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Prämie lockt Ärzte aufs Land

Medizinermangel Prämie lockt Ärzte aufs Land

Der Medizinermangel auf dem Land ist akut. Mit einer Lockprämie von bis zu 50.000 Euro haben die Kassenärztliche Vereinigung und Vertreter der Krankenkassen in Brandenburg ein wirksames Gegenmittel entwickelt. Die Starthilfe für den Nachwuchs nimmt an Fahrt auf.

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Landärzte werden in Brandenburg dringend gesucht.

Quelle: dpa

Potsdam. Bis zu 50 000 Euro extra für den Landarzt: Um die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen zu sichern, können junge Mediziner diese Summe erhalten, wenn sie in ausgewiesenen Regionen eine bestehende Praxis von einem Kollegen übernehmen oder eine neue gründen wollen. Lief die von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) seit dem Jahr 2006 ausgelobte „Lockprämie“ für Jungärzte zunächst schleppend an, nimmt sie nun an Fahrt auf: Nach Informationen der KVBB wurden in Brandenburg zwischen den Jahren 2011 und 2016 insgesamt 25 Praxen gefördert. Allein in diesem Jahr hätten bereits vier Praxen von einer Förderung profitiert. 14 weitere Anträge auf die Praxisprämie sind gestellt worden.

Mit zusätzlichen Anreizen für eine Niederlassung wollen die Interessenvertreter der Brandenburger Ärzte dem Problem entgegenwirken, dass der Ärztemangel auf dem Land immer drängender wird. Noch ist das Gegenmittel aber kein Allheilmittel. „Es ist gut, wenn wir einen Anreiz geben konnten, aber wir wissen auch, dass das Geld nicht allein ausschlaggebend ist, dass sich Ärzte in Brandenburg niederlassen“, sagt KVBB-Sprecher Christian Wehry.

Vor allem Hausärzte, Dermatologen und Augenärzte fehlen in der Mark

Laut KVBB gab es Ende vergangenen Jahres 3765 Vertragsärzte in Brandenburg – 70 mehr als zwölf Monate zuvor. Zwar ist die Zahl der Ärzte leicht angestiegen – dennoch fehlen vielerorts Mediziner. In Brandenburg werden vor allem Hausärzte, Dermatologen und Augenärzte gebraucht. „Wir rutschen in ein Demografieproblem, nicht nur bei den Patienten, sondern auch bei den Ärzten“, so Peter Noack, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung.

Das Durchschnittsalter aller brandenburgischen Vertragsärzte beträgt 53,9 Jahre. Es wird erwartet, dass in den kommenden Jahren besonders viele Haus- und Fachärzte in den Ruhestand gehen. 28,3 Prozent der Brandenburger Hausärzte waren im vergangenen Jahr 60 Jahre alt und älter. Bei den Fachärzten waren es 22 Prozent. Die Diagnose kommt nicht überraschend. „Das Thema macht uns seit ein paar Jahren Sorgen“, sagt Noack.

Zwar gibt es bislang bei Hausärzten noch keine drohende Unterversorgung, aber nach wie vor in vielen Regionen Probleme, einen Nachfolger zu finden – vorwiegend an den Rändern des Landes. Am dringendsten wird zurzeit ein Nachfolger für Hausarztpraxen in Golzow (Märkisch-Oderland) und Herzberg (Elbe-Elster) gesucht.

In den nördlichen Kreisen ist der Hausarzt-Mangel besonders hoch

In vielen Regionen fehlen zudem Fachärzte. „Es mangelt vor allem an Dermatologen und Augenärzten“, sagt Noack. Templin (Uckermark) ist mit Dermatologen unterversorgt. Auch in den Regionen Pritzwalk (Prignitz), Wittstock (Ostprignitz-Ruppin), Zehdenick und Gransee (beides Oberhavel) sowie in Frankfurt (Oder) fehlen Hautärzte.

Bei den Augenärzten habe sich die Situation leicht verbessert. Doch in Regionen wie Eisenhüttenstadt, Guben (Spree-Neiße), Kyritz (Ostprignitz-Ruppin), Lübben (Spreewald), Prenzlau (Uckermark), Rathenow (Havelland), Zehdenick und Gransee werden weiterhin Augenärzte gesucht. In Lauchhammer-Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) gibt es sogar eine bestehende Unterversorgung.

Auch bei den Kinderärzten fehlen Nachfolger, am nötigsten in Rathenow (Havelland) und Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz): 170 Kinderärzte gibt es zurzeit im Land Brandenburg, das sind zwar zwei mehr als im Vorjahr. Doch die Zahl der Patienten wächst ebenfalls, unter anderem weil auch mehr Kinder von geflüchteten Menschen im Wartezimmer sitzen. Dass sich die Suche nach Ärzten, die in Brandenburg eine Praxis eröffnen wollen, so schwierig gestalte, habe laut KVBB-Chef unterschiedliche Gründe. „Der finanzielle Aspekt spielt bei jungen Ärzten eine große Rolle“, erklärt Noack. So könne man in der Selbstständigkeit zwar vieles selber gestalten und auch gut verdienen, doch man müsse Eigenkapital investieren. Auch persönliche Gründe würden eine Rolle spielen, etwa wenn Ärzte nach der Ausbildung eine Karriere als Krankenhausarzt anstrebten.

Von Diana Bade

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