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Potsdamer Studie zeigt: Der Golfstrom versiegt

Ökosysteme in Europa bedroht Potsdamer Studie zeigt: Der Golfstrom versiegt

Es droht die nächste Klimakatastrophe: Der Golfstrom wird in den nächsten Jahren versiegen. Das glauben Wissenschaftler des renommierten Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) erstmals beweisen zu können. Die Ökosysteme in Europa sind massiv bedroht, und der Meeresspiegel steigt weiter.

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Im Hollywoodstreifen „The Day after Tomorrow“ führte das Versiegen des Golfstroms zu einer neuen Eiszeit.

Quelle: 20TH CENTURY FOX / Ronald Grant

Potsdam. Der Golfstrom – eine der wichtigsten Meeresströmungen der Welt – lässt dramatisch nach. Diese Prognose zahlreicher Klimaforscher scheint nun traurige Gewissheit zu sein. Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) konnten anhand von Temperaturdaten aus dem Atlantik belegen, dass die Geschwindigkeit des Golfstroms und damit die Menge des transportierten Wassers in den vergangenen Jahrzehnten bereits um 15 bis 20 Prozent gesunken ist. Die jüngsten Veränderungen sind die massivsten seit mehr als 1000 Jahren. Ein totaler Abbruch der Strömung innerhalb der kommenden Jahrzehnte scheint möglich.

Wetterextreme und Überflutungen nehmen zu

„Das könnte massive Folgen haben“, sagt der Leitautor der am Montag erschienen Studie, der PIK-Ozeanograph Stefan Rahmstorf, gegenüber der MAZ. Er warnt vor „erheblichen Störungen der Ökosysteme des atlantischen Ozeans“ für den Fall eines Abbruchs der Strömung. Zugleich geht er von einem „regionalen Anstieg der Meeresspiegel von bis zu einem Meter und einer massiven Beeinflussung der Wettersysteme in Europa und auch Nordamerika“ aus. Teilweise Überflutungen von Städten wie New York oder Boston sowie Regionen Westeuropas, Wetterextreme und eine Zerstörung vieler Fischereigründe noch im laufenden Jahrhundert drohen.

Zweifel an den Potsdamer Ergebnissen

Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios wird vom Weltklimarat mit eins zu zehn eingeschätzt. Andere Wissenschaftler stufen das Risiko aber als wesentlich höher ein. Klimaskeptiker wie der ehemalige Umweltsenator Hamburgs, Fritz Vahrenholt, sehen ein Nachlassen der atlantischen Strömung dagegen nicht als Folge des Klimawandels sondern als „Teil eines natürlichen Zyklus“. Auch der Hamburger Klimaforscher Mojib Latif zweifelt die Potsdamer Ergebnisse an und führt eigene Messungen der Nordatlantikströmung an, die zu anderen Ergebnissen kommen. „Die Dramatik des Klimawandels bleibt aber dadurch unbestritten“, so Latif. Auch die US-Weltraumbehörde Nasa hatte 2010 Daten vorgelegt, wonach der Golfstrom intakt sei. Dies wird nun durch die Messungen des Potsdamer Forscherteams infrage gestellt.

Zunehmende Eisschmelze auf Grönland

Der Golfstrom als rasch fließende Meeresströmung im Atlantik, die warmes Wasser in den Norden und kaltes in den Süden des Globus transportiert, gilt als Wettermaschine für Nord- und Zentraleuropa, die meist für ein mildes Klima sorgt. Rahmstorf und andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass durch die zunehmende Eisschmelze auf Grönland zuviel Süßwasser in den Nordatlantik gedrängt wird und dadurch der Golfstrom zum Erliegen kommen könnte.

PIK-Forscher Stefan Rahmstorf

PIK-Forscher Stefan Rahmstorf

Quelle: PIK

Neue Eiszeit unwahrscheinlich

Der PIK-Forscher Stefan Rahmstorf, der selbst auch schon zu den Leitautoren des Sachstandsberichts des Weltklimarates der UN gehörte, warnt seit den späten 1990-er Jahren vor den Folgen der Erderwärmung für den Golfstrom und erhielt für seine Forschungen 1999 die mit einer Millionen US-Dollar dotierte Auszeichnung Centennial Fellowship Award der James Smith McDonnell-Stiftung. Seine Prognosen waren Grundlage des Hollywood-Films „The day after tommorow“ von Roland Emmerich, in dem eine neue Eiszeit ausgelöst durch die Auswirkungen des Klimawandels auf den Golfstrom die Welt in ein Chaos stürzt. Trotz „erheblicher negativer Auswirkungen“ glaubt Rahmstorf selbst heute aber nicht mehr an eine neue Eiszeit.

Ausführliches MAZ-Interview mit Stefan Rahmstorf >

Von Gerald Dietz

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