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Brandenburg Pollenmessstationen helfen den Ärzten
Brandenburg Pollenmessstationen helfen den Ärzten
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00:31 08.03.2018
Schwester Ina Heinrich öffnet eine Pollenfalle auf dem Dach des Zentrums für Allergologie und Asthma am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen Quelle: FOTO: Braun
Treuenbrietzen

An Messtagen ist es morgens der erste Gang von Ina Heinrich. Kurz vor sieben Uhr steigt die Krankenschwester „aufs Dach“ des Hauptgebäudes des Johanniter-Krankenhaus im Fläming Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark). Auf einem terrassenähnlichen Areal mit Aussicht auf einen schönen Klinikpark, steht eine sogenannte Burkard-Falle. Allergiker kennen sie als Pollenfalle. Besonders ins Auge fällt ihre stählerne Windfahne. Die garantiert, dass Luft stets aus der aktuellen Windrichtung angesaugt wird. Ein Motor sorgt dafür, dass das Gerät immer ganz genau die gleiche Luftmenge ansaugt. Sie entspricht umgerechnet dem, was ein Erwachsener im Ruhezustand atmet: rund zehn Liter pro Minute.

Die Luft strömt an einer Trommel vorbei. Diese Trommel dreht sich, aber sehr langsam, nur knapp fünf Zentimeter weit an einem Tag. Feine Teilchen, die in der angesaugten Luft enthalten sind, bleiben an einem Plastikstreifen in dieser Trommel hängen. Für diese Teilchen und ihre Verteilung interessiert sich Ina Heinrich, wenn sie eine genutzte Trommel gegen eine frische austauscht.

Auszählen der Pollen unter dem Mikroskop

An 55 Standorten betreibt die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) Pollenmessstationen zum Einfangen der feinen Blütenpollen. Die auf dem Dach des Treuenbrietzener Krankenhaus ist eine davon – und die einzige in Brandenburg. Eine Pollenfalle wird zwar jeweils noch in Cottbus und Trebkau betrieben, aber die gehören nicht zum Polleninformationsdienst. Im Sommer zählen Schwester Ina und ihre Kollegin montags, mittwochs und freitags die eingefangenen Pollen. In der Winterzeit – das ist so ungefähr von November bis Februar – normalerweise nur freitags. Man muss deshalb aber nicht meinen, dass die Pflanzen in diesen Monaten wirklich Ruhe geben, schon gar nicht bei milden Wintern, die wir in den letzten Jahren haben.

Pollenzählen ist eine anstrengende Arbeit. Nachdem Schwester Ina die Trommel auf dem Dach ausgetauscht hat, kehrt sie zurück an ihrem Arbeitsplatz, nimmt eine Rolle aus der Trommel und zieht vorsichtig das um sie geklebte Tesaband ab. Sorgfältig zerschneidet sie es anhand von angebrachten Markierungen in einzelne Stücke. Auf einen Objektträger trägt sie eine rosafarbene Glycerin-Gelatine-Lösung auf. In diese bettet sie die einzelnen Stücke ein deckt sie mit einem Deckgläschen ab. Jetzt wird sie sich ihrer Tätigkeit als Schwester in der allergologischen Abteilung widmen. Am frühen Nachmittag dann legt Heinrich die getrockneten Objektträger unter das große Mikroskop und zählt die von der Messstation auf dem Dach eingefangenen Pflanzenpollen. Diese Pollenkörner sind dünner als ein Flaumhaar auf dem Kopf eines Säuglings.

Unter dem Mikroskop stellen sich die Pollen als rosa gefärbte Gebilde dar, die je nach Pflanzenart mal rund, stachelig, dreieckig oder mehreckig erscheinen können. Manchmal sehen die Poren auf der Oberfläche aus wie ein Fischmaul. Eigentlich ist das Bild sehr hübsch, aber es geht um das richtige Zählen und das braucht jahrelange Erfahrung. Manchmal zählt Ina Heinrich nur neun Pollen pro Gesichtsfeld, manchmal aber auch über tausend. Heinrich zählt sie alle einzeln. Im Sommer kommen zusätzlich Pilzsporen hinzu. Wenn sie Pech hat, verstecken sich die Pollenkörner auch unter einer Vielzahl von länglichen, keulenförmigen Schimmelpilzsporen. „Das Zählen kann schon lange dauern“, sagt die Krankenschwester, „manchmal eine Dreiviertelstunde bis ich fertig bin“ Die Daten werden nach dem Auszählen sofort an den Deutschen Wetterdienst übermittelt und gehen in die Pollenflugvorhersage ein. Außerdem wird alles bei der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst gespeichert.

Selbst im Januar schon mäßiger Erlenflug

An Januarende dieses Jahres hat Heinrich zum Beispiel freitags schon 26 Erlenpollen gezählt. Das bedeutet: Ein Kubikmeter Luft enthielt 26 Erlenpollen. „Das ist wenig“, sagt sie. Aber es gilt schon als Stufe II und damit als „mäßiger“ Pollenflug. Empfindliche Allergiker, die vielleicht auch noch in der Nähe von diesen Bäumen wohnen oder arbeiten, können das schon zu spüren kriegen. Auch die Hasel sendet früh ihre Pollen aus. Den Höhepunkt erreicht der Hasel- und Erlenpollenflug Ende Februar, Mitte März. Und dann geht es für Allergiker Schlag auf Schlag.

