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Potsdamer machen Berlin fit für Klimawandel

Mehr Brunnen und Grünanlagen Potsdamer machen Berlin fit für Klimawandel

Ein Unwetter wie es nur alle 50 Jahre vorkommt, hat am Mittwoch Teile Berlins heimgesucht. Potsdamer Klimaforscher haben nun nach drei Jahren Arbeit ein Konzept vorgelegt, das Berlin für künftige Extremwetterereignisse wappnet.

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Quelle: dpa

Berlin. Überspülte Straßen, unter Wasser stehende Tunnel und stundenlange Dauereinsätze der Feuerwehr: Mit den Auswirkungen eines Unwetters am Mittwochnachmittag, wie es Teile des Südosten Berlins wohl seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr getroffen hat, wird die Stadt wohl noch einige Zeit zu kämpfen haben.

Unwetter trifft Berlin besonders hart

Dafür, dass Berlin künftig besser auf Folgen der Erderwärmung wie Starkregen und Hitzewellen vorbereitet ist, haben Potsdamer Klimaforscher gesorgt.

Senat gibt Konzept beim PIK in Auftrag

Mehr Brunnen, regelrecht als Schwämme dienende Grünanlagen oder Frühwarnsysteme für Krankenhäuser – das sind Antworten, mit denen Berlin auf die Herausforderungen des Klimawandels wie Hitzewellen und Rekordregen reagieren soll. Erarbeitet hat das Konzept namens Afok (Anpassungskonzept an die Folgen des Klimawandels) das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) im Auftrag des Berliner Senats. „Wir müssen Wege finden, Berlin nicht nur als wirtschaftliches, soziales und kulturelles Zentrum weiter auszubauen, sondern auch klimaneutral und klimaangepasst zu entwickeln“, sagt Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) zur vom PIK erarbeiteten Strategie.

Berlin 5 Grad wärmer als das Umland

Der Hitzesommer 2003, der mit Temperaturen von zum Teil über 47 Grad in Europa bis zu 70 000 Opfer forderte und volkswirtschaftliche Schäden von rund zwölf Milliarden Euro anrichtete, war nach bisherigen Maßstäben einzigartig. „Um 2050 herum wird so etwas wahrscheinlich ein normaler Sommer sein, und noch später würden wir einen Sommer wie den von 2003 als besonders kühlen Sommer empfinden“, sagt PIK-Projektleiter Fritz Reusswig zu den Problemen der Erderwärmung, vor denen nicht nur Berlin steht. Schon in der jüngeren Vergangenheit starben in der Bundeshauptstadt 1400 Menschen jährlich in Folge von Hitzegraden, die es früher nicht gegeben hat. Im Berliner Kerngebiet liegen die Temperaturen ohnehin im Schnitt um rund fünf Grad über dem Umland. Nicht nur das: Bedingt durch den Klimawandel könnten sich Starkregenfälle in den kommenden Jahrzehnten nahezu verdoppeln.

Fachleute des PIK und anderer Einrichtungen haben in den vergangenen drei Jahren eine Strategie der Anpassung an zu erwartende häufige Hitzesommer entwickelt. Grundlage war mit ein Konzept, das bereits zuvor schon einmal für Potsdam erarbeitet worden war.

86 Maßnahmen für besseres Klima

Insgesamt 86 Maßnahmen listet die Vorgabe auf, aus denen der Senat nach Sichtung konkrete Umsetzungsschritte zur Vorlage im Abgeordnetenhaus erarbeiten will. Neben Brunnen, Grünanlagen und Frühwarnsystemen werden auch klimaangepasste Krankenhäuser gefordert, um Patienten besser vor Hitze zu schützen. Studien etwa zu Lungenerkrankungen zeigen, dass Hitzestress zu einem um mehr als 40 Prozent erhöhten Sterberisiko führen kann.

Mehr Grünanlagen

Ohnehin betreffen viele der aufgeführten Anpassungsschritte die Infrastruktur sowohl vor dem Hintergrund zunehmender Temperaturen als auch drohender Überflutungen. Im Mittelpunkt steht hier die Berliner Mischwasserkanalisation, bei der bei Starkregen Abwässer ungeklärt in Oberflächengewässer wie Flüsse und Seen drängen. Neben baulicher Veränderungen hier werden überflutungstaugliche Oberflächen wie Grünanlagen gefordert, die schwammartig Hochwasser aufsaugen können. Weil Pflanzenareale auch kühlen, sollten sie ausgeweitet und optimiert sowie Dach- und Fassadenbegrünungen vermehrt werden.

Stromnetz bei Hitze anfällig

Als anfällig gegenüber Hitze gilt zudem das Stromnetz. „Sommerfrost“ – Bodenbewegung infolge Trockenheit droht zur Kappung wichtiger unterirdischer Leitungen zu führen. Weil zudem bei mehr als 35 Grad Hitze manche Trafostation den Geist aufgeben könnte, rät Afok zu einem „Klima-Check“ der Energieversorgung.

Rettungsdienste, Krankenhäuser und Altenheime benötigen in Folge steigender Temperaturen nicht nur allgemein mehr Personal. Dienstpläne für deren Einsatz müssen durch seriöse meteorologische Frühwarnsysteme rechtzeitig auf drohende Hitzewellen und andere Klimaereignisse angepasst und andere Vorbereitungen getroffen werden.

Hitzeresistenter Straßenbelag

Anpassung ist laut PIK auch hinsichtlich des Straßenverkehrs angesagt. Hitzeresistente Beläge sind vielerorts in der Hauptstadt gefragt, wo heute schon gelegentlich aufgeweichter Asphalt regiert. Hinsichtlich starker Regengüsse sind Umgestaltungen nötig, um Wasser gut ablaufen zu lassen. Im öffentlichen Verkehr müssen zentrale Haltestellen und Wartezonen vor allem durch Schatten spendende Maßnahmen klimatisch verbessert werden.

„Doch es gibt auch Positives“, will Reusswig nicht ausschließlich bei Kassandrarufen bleiben. Wenn auch in Sachen Wirtschaftsfaktor Städtereisen Anpassungen an Risiken gefragt sind, „die touristische Saison wird sich ausweiten“.

Von Gerald Dietz

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