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Potsdam bekommt Radhighways

Alternative zum Auto Potsdam bekommt Radhighways

Radschnellwege sollen Berufspendlern ein zügiges Fahrradfahren auf extra breiten und komfortablen Radwegen ermöglichen – ohne nervige Kreuzungen und Ampeln. Das Förderprogramm des Bundes würde jedoch nur für die Brandenburger Projekte reichen – allein in Potsdam sollen drei Radhighways realisiert werden.

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Etwa 73 Millionen Fahrräder gondeln auf Deutschlands Radwegen. Jetzt sollen Radschnellwege vor allem Pendlern eine kreuzungs-und ampelfreie Fahrt gewährleisten.

Quelle: dpa

Potsdam. Das Fahrrad entwickelt sich für immer mehr Menschen zu einer Alternative zum Auto. Fahrradfahrer müssen auf dem Weg zur Arbeit nicht im Stau stehen, sie belasten die Umwelt nicht und fördern durch die Bewegung ihre Gesundheit. Etwa 73 Millionen Velos gondeln auf Deutschlands Radwegen. Im vergangenen Jahr wurden über eine halbe Million E-Bikes verkauft. Deshalb stellt der Bund 25 Millionen Euro zur Förderung von Radschnellwegen zur Verfügung. Doch: Sie sind wie der sprichwörtliche Tropfen auf einen heißen Stein, so Lea Hartung, die Geschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Brandenburg. „Ein Kilometer Radschnellweg kann bis zu zwei Millionen Euro kosten“, erklärt sie.

In Brandenburg sollen drei sogenannte Radschnellwege realisiert werden, wie das Landesministerium für Infrastruktur und Landesplanung mitteilt, alle im Großraum Potsdam. Von der Landeshauptstadt in Richtung Werder, Teltow und in den Potsdamer Norden.

Radschnellwege sollen Pendlern eine kreuzungs- und ampelfreie Fahrt gewährleisten. Die Schnellwege sind extra breit, möglichst asphaltiert, sollen eine Steigung von höchstens sechs Prozent und einen weiten Kurvenradius haben.

Wie jedoch aus einer Machbarkeitsstudie zu Radschnellverbindungen der Stadt Potsdam aus dem Jahr 2015 hervorgeht, verschlingen allein die drei angestrebten Projekte rund 20 Millionen Euro. „Es ist schön, dass es die Förderung durch den Bund gibt, aber die reicht natürlich nicht aus“, sagte Jan Brunzlow, Pressesprecher der Stadt Potsdam, der MAZ. Auch der Leiter der Potsdamer Verkehrsentwicklung, Norman Niehoff, hält viel von der Zusage des Bundes. Er ist froh, dass das Bundesfernstraßengesetz geändert wurde, so dass sich der Bund künftig an der Finanzierung von Radwegen beteiligen kann. Das 25-Millionen-Paket sei jedoch „definitiv nicht ausreichend“.

Wie die Chancen für Brandenburg stünden, etwas aus dem Dobrindt-Fördertopf zu erhalten, kann Verkehrsplaner Niehoff nicht einschätzen. EU-Fördermittel erhalten die Stadt und die kommunalen Partner bereits aus dem Stadt-Umland-Wettbewerb des Landes. Ein Schwerpunkt des mit etwa 22 Millionen Euro geförderten Projekts waren die Radschnellwege.

„Es ist ein guter Anfang“, bestätigt auch Fahrradlobbyistin Lea Hartung. „Der Bund hat endlich verstanden, dass Radwege gefördert werden müssen“, sagt sie – der Autoverkehr platzte schließlich aus allen Nähten. Für den ADFC sind die Fördermittel aber nicht ausreichend genug. „Wir fordern, den Fonds zu verzehnfachen“, betont Hartung. Der Meinung ist auch die Bundestagsabgeordnete der Brandenburger Grünen, Annalena Baerbock. Sie hält die Förderung der Radschnellwege für „absolut überfällig“. Doch schlechte Radwege verhindern, dass das Potenzial des Fahrradfahrens ausgeschöpft werden, so die Grünenabgeordnete. Das Förderpaket greift ihrer Meinung jedoch zu kurz. „Um Radschnellwege in Deutschland wirklich voranzubringen, sollte sich der Bund jährlich mit mindestens 100 Millionen Euro an der Finanzierung von Radschnellwegen beteiligen“.

Dass in Brandenburg bisher nur Trassen in der Landeshauptstadt ermittelt wurden, liege am Potenzial und der Kapazität der Stadt, so Lea Hartung. „Der Bedarf ist hier am Größten“, sagte sie. In Städten wie Cottbus oder Frankfurt (Oder) muss in einer gesonderten Überprüfung die Verkehrssituation vor Ort untersucht werden.

Wann mit den Arbeiten an den Radschnellwegen begonnen werden kann, ist unsicher. „In den nächsten Jahren“, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow. Erst nachdem die Planungen abgeschlossen sind, können weitere Förderanträge eingereicht werden, so Brunzlow weiter.

Auch die Hauptstadt Berlin will in den nächsten Jahren den Radverkehr massiv ausbauen. Insgesamt sollen etwa 100 Kilometer, verteilt auf zwölf Radschnellstrecken, gebaut werden. Dies könnte auch für Pendler aus Brandenburg interessant werden. Unter anderem soll eine Strecke im Norden über Pankow aus der Stadt herausführen, in Steglitz-Zehlendorf über den Kronprinzessinnenweg und durch Spandau über die Nonnendammallee.

Von Lisa Neumann

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