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Potsdam statt Prenzlauer Berg

Start-ups in Brandenburg Potsdam statt Prenzlauer Berg

Start-ups zieht es immer häufiger nach Brandenburg. Den technologiebasierten Firmen ist eine gute Förderung und Betreuung wichtiger als die schicke Hinterhof- und Loft­romantik in Berlin. Außerdem: Das Berliner Pflaster ist teuer.

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Das Potsdamer Start-up Synfioo revolutioniert die Logistikbranche.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Potsdam statt Prenzlauer Berg, Wildau statt Wedding: Brandenburg wird für junge Firmengründer immer interessanter. Das Land profitiert davon, dass die Start-up-Hauptstadt Berlin als Gründungspflaster zunehmend teurer wird. „Brandenburg bietet mittlerweile ein hervorragendes Klima für Start-ups und braucht sich auch vor Berlin nicht mehr zu verstecken“, sagt Kerstin Jöntgen, Vorstandsmitglied der Investitions- und Landesbank (ILB). Sie verweist auf den aktuellen Innovationsatlas des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Demnach liegt das Flächenland Brandenburg bei Neugründungen in innovativen Branchen im deutschlandweiten Vergleich auf Platz vier, Berlin landet dagegen nur im Mittelfeld.

„Die Gründerszene ist sehr rege. Die Start-ups haben erkannt, dass man nicht unbedingt in Berlin sitzen muss, wo die Gewerbemieten immer teurer werden“, sagt Alexander Gallrein, Sprecher der Wirtschaftsförderung Brandenburg. In Berlin werden mit Quadratmetermieten von 25 Euro und mehr inzwischen Büropreise wie in Frankfurt am Main, Hamburg oder München aufgerufen.

Optiker Brillen.de verlegte Firmensitz von Bayreuth nach Wildau

Eines der wachstumsstärksten Start-ups in Deutschland ist der Optiker Brillen.de. Das Unternehmen verlegte seinen Firmensitz von Bayreuth nach Wildau (Dahme-Spreewald) und nicht nach Berlin – wegen der guten Förderbedingungen und der grünen Umgebung, wie Firmengründer Matthias Kamppeter sagt. Ähnlich argumentiert der Wohnmobilvermittler PaulCamper, der im vergangenen Jahr von Berlin nach Bernau (Barnim) zog. Gefördert wurde er von der ILB-Tochter BFB Brandenburg Kapital GmbH.

„Mit unseren Frühphasen- und Wachstumsfonds haben wir seit 2009 insgesamt 73,4 Millionen Euro in Brandenburger Start-ups investiert“, erklärt ILB-Vorstand Jöntgen. Das Buhlen um innovative Unternehmen und die Beteiligung an ihnen soll auf jeden Fall weitergehen. Vor einem Jahr legte die ILB den Frühphasenfonds mit einem Fördervolumen von 70 Millionen Euro neu auf. Ein Viertel der Summe sei bereits bewilligt, so Jöntgen. Was die Zahl der Patentanmeldungen angeht, liegt Brandenburg laut Innovationsatlas jedoch abgeschlagen auf dem vorletzten Platz. Auf 100 000 Beschäftigte kamen nur 30 Patente. Beim Spitzenreiter Baden-Württemberg waren es 287.

Teltow-Fläming zählt zu den innovationsfreudigsten Landkreisen

Das liege einerseits an der eher kleinteiligen Wirtschaftsstruktur der Mark, wie Alexander Gallrein von der Wirtschaftsförderung erklärt. Außerdem hätten größere Unternehmen wie Daimler, MTU oder BASF zwar hier Produktionsstätten, die Patente würden aber tendenziell an den Hauptsitzen in Südwestdeutschland gemeldet.

Der Landkreis Teltow-Fläming südlich Berlins sticht jedoch positiv hervor. Er zählt mit 129 Anmeldungen pro 100 000 Beschäftigten laut IW zu den innovationsfreudigsten Kreisen Deutschlands, was vor allem an der Biotech- sowie Luft-und Raumfahrtbranche liegt. Beispiel Rolls-Royce in Dahlewitz: „Wir sind ein entwicklungsgetriebenes Unternehmen“, erklärt der Sprecher des Triebwerkbauers, Stefan Wriege. Seit 2014 meldete das Unternehmen nach eigenen Angaben 294 Patente an. Allein im Jahr 2017 seien es 46 gewesen.

Von Torsten Gellner

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