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Geständnisse belasten Maik Schneider

Neonazi-Prozess in Potsdam Geständnisse belasten Maik Schneider

Im Prozess um den Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen (Havelland) hat einer der sechs Angeklagten zum Auftakt ein umfassendes Geständnis abgelegt. Alle Anweisungen zu dem Brandanschlag habe der NPD-Politiker Maik Schneider gegeben, sagte der 33-Jährige. Auch ein weiterer Mitangeklagter hat Schneider schwer belastet.

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Der Hauptangeklagte Maik Schneider am Donnerstag vor Gericht.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Vor dem Landgericht Potsdam muss sich ab Donnerstag eine Gruppe von Neonazis verantworten. Der NPD-Politiker Maik Schneider und die anderen fünf Mitangeklagten sollen im August 2015 einen Brandanschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Nauen (Havelland) verübt haben.

Gegen 10 Uhr wurde Schneider in Handschellen in den Saal geführt. Er wirkte nervös, lächelte jedoch in die Runde. Wenig später wurde er durch einen der Mitangeklagten schwer belastet. Der Angeklagte Sebastian F. ließ durch seinen Anwalt ein umfassendes Geständnis verlesen. Er selbst schaute dabei auf den Boden und vermied jeglichen Blickkontakt. Laut schriftlicher Erklärung soll Schneider den Brandanschlag auf eine Turnhalle in Nauen, in der Flüchtlinge untergebracht werden sollten, geplant und durchgeführt haben.

Schneider feiert „gelungene Aktion“

Demnach habe Schneider ihn kurz vor dem Anschlag angesprochen und um Hilfe gebeten. Die beiden kannten sich lose. Obwohl er zunächst an einen Scherz glaubte, half F. Schneider und dem Mitangeklagten Dennis W. dabei, Fässer mit Öl und Benzin sowie eine Propangasflasche zur Halle zu schaffen. Dafür wurde der Wagen von Schneider genutzt. Zudem seien Autoreifen und Paletten vor dem Eingang gestapelt worden, um den Brand zu entfachen. Schneider habe Anweisungen gegeben, wo und wie das Material aufgeschichtet werden soll.

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Sebastian F. (33): Er soll laut Anklage nicht Mitglied der kriminellen Vereinigung sein, aber am Brandanschlag auf die Turnhalle beteiligt gewesen sein. In seiner Aussage hat er die Vorwürfe eingeräumