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Pro Asyl nennt Pläne des Innenministers „fatal und dumm“

MAZ-Interview Pro Asyl nennt Pläne des Innenministers „fatal und dumm“

Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl stellt sich im internen Streit der Brandenburger Koalition auf die Seite der Linken. Die Pläne der SPD, Asylbewerber ohne geklärten Aufenthaltsstatus länger in der Erstaufnahmeeinrichtung zu lassen, bezeichnet sie als „integrationspolitisch fatal und dumm“.

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Karl Kopp, Referent bei Pro Asyl.

Quelle: Pro Asyl

Potsdam. Im MAZ-Interview spricht Karl Kopp, Referent bei Pro Asyl, über die Pläne, Flüchtlinge länger in den Erstaufnahmeeinrichtungen zu halten.

Flüchtlinge sollen länger in der Erstaufnahme bleiben, bis ihr Status klar ist. Wie beurteilen Sie diese Forderung?

Karl Kopp: Das wäre nicht nur unmenschlich, sondern integrationspolitisch fatal und dumm. Ich würde sogar von Desintegrationspolitik sprechen. Wer die Menschen in große Lager sperrt, wiederholt die Fehler der 90er-Jahre. Damals war es fast eine Überraschung, wenn ein Kind mit einer langen Lager- und Duldungsgeschichte doch noch die Schule geschafft hat. Man nimmt vor allem Kindern und Jugendlichen die Chance, in der Gesellschaft anzukommen.

Aber ist es nicht unsinnig, viel Geld in Integration zu stecken, wenn die Menschen nach Sprachkursen und Praktika doch abgeschoben werden?

Kopp: Die ehrliche Variante wäre zu sagen: Wir wollen keine Flüchtlinge. Der Innenminister will offenbar vor der Bundestagswahl noch einmal Härte zeigen. Aber er wird feststellen, dass ein Großteil der Flüchtlinge nach zwei Jahren immer noch da sein wird, weil man in Länder wie Afghanistan nicht abschieben kann, weil es humanitäre Gründe gibt. Jedoch: Nach zwei Jahren, die die Menschen in Großlagern verbracht haben, wird die Integration ungleich schwerer. Und das fällt uns auf die Füße.

Was ist so schlimm an der Unterbringung in großen Flüchtlingsheimen?

Kopp: Die großen Unterkünfte dienen der Abschreckung. Und es zeigt sich weltweit, dass solche Heime Orte der Anfeindungen sind. Große Lager haben die Tendenz, Orte der Recht- und Schutzlosigkeit zu sein. Darunter leiden vor allem Frauen und Kinder.

Von Torsten Gellner

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