnt bleibe. Seitdem sind mehr als fünf Jahre vergangen. Der Mörder des damals 46 Jahre alten Hauptkommissars Steffen Meyer läuft immer noch frei herum. Aber der Satz des jetzigen Cottbuser Kripoleiters Piesker ist den Kollegen noch genauso präsent wie der Getötete selbst.

"Der Kollege Meyer ist nicht vergessen", sagt Ines Filohn, Sprecherin der Direktion Süd. Nicht nur an den Jahrestagen denken die Kollegen an den beliebten und engagierten Polizisten, seine Frau und den inzwischen erwachsenen Sohn. "Das Thema beschäftigt uns permanent. Das ist ein schmerzvoller Prozess", sagt Filohn – auch deshalb, weil die Tat fünf Jahre später anders als erhofft noch immer nicht gesühnt ist.

Kollegen leiden unter ungesühntem Polizistenmord

"Das tut so weh", hatte auch Polizeipfarrer Sven Täuber jüngst in einem MAZ-Interview erklärt. Täuber hielt damals den Trauergottesdienst. Dass es in dem Mordfall trotz intensiver Ermittlungen noch immer keine Anklage gebe, verstünden viele Beamte auch als Verletzung ihrer persönlichen Integrität: Sie litten darunter, dass sie bei dem Fall nicht in der Qualität arbeiten konnten, wie es dem eigenen Berufsbild entspreche.

Vor der Garage erstochen

  • Hauptkommissar Steffen Meyer war am 23. November 2009 nach Dienstschluss in Zivilkleidung tot vor seiner Garage in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) gefunden worden.
  • Laut Obduktion starb der Polizist und Familienvater durch Stiche in Brust und Rücken sowie Kopfverletzungen.
  • Der Polizist wollte nach Aussage seiner Frau nur kurz sein Auto in die Garage setzen. Als er nicht zurückkam, sah sie nach ihm – und fand die Leiche. Die Garage war leer, der Wagen weg. Das Auto wurde einen Tag später in Sachsen gefunden.

Fall-Akte umfasst 17.000 Seiten

Mehr als 17.000 Seiten umfasst die Akte zu dem Verbrechen. Nun kommen noch ein paar Seiten dazu. Vor wenigen Tagen seien sie von der Mordkommission übergeben worden, sagt Gernot Bantleon, Leiter der Abteilung Kapitaldelikte bei der Staatsanwaltschaft Cottbus. "Es gibt eine weitere Spur", sagt Bantleon nur. Diese sei im Zusammenhang mit bereits vorhandenen Spuren zu sehen. Einen neuen Verdächtigen gibt es also anscheinend nicht.

Das Fluchtfahrzeug wurde einen Tag nach der Tat entdeckt. Quelle: Michael Helbig

Die Polizei hatte bereits 2010 zwei Männer im Visier, die sie aber wieder laufen lassen musste. Meyers Privatauto wurde bei der Tat gestohlen. Der beschädigte Opel wurde am nächsten Tag im sächsischen Blochwitz gefunden. Noch am Tatabend raste der mutmaßliche Dieb in eine Radarfalle. Anhand des Blitzerfotos wurde ein damals 37-Jähriger aus Gröditz in Sachsen festgenommen. Doch das Amtsgericht Cottbus hob den Haftbefehl mangels dringenden Tatverdachts wieder auf. Ein zweiter Verdächtiger aus dem Ort blieb von vornherein auf freiem Fuß.

200 Zeugen und 1000 Hinweise, aber kein Täter

Die Staatsanwaltschaft werde einen Kollegen eigens dafür abstellen, die Akte noch einmal durchzugehen, so Bantleon. "Puzzlestück für Puzzlestück", sagt der Oberstaatsanwalt und: "Man kann nur beten, dass man nichts übersieht." Mehr als 30 Beamte waren in der Sonderkommission "Garage" mit dem Fall beschäftigt. Mehr als 200 Zeugen wurden vernommen, 1000 Hinweise ausgewertet, nachdem Innen- und Justizministerium eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt hatten. Die Aktenprüfung werde Zeit in Anspruch nehmen. Ob es je zu einer Anklage kommt – ist „offen“, sagt Bantleon.

"Wir vertrauen darauf, dass solide geprüft wird", sagt Riccardo Nemitz, Landeschef des Bunds Deutscher Kriminalbeamter. Er sei sicher, dass die Kripo alles getan habe, was sie leisten konnte. "Die Kollegen in der Mordkommission haben aufopferungsvoll gearbeitet", sagt auch Ines Filohn. Doch ob der Mord an Steffen Meyer bis zu seinem sechsten Todestag gesühnt sein wird? "Die Hoffnung geben wir nicht auf", sagt sie.

Von Marion Kaufmann

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