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Das Ende der Potsdamer Panzerknacker

Diebesbande verurteilt Das Ende der Potsdamer Panzerknacker

Bei ihren Raubzügen sollen sie bis zu 400.000 Euro erbeutet haben. Jetzt sind die Potsdamer Panzerknacker zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Der Prozess hatte sich fast über ein Jahr gezogen, denn die Richter hatten eine lange Liste an verschiedenen Straftaten abzuarbeiten, neben der Sprengung von Bankautomaten auch Einbrüche, Versicherungsbetrug und Urkundenfälschung.

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Zwei der Potsdamer Panzerknacker werden in den Gerichtssaal geführt.
 

Quelle: Julian Stähle

Potsdam.  Für eine Urteilsverkündung war der Zeitpunkt ungewöhnlich: Am Samstag wurden Mitglieder der sogenannten Potsdamer Panzerknackerbande vom Landgericht Potsdam zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die sieben Männer im Alter von 22 bis 59 Jahren sollen zwischen zweieinhalb und acht Jahre hinter Gitter. Eigentlich sollte das Urteil bereits am Vortag fallen, aber da Prozessbeteiligte verhindert waren, wurde das juristische Finale aufs Wochenende verlegt. Sieben Angeklagte, zumeist junge Männer in Freizeitlook, und ihre elf Verteidiger – Anklagebänke sind selten so üppig besetzt.

Automatensprengungen beschäftigen die Polizei

Nicht nur die Potsdamer Panzerknacker hatten es auf Geldautomaten abgesehen. Seit Monaten halten ähnliche Überfälle die Polizei auf Trapp.

Erst Ende Juni war bei der Explosion eines Automaten in Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz) ein ganzes Einkaufszentrum zerstört worden.

Ein Brief der zuständigen Spreewaldbank eG an die Landesregierung  hatte eine Sicherheitsdebatte ausgelöst.

Zehn Monate hatte sich das Gericht unter Vorsitz von Jens Gerlach durch ein Gewirr schwerer Straftaten gearbeitet, 30 listete die Anklage auf. Die Bande war im August 2013 aufgeflogen. 100 Beamte, darunter Spezialkräfte, hatten die Schlinge zugezogen.

Automatensprengungen und Versicherungsbetrug

Die Männer sollen von 2010 bis 2013 Bankautomaten gesprengt sowie in Läden, Gaststätten und Autohäusern Tresore ausgeraubt haben. Auf ihr Konto gehen auch mehrfacher Versicherungsbetrug - sie hatten Einbrüche in ihre eigenen Autos vorgetäuscht – und Urkundenfälschung. Bei Durchsuchungen in Potsdam, Berlin und Wiesbaden waren Tatwerkzeuge, Bargeld und vier teure Autos sichergestellt worden. Fast 400.000 Euro soll die Bande, von der einige eine Autowerkstatt in Potsdam betrieben, erbeutet haben.

Die Panzerknacker und ihre Anwälte

Die Panzerknacker und ihre Anwälte

Quelle: Julian Stähle

Die Gruppe hatte sich auf Geldautomaten spezialisiert und dafür ein Schweißgerät sowie Gasflaschen gestohlen. Bereits bei einem spektakulären Coup im Herbst 2010 konnte ein Sparkassenautomat in Berlin-Lichterfelde geknackt und ein Beute von 183.000 Euro eingesackt werden.

Aufsehen erregend war auch der Überfall auf einen Automaten der Commerzbank am 26. Mai 2013 in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark). Morgens halb drei jagten die Panzerknacker das Geldausgabegerät mit einem Gasgemisch in die Luft. Die Explosion war so stark, dass die Gebäudefassade riss und sich wölbte. Auch hier eine beträchtliche Beute: 80.200 Euro.

Raubzüge in dichter Folge

In derselben Nacht soll die Bande versucht haben, einen Automaten in Bergholz-Rehbrücke aufzusprengen. Aber man kam nicht an die Geldkassette heran. Beweise gibt es nicht, weil hier die in anderen Fällen erfolgten Geständnisse fehlen. Einziges Indiz: die blaue Farbe, mit der überall die Überwachungskameras besprüht wurden.

Die Bande ging in dichter Folge auf Raubzüge: Gleich zweimal musste ein Getränkemarkt in Storkow (Oder-Spree) dran glauben. Beim Einbruch in eine Autowerkstatt in Eggersdorf (Märkisch-Oderland) wurden Maschinen für 26 000 Euro und ein Pkw BMW gestohlen. Besonders perfide: Bandenmitglied Patrick O. (24) gab den Tipp, im Januar 2013 in ein Potsdamer Peugeot-Autohaus einzubrechen, weil da was zu holen sei, wie er aus seiner Lehrzeit im Geschäft wusste. Die Bande konnte 37 500 Euro unter sich aufteilen.

Bandenmitglieder gerieten untereinander in Streit

Bandenmitglied Jürgen E. störte sich zunehmend am Aufteilen der Beute. E., mit 59 der älteste, wollte aussteigen und tauchte mit einem wertvollen Diagnosegerät aus der gemeinsamen Werkstatt unter. Die „beklauten Diebe“ sannen auf Rache. Durch Zufall wurde E. auf der Autobahn 115 von Maurice K. entdeckt. Der 26-Jährige – er gilt als einer der Haupttäter – beorderte per Handy andere Bandenmitglieder zur Verfolgungsjagd heran.

 Der Abtrünnige sollte ausgebremst und zur Rede gestellt werden. E. fuhr mit Tempo 110 auf, konnte seinen Mercedes aber an der Mittelleitplanke gerade noch zum Stehen bringen und in Lebensgefahr die Polizei rufen.

 Seniorgangster E. wurde zum Kronzeugen der Anklage, belastete seine Komplizen und erhielt mit zwei Jahren und sechs Jahren die kürzeste Freiheitsstrafe.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung wird voraussichtlich in Revision gehen.

Von Volkmar Krause

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