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Brandenburg Der Chef: Eine bessere Welt als Businessplan
Brandenburg Der Chef: Eine bessere Welt als Businessplan
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00:29 31.10.2015
Gute Geschäfte mit einer guten Sache: Teut-Windprojekte-Geschäftsführer Andreas Ehrenhofer. Quelle: Bastian Pauly
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Berlin

Die Firmenphilosophie passt auf einen Bierdeckel. „Atomkraft – nein, danke“, steht darauf, mitten auf dem Konferenztisch. Ein Zufall? Wohl kaum, wenn man Andreas Ehrenhofer glauben darf. „Auch auf unserer Seite sind Emotionen im Spiel“, sagt der Geschäftsführer der Teut Windprojekte GmbH angesichts der unermüdlichen Proteste der Bürger, die ihm ans Geschäftsmodell wollen.

Das zum Firmensitz umgewidmete alte Umspannwerk im Berliner Norden versprüht Start-up-Atmosphäre. Hinter dem alten Klinkergemäuer sitzen junge Menschen mit neuen Ideen. Chef Ehrenhofer nennt sich und seine Mitarbeiter „überzeugte Anhänger der erneuerbaren Energien“. Er schwärmt von der Energiewende und beschwört die Nachhaltigkeit. „Natürlich wollen wir Geld verdienen“, sagt Ehrenhofer. Um nach kurzer Pause anzufügen: „Mit einer guten Sache.“

Wer ihn eine Weile reden hört, spürt schnell, dass das mehr ist als bloßes Selbstmarketing. Bei Teut sind sie beseelt von dem Gedanken, die Welt ein bisschen besser zu machen. Ohne Atomkraft, irgendwann auch ohne Braunkohle. Ehrenhofer ist überzeugt: „In wenigen Jahren wird es möglich sein, Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu erzeugen.“ Und bei Teut wollen sie ihren Teil dazu beitragen.

Was Co-Geschäftsführer Jan Teut 1996 als Ingenieurbüro gründete, ist inzwischen eine 20 Beschäftigte zählende Gruppe dreier Unternehmen, eine Niederlassung gibt es auch in Lindow/Mark (Ostprignitz-Ruppin). Teut Windprojekte – das Firmenlogo ziert eine alte Bockwindmühle – plant und baut die Anlagen, vom Genehmigungsverfahren über die Bauabnahme bis zu umweltgerechten Ausgleichsmaßnahmen. Mittlerweile hat die Firma gut 100 Windkraftanlagen projektiert, überwiegend in Brandenburg. Eine überschaubare Bilanz angesichts der mittlerweile mehr als 3300 Windrädern landesweit. Ehrenhofer definiert das teutsche Selbstbild so: „Lieber klein und fein statt groß und unübersichtlich.“

Längst lässt sich in der Branche eine Menge Geld verdienen. Das hat auch potente Investoren auf den Plan gerufen, die ihr Geld früher noch mit Atom- und Kohlestrom verdienten. Ehrenhofer weiß um die Wachstumsschmerzen, die Branche wie Bürger umtreiben. Er wünscht sich eine „Versachlichung der Debatte“.

Beispiel Lärm: An jeder Hauptverkehrsstraße sei es mit gut 85 Dezibel deutlich lauter als in Nachbarschaft eines Windparks. Beispiel Vogelschlag: An dem Phänomen gebe es keinen Zweifel. „Aber die Frage nach der Verhältnismäßigkeit bleibt.“ Schließlich sei menschliches Handeln undenkbar, ohne dass es sich nicht auch auf die Umwelt auswirke. „Wir versuchen, die Eingriffe zu minimieren.“

50 000 bis 70 000 Euro investiert Teut Windprojekte pro Anlage in Ausgleichsmaßnahmen wie Aufforstung, Brutplätze und Flussrenaturierung. Ehrenhofer sieht in der Energiewende auch eine gerechtere Verteilung der sozialen Kosten für die Stromerzeugung: Wer wolle schon ein Atomkraftwerk in Sichtweite haben oder für die Braunkohle abgebaggert werden? „Jetzt entwickelt sich die Energieerzeugung in die Fläche.“ Ehrenhofer weiß, dass dieser Umwälzungsprozess in Zukunft noch viel Gesprächsbedarf bergen wird.

Von Bastian Pauly

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