Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Das Ende der Potsdamer Panzerknacker
Brandenburg Das Ende der Potsdamer Panzerknacker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:33 22.07.2015
Zwei der Potsdamer Panzerknacker werden in den Gerichtssaal geführt.  Quelle: Julian Stähle
Anzeige
Potsdam

 Für eine Urteilsverkündung war der Zeitpunkt ungewöhnlich: Am Samstag wurden Mitglieder der sogenannten Potsdamer Panzerknackerbande vom Landgericht Potsdam zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die sieben Männer im Alter von 22 bis 59 Jahren sollen zwischen zweieinhalb und acht Jahre hinter Gitter. Eigentlich sollte das Urteil bereits am Vortag fallen, aber da Prozessbeteiligte verhindert waren, wurde das juristische Finale aufs Wochenende verlegt. Sieben Angeklagte, zumeist junge Männer in Freizeitlook, und ihre elf Verteidiger – Anklagebänke sind selten so üppig besetzt.

Automatensprengungen beschäftigen die Polizei

Nicht nur die Potsdamer Panzerknacker hatten es auf Geldautomaten abgesehen. Seit Monaten halten ähnliche Überfälle die Polizei auf Trapp.

Erst Ende Juni war bei der Explosion eines Automaten in Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz) ein ganzes Einkaufszentrum zerstört worden.

Ein Brief der zuständigen Spreewaldbank eG an die Landesregierung hatte eine Sicherheitsdebatte ausgelöst.

Zehn Monate hatte sich das Gericht unter Vorsitz von Jens Gerlach durch ein Gewirr schwerer Straftaten gearbeitet, 30 listete die Anklage auf. Die Bande war im August 2013 aufgeflogen. 100 Beamte, darunter Spezialkräfte, hatten die Schlinge zugezogen.

Automatensprengungen und Versicherungsbetrug

Die Männer sollen von 2010 bis 2013 Bankautomaten gesprengt sowie in Läden, Gaststätten und Autohäusern Tresore ausgeraubt haben. Auf ihr Konto gehen auch mehrfacher Versicherungsbetrug - sie hatten Einbrüche in ihre eigenen Autos vorgetäuscht – und Urkundenfälschung. Bei Durchsuchungen in Potsdam, Berlin und Wiesbaden waren Tatwerkzeuge, Bargeld und vier teure Autos sichergestellt worden. Fast 400.000 Euro soll die Bande, von der einige eine Autowerkstatt in Potsdam betrieben, erbeutet haben.

Die Panzerknacker und ihre Anwälte Quelle: Julian Stähle

Die Gruppe hatte sich auf Geldautomaten spezialisiert und dafür ein Schweißgerät sowie Gasflaschen gestohlen. Bereits bei einem spektakulären Coup im Herbst 2010 konnte ein Sparkassenautomat in Berlin-Lichterfelde geknackt und ein Beute von 183.000 Euro eingesackt werden.

Aufsehen erregend war auch der Überfall auf einen Automaten der Commerzbank am 26. Mai 2013 in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark). Morgens halb drei jagten die Panzerknacker das Geldausgabegerät mit einem Gasgemisch in die Luft. Die Explosion war so stark, dass die Gebäudefassade riss und sich wölbte. Auch hier eine beträchtliche Beute: 80.200 Euro.

Raubzüge in dichter Folge

In derselben Nacht soll die Bande versucht haben, einen Automaten in Bergholz-Rehbrücke aufzusprengen. Aber man kam nicht an die Geldkassette heran. Beweise gibt es nicht, weil hier die in anderen Fällen erfolgten Geständnisse fehlen. Einziges Indiz: die blaue Farbe, mit der überall die Überwachungskameras besprüht wurden.

Die Bande ging in dichter Folge auf Raubzüge: Gleich zweimal musste ein Getränkemarkt in Storkow (Oder-Spree) dran glauben. Beim Einbruch in eine Autowerkstatt in Eggersdorf (Märkisch-Oderland) wurden Maschinen für 26 000 Euro und ein Pkw BMW gestohlen. Besonders perfide: Bandenmitglied Patrick O. (24) gab den Tipp, im Januar 2013 in ein Potsdamer Peugeot-Autohaus einzubrechen, weil da was zu holen sei, wie er aus seiner Lehrzeit im Geschäft wusste. Die Bande konnte 37 500 Euro unter sich aufteilen.

Bandenmitglieder gerieten untereinander in Streit

Bandenmitglied Jürgen E. störte sich zunehmend am Aufteilen der Beute. E., mit 59 der älteste, wollte aussteigen und tauchte mit einem wertvollen Diagnosegerät aus der gemeinsamen Werkstatt unter. Die „beklauten Diebe“ sannen auf Rache. Durch Zufall wurde E. auf der Autobahn 115 von Maurice K. entdeckt. Der 26-Jährige – er gilt als einer der Haupttäter – beorderte per Handy andere Bandenmitglieder zur Verfolgungsjagd heran.

 Der Abtrünnige sollte ausgebremst und zur Rede gestellt werden. E. fuhr mit Tempo 110 auf, konnte seinen Mercedes aber an der Mittelleitplanke gerade noch zum Stehen bringen und in Lebensgefahr die Polizei rufen.

 Seniorgangster E. wurde zum Kronzeugen der Anklage, belastete seine Komplizen und erhielt mit zwei Jahren und sechs Jahren die kürzeste Freiheitsstrafe.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung wird voraussichtlich in Revision gehen.

Von Volkmar Krause

Potsdam Rund 21 000 Besucher bei 14. Potsdamer Feuerwerker-Sinfonie - Glamour über dem Volkspark

Es funkelte wieder am Potsdamer Nachthimmel. Rund 21 000 Besucher strömten am Wochenende in den Volkspark, um zwei mal zwei Pyro-Show zu erleben.

19.07.2015
Brandenburg Beute im Wert von 400.000 Euro - Lange Haftstrafen für Panzerknacker-Bande

Sie haben es hauptsächlich auf Tresore und Geldautomaten abgesehen und bei ihren Taten stets eine Spur der Verwüstung angerichtet. Jetzt ist die sogenannte Panzerknacker-Bande für ihre Taten zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Ihre Taten zeigen, dass bei den Geldautomaten-Sprengungen hohe Summen erbeutet werden.

18.07.2015

Vattenfall betreibt in der Lausitz das zweitgrößte Braunkohlerevier bundesweit, baut insgesamt 60 Millionen Tonnen Kohle ab. Zehntausende Arbeitsplätze hängen daran. Doch rentabel ist das Geschäft für den Energieriesen auf Dauer nicht. Deshalb macht der Konzern Druck und möchte das Gebiet möglichst bis Mitte 2016 abstoßen.

17.07.2015
Anzeige