Im April schlägt Birke voll zu. Die Pollen sind bis Mitte Mai in der Luft und schon sind die Gräser da. Die Hauptblühzeit geht bis Mitte Juli und überschneidet sich ohne weiteres mit dem Beginn des Beifußpollenfluges. Von Mai bis zum September muss auch der Schimmelpilz Alternaria alternata beobachtet werden. Er kann eine Gräserpollen- oder Beifußpollenallergie vortäuschen oder deren Symptome verstärken. Was genau an welchem Tag und wie stark fliegt, messen die Stationen. Die märkischen Daten können auch auf der Internetseite der Johanniter-Klinik unter dem Stichwort „Pollenfalle“ abgerufen werden.

Für den 25. Januar vermerkte das Krankenhaus beim Erlenflug nach einer langen Pollenpause immerhin eine „mäßige“ Belastung. Das sind wichtige Hinweise für Allergiker. Nicht etwa, weil diese vor den Pollen irgendwie „in Deckung“ gehen könnten – dazu müssten sie sich schon ganzjährig in sterilisierte Räume einsperren –, sondern weil sie sehen können, dass bestimmte Symptome wahrscheinlich eine allergische Reaktion und nicht einfach Schnupfen sind. Sie wissen dann: Es ist Zeit, auf die Medikamente zurückzugreifen. Fast noch wichtiger ist die Pollenmessstation als Hilfe bei der Diagnose und der Therapiestrategie.

Ärzte suchen nach den wahren Allergieauslösern

Ärzte wollen wissen, auf welche Stoffe der Umgebung Patienten tatsächlich allergisch reagieren und ob eine sogenannte Spezifische Immuntherapie hilfreich ist. „Für mich als Allergologin ist es deshalb sehr wichtig, dass meine Patienten einen Symptomkalender führen“, sagt Chefärztin Dr, Uta Rabe. Sie ist Leiterin des Zentrums für Allergologie und Asthma am Johanniter-Krankenhaus und damit auch Chefin der Pollenmessstation. Außerdem ist Rabe im Vorstand des Ärzteverband Deutscher Allergologen und im Vorstand des Verbands der Allergologen Brandenburg.

„Man hat in der Regel nicht nur „die eine Allergie“, erläutert Rabe. Und positive Allergieteste, wie Hauttest oder Bluttest sind nicht zwangsläufig Ausdruck einer Allergie. Häufig zeigen sie nur Sensibilisierungen eines Patienten an. Symptome müssen damit nicht zwingend verbunden sein. Deshalb sei es oft sehr schwierig herauszufinden, was die eigentlichen Auslöser einer bestehenden Allergie sind. Wenn aber Allergiker genau Buch führen, wann sie welche Symptome haben und wenn man ihre Angaben mit den Daten aus der Pollenmessstation abgleicht, kann man nach einiger Detektivarbeit schon hinter die Auslöser kommen.

Pollenfallen können bei zweifelhaften Fällen klären

Im April 2013, so ergaben es Messungen der Pollenstation, schlug zum Beispiel die Erle vom 17. bis etwa zum 19. gemeinsam mit der Birke zu. Es ist bei diese Daten unklar, worauf der Patient wirklich allergisch reagiert. Aber am 21. April 2015 war die Birke enorm aktiv. Sollte der selbe Patient Anfang April 2015 keine Beschwerden gehabt haben, dann aber Ende April, ist es schon sehr wahrscheinlich, dass die Birke zu den Auslösern gehört. „Die zusammengenommenen Daten können mir sagen, welche Therapie gegenwärtig optimal ist“, erläutert Rabe. Entsprechend kann sich der Patient auch auf die Anwendung bestimmter Antiallergika einstellen, wenn er weiß, dass jetzt gerade „seine“ Pollen fliegen. Nicht zuletzt kann durch die Kombination von Pollenflugmessen und Symptomkalender geprüft werden, ob eine sogenannte spezifische Immuntherapie erfolgreich war.

Bei dieser Therapie werden Patienten bewusst und nach bestimmten Regeln mit dem auslösenden Allergen konfrontiert. Komplexe Reaktionen des Immunsystems führen letztlich dazu, dass dieses irgendwann nicht mehr mit der allergischen Reaktion auf den Stoff reagiert. Es „lernt“ sozusagen, dass der Stoff harmlos ist. Die einer Allergie zugrundeliegende Sensibilität des Organismus bleibt aber sehr wohl erhalten. Die Allergie kann also prinzipiell wieder ausbrechen. Die Pollenmessung kann helfen zu erkennen, ob ein vermeintlich kurierter Patient auf eine bestimmte Pflanze doch wieder allergisch reagiert. Dann wäre eine erneute Spezifische Immuntherapie sinnvoll.

„Wir schätzen dass 50 Prozent der Menschen die genetischen Voraussetzungen für eine Allergie haben“, sagt Rabe. Sie sind also prinzipiell sensibel für bestimmte Auslöser. Die Allergie muss nicht unbedingt ausbrechen, wenn das aber geschieht, muss man sehen, worauf der Patient eigentlich reagiert – und wann und wo das Allergen vorhanden ist. Genau dafür sind die Pollenmessstationen da. Häufig können die Ärzte mit Medikamenten die Symptome dann nur lindern. Aber auch das ist sehr wichtig. Zum Beispiel kann dadurch verhindert werden, dass Patienten Asthma ausbilden.

Was die Zukunft der Allergien angeht, meint Rabe „Sie nehmen zu“. Ein paradoxer Grund sei wahrscheinlich unser ziemlich hygienisches Leben. Das Immunsystem hat heute viel weniger zu tun als früher, so dass es sich quasi ersatzweise auf eigentlich harmlose Stoffe stürzt. Eine Richtung der allergologischen Forschung versuche deshalb unserem Immunsystem sozusagen wieder etwas zu tun zu geben. Dann hat es nicht mehr so viel Gelegenheit, sich auf andere Stoffe zu stürzen und Allergien auszubilden.

Von Rüdiger Braun

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