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Brandenburg Prenzlau blüht auf
Brandenburg Prenzlau blüht auf
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13:51 17.06.2013
Auf dem Laga-Gelände sieht es mit der Blütenpracht derzeit noch ziemlich mau aus. Umso farbenprächtiger flanierten die „Riesen-Blumen“ und „Riesen-Insekten“ – fantasievoll kostümierte Stelzenläufer – im Seepark umher. Quelle: dpa
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Prenzlau

Dass Sommer die Amphitheater-Bühne im grasgrünen Hemd und einer Krawatte mit quietschbunten Blumen betrat, wirkte wie ein optischer Hilferuf nach oben. Die Gäste trotzten dem Bibberfrühling und Platzregen so tapfer wie möglich („Klatscht, damit euch warm wird“, feuerte eine Sängerin das Publikum an). Wenn mal die Sonne über den Beeten herauskam, die am Samstag noch wie mit Frostschutzmittel gedüngt wirkten, sah man immerhin die Laga-Fontäne fröhlich aus dem Uckersee sprudeln.

Wie hoch die fünfte Brandenburger Laga beim Frohsinn-Ranking abschneiden wird, lässt sich nach Tag eins logischerweise nicht absehen. Klar ist hingegen schon: Das wird die Laga der Liebe! Fine hat nämlich ihr Herz an Nemo verloren. Sie kommen aus komplett unterschiedlichen Welten: Fine aus dem Stadtpark; Nemo aus dem See. Zack, päng – der Romantikblitz schlug ein. Die beiden Kobolde haben aber anscheinend noch nicht die K-Frage gelöst (Knutschen?!?), sondern liefen am Sonnabend nur keusch händchenhaltend übers Gelände. Während Fine und Nemo mit einer Kindertraube im Schlepptau dahintrotteten, schmetterte Nicole (genau: die Lena der 80er Jahre!) auf der Bühne ihr „Ein bisschen Frieden“. Aber viele Laga-Mitarbeiter aus der Grün-Sparte dachten in diesem Moment wohl nur: „Ein bisschen Schlaf, bitte!“. Manuela Kenzler, verantwortlich für die Blumen-Hallenschauen, hatte mit ihren Mitarbeitern die ganze Nacht durchgerackert. Bettzeit insgesamt: „Eine Stunde!“

Auch die Gärtner, die dank einer Turboleistung das wintergebeutelte Gelände Laga-fit gemacht hatten, hingen am Eröffnungstag in den Seilen. Fast alle erlebten die Laga-Premiere daheim; wahrscheinlich süß träumend von blühenden Landschaften. Aber es gab auch ganz Unermüdliche wie Corinna Woldek. Sie hatte sich schick gemacht, um Ministerpräsident Matthias Platzeck (erklärtermaßen Riesenfan der hügeligen „Busen-und-Po“-Landschaft Uckermark) die Eröffnungsworte im Gärtner-Sprech rufen zu hören: „Gut zupf!“

Corinna Woldek sieht aber schwarz – und das ist auch gut so. Wenn sie in den letzten Monaten abends ihre Hände betrachtete, waren die meist tiefschwarz von der uckermärkischen Erde: „Bei sieben Grad minus haben wir vor Ostern die Frühjahrsblüher gesetzt.“ Folie kam als Wärmedecke drüber, um den gefrorenen Boden aufzutauen. Corinna ist Projektleiterin des Laga-Arbeitsförderprojekts „Blütenfeld Uckermark“ mit Ein-Euro-Jobbern. Mittlerweile hat Corinna echte Gärtnerinnenhände. Früher waren es mal Tischlerinnenhände. Aber als Tischler lässt sich in dieser Stadt mit 17 Prozent Arbeitslosigkeit, wo sich ABM und Hartz IV „Gute Nacht“ sagen, kein Blumentopf gewinnen. Kein Wunder, dass die Laga für viele das große Los ist. René Greese (31), Typ Sunnyboy und superstolz auf seine grasgrüne Uniform, gilt bei seinen Kumpels als Glückspilz: „Klar, die beneiden mich schon.“ Darum, dass er nicht mehr nur zu Hause oder in der Disco an der A 20 abhängen muss. Dabei hat René, der gelernte Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, schon einiges erlebt: Bundeswehr, Zeitarbeitsjobs unter anderem in Wien. Aber in Prenzlau war ewig tote Hose, bis die Laga einen Silberstreif an den Horizont zauberte und Fördermittel flossen für ein Facelifting der im Krieg arg gebeutelten Stadt. Zentrum, Bahnhof – alle bekamen was ab vom Geldsegen.

Am Bahnhof wird man jetzt wohl häufiger „Dzien dobry!“ (Guten Tag!) hören. Auch auf der Laga-Internetseite kann man sprachlich zwischen „niemiecki“ und „polski“ wählen. Polen ist das Hoffnungsland für die Gartenschau-Macher wie Laga-Geschäftsführer Christian Hernjokel: „Stettin mit seinen 600 000 Einwohnern liegt nur 50 Kilometer entfernt.“ Kommunikationsbarrieren gibt es aber noch, so Hernjokel: „Den Begriff ,Laga’ kennt man in Polen nicht. Wenn man das übersetzt, halten die Leute das für eine Messe, wo man Spaten kaufen kann.“ Deshalb will man den gartenaffinen Nachbarn den Erlebnischarakter von „Zielona Radosc“ – das Laga-Motto „Grüne Wonne“ auf Polnisch – nahebringen.

Auf die deutsch-polnische Blütenliebe kann man mit Laga-Wein anstoßen. 70 Liter wurden im letzten Jahr vom neuen Weinberg gekeltert, der sich an die Stadtmauer schmiegt. Von dort oben hat man einen super Ausblick. Die Prenzlauer Schau mag etwas bescheidener in Größe und kreativer Konzeption sein als einige ihrer Vorgänger, aber sie hat doch manches Pfund zum Wuchern: den Uckersee, wo Boote auf die Gäste warten, und die prallvolle Stadthistorie, wunderbar erzählt von Laga-Gästeführern wie Heinz Oyczysk. Ein Vierteljahr hat der gelernte Immobilienfachwirt und Historienspiel-Laiendarsteller mit seinen Kollegen im Vorbereitungskurs Prenzlaus Geschichte gepaukt. Jetzt erzählt er lebhaft vom kühnen Stadknecht Rodinger, der die Stadt vor den Pommern und für die Brandenburger rettete. Den verräterischen Stadtvätern wurden die Schwurhände abgehackt. Heute sind die mumifizierten Hände im Dominikanerkloster zu bestaunen. Spannend ist auch die Historie der Laga-Blumenhalle: Einst beherbergte sie die „Landarmen- und Korrigendenanstalt“. Dort, wo Bettler und gefallene Mädchen an Webstühlen und beim Korbflechten schufteten, betören heute auf zwei Etagen bunte Beete. Wenigstens hier sieht man es: Prenzlau blüht auf. (Von Ildiko Röd)

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