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Brandenburg Potsdamer wollten Flugzeug pfänden
Brandenburg Potsdamer wollten Flugzeug pfänden
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19:43 04.04.2016
Ein Pfandsiegel, auch „Kuckuck“ genannt: Diesmal kam es nicht zur Pfändung. Quelle: dpa
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Potsdam/Salzburg

Die Meldung klingt wie ein verspäteter Aprilscherz, das Ereignis hat sich aber tatsächlich zugetragen. Weil die Fluglinie Thomas-Cook-Airlines – ein Schwesterunternehmen der Condor – eine Passagierentschädigung in Höhe von 600 Euro nicht zahlte, wäre am vergangenen Sonnabend beinahe eines ihrer Flugzeuge gepfändet worden – im Auftrag des Potsdamer Unternehmens Flightright.

Die Agentur hat sich darauf spezialisiert, gegen Erfolgsprovisionen die Entschädigungsansprüche von Flugpassagieren durchzusetzen. In der EU steht den Opfern von Verspätungen oder Flugausfällen eine Entschädigung in Höhe von bis zu 600 Euro zu. So war es auch in diesem Fall, dessen Wurzeln viereinhalb Jahre zurückliegen. Im November 2011 musste eine Maschine in Wien wegen technischer Probleme auf dem Boden bleiben.

Erst 22 Stunden später konnte die Boeing ins kubanische Varadero aufbrechen. „Eine Passagierin hatte sich an uns gewandt und ihren Fall auf unserer Webseite eingegeben“, erklärt Jonas Swarzenski, Leiter der Rechtsabteilung von Flightright. Eine erste Analyse des Unternehmens, das die neuen Fälle mit einer umfangreichen Datenbank abgleicht, ergab: Der Entschädigungsanspruch von 600 Euro war eindeutig berechtigt.

Cook zahlt sonst in der Regel

„Wir hatten einen europäischen Zahlungsbefehl gegen Thomas-Cook-Airlines erwirkt und in Großbritannien zugestellt“, erklärt Swarzenski. „Aber offenbar haben die das verpennt.“ Cook zahlte nicht, was laut Swarzenski ungewöhnlich ist. „Wir haben sonst mit ihnen weniger Probleme.“ Säumig seien sonst eher außereuropäische Airlines. Als die Zahlung ausblieb, erwirkte ein österreichischer Vertragsanwalt, dass ein Gerichtsvollzieher eingeschaltet wurde. Der erschien am vergangenen Donnerstag auf dem Salzburger Flughafen, weil Thomas Cook den Airport im Winterflugplan regulär ansteuert. Notfalls, so der Auftrag des Gerichtsvollziehers, sollte eine Maschine der Fluggesellschaft am Sonnabend gepfändet werden.

Hat man in London den Zahlungsbefehl nicht verstanden?

Erst als der Gerichtsvollzieher am Flughafen erschien, erfuhr die Airline nach eigenen Angaben von dem Mahnbescheid. „Wir haben die fragliche Summe dann umgehend beglichen“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. „Es bestand deswegen keine Gefahr, dass die Maschine gepfändet werden würde.“ Warum erst ein Gerichtsvollzieher erscheinen musste, um die Passagierentschädigung einzutreiben, konnte das Unternehmen nicht sagen. Möglicherweise konnten die Thomas-Cook-Mitarbeiter in London mit dem auf Deutsch ausgefüllten Zahlungsbefehl nichts anfangen.

Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass Rechtsstreitigkeiten einen Start verhindert hätten. 2011 traf es die Maschine des thailändischen Kronprinzen Maha Vajiralongkorn. Seine Boeing 737 wurde auf dem Flughafen in München von einem Gerichtsvollzieher mit dem Kuckuck versehen, weil die thailändische Regierung einem Baukonzern aus Deutschland Geld schuldete. Die Maschine blieb versiegelt auf dem Flughafen stehen. Erst als Thailand nach einmonatigem Hin und Her eine Bankbürgschaft von 38 Millionen Euro hinterlegte, bekam der Kronprinz sein Flugzeug wieder.

60 Millionen Euro Entschädigungen hat Flightright nach eigenen Angaben für seine Kunden in den vergangenen Jahren erfolgreich geltend gemacht. Das Portal arbeitet auf Basis einer Erfolgsprovision. Die Erfolgsquote im Streit mit Airlines liegt laut Unternehmen bei 98 Prozent.

Von Torsten Gellner

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