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Brandenburg Professionelle Diebe lassen Viehzüchter zittern
Brandenburg Professionelle Diebe lassen Viehzüchter zittern
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15:45 09.04.2018
Jedes Rind ist mit der Nummer auf der doppelten Ohrmarke in den Datenbanken registriert. Quelle: dpa
Potsdam

Georg Gratzias hat kaum noch die Hoffnung, die acht Kälber wiederzusehen, die Ende September professionellen Viehdieben in die Hände fielen. „Zum emotionalen Verlust entstand ein Sachschaden von rund 7500 Euro“, erklärt der Geschäftsführer der Agrargemeinschaft Freiwalde (Dahme-Spreewald). So viel lässt sich sagen: Die Diebe waren im Dunkeln vom nahen Wald her mit einem Lastwagen an die Koppel herangefahren und hatten – bislang einmalig in Brandenburg – die sechs Monate alten Rinder mit Narkosepfeilen betäubt, um sie problemlos auf den Lkw führen zu können. Am Tatort blieben fünf Betäubungspfeile, zwei Führungsstricke und ein totes Kalb zurück, das offenbar an einer Überdosis Betäubungsmittel verendete. Im Wald fand die Polizei Ohrmarken der verschwundenen Tiere.

Die Ermittler der Sonderkommission „Koppel“ vom Landeskriminalamt hoffen, mit den veröffentlichten Fotos von Pfeil und Strick auf eine heiße Spur zu stoßen – bislang vergeblich. Der Fall reiht sich ein in die anhaltende Serie von Viehdiebstählen in Brandenburg. Auch hier verfügten die Täter über Ortskenntnisse, landwirtschaftlichen Sachverstand und hohe kriminelle Energie. Einige Höfe sind sogar schon mehrfach von Dieben heimgesucht worden. Wie die DAREZ Agrar GmbH Dornswalde (Teltow-Fläming). In der Nacht zum 7. Oktober waren 56  Kälber, eine Minimelkanlage und 250 Kilo Milchpulver gestohlen worden.

Geschäftsführer Daniel Schacht vermutet, dass es dieselben Täter waren, die im Juni des Vorjahres 19 Kälber abtransportierten. Dazu kamen in den vergangenen Jahren vier Einbrüche, bei denen wertvolle Technik verschwand. Jedes Mal lag der Schaden im fünfstelligen Bereich. Der 32-jährige Betriebsleiter sammelt jetzt im Internet Geld für eine teure Alarmanlage, um 315  Milchkühe und die Stalltechnik seines arg gebeutelten Unternehmens besser schützen zu können. Spender bekommen eine Gratisführung über den Hof und erhalten Einblick in die märkische Milchwirtschaft.

Hauptsächlich Rinder im Visier der Diebe

Zur Bekämpfung des bandenmäßig organisierten und grenzüberschreitenden Viehdiebstahls wurde im März beim Landeskriminalamt eine Sonderkommission eingerichtet (Soko „Koppel“). Im Fokus der Ermittler: der Rinderdiebstahl. Anders als in den Vorjahren spielt der Diebstahl von Schweinen oder Schafen keine Rolle.

Ordnungskräfte, Bürger, Bauern und Jäger vor allem in den Regionen in Grenznähe sind zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Bei schneller Entdeckung der Diebstähle bestehen gute Möglichkeiten, die Täter zu fassen. So gelang es im Mai 2016, eine Sattelzugmaschine mit gestohlenen Rindern auf dem Autobahnrastplatz Michendorf (Potsdam-Mittelmark) sicherzustellen.

212 Rinder wurden in Brandenburg seit Jahresbeginn gestohlen (Gesamtjahr 2016: 180, 2015: 31). Ein Klau im großen Stil (200 Rinder) gleich Anfang 2017 geht laut Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) jedoch nicht auf das Konto organisierter Banden. Ein namentlich bekannter Beschuldigter habe die Tiere unterschlagen, so Schröter. Der Präsident des Landesbauernverbandes, Henrik Wendorff, sieht aber keinen Grund für Entwarnung. Er fordert von der Polizei verstärkten Ermittlungsdruck. Der Schaden für betroffene Landwirte sei enorm. „Neben dem wirtschaftlichen Wert der Tiere geht es auch um Produktions- und Zuchtausfälle, Vertragsstrafen und steigende Versicherungsprämien.“ Der Schaden durch gestohlene Kälber, Zuchtbullen und tragende Kühe in Brandenburg liegt im sechsstelligen Bereich.

Wendorff fordert, dass die Polizei Zugriff auf das Herkunftsinformationssystem Tierhaltung (HIT) erhält. „Die Täter dürfen sich nicht sicher sein.“ In der vom bayerischen Landwirtschaftsministerium aus Seuchengründen geführten bundesweiten Datenbank ist praktisch jedes Rind mit der Nummer seiner Ohrmarken gespeichert. „Das ist wie ein Personalausweis“, erläutert Wendorff. Innerhalb von sieben Tagen müssen neugeborene oder angekaufte Tiere gemeldet werden. „Könnten die Ermittler die Datenbank nutzen, ließe sich etwa bei einer Kontrolle auf der Autobahn die Herkunft der Tiere auf dem Lastwagen anhand der Ohrmarken besser nachweisen.“ Tiere ohne Marken dürften ohnehin nicht transportiert werden. Begrenzte Auskünfte aus der HIT-Datenbank können Fahnder bereits jetzt erhalten. Allerdings muss dafür ein konkreter Verdacht vorliegen. Die Entscheidung über eine weitere Öffnung des Systems, das strengem Datenschutz unterworfen ist, liegt beim Verbraucherschutzministerium.

Der Innenexperte der CDU, Björn Lakenmacher, fordert mehr verdachtsunabhängige Kontrollen auf Straßen und Autobahnen. Die sogenannte Schleierfahndung dürfe nicht nur einen 30-Kilometer-Streifen entlang der Grenze erfassen, sondern müsse aufs ganze Land ausgeweitet werden. Bauernverband und Polizei gehen davon aus, dass die Masse der entwendeten Tiere auf dem Schwarzmarkt in Osteuropa landet. Torsten Herbst, Sprecher des Polizeipräsidiums, kennt die wirtschaftlichen Nöte bestohlener Landwirte. „Aber Ermittlungen zu grenzüberschreitender Kriminalität sind aufwendig.“ Oft müssten polnische oder ukrainische Behörden einbezogen werden.

Von Volkmar Krause

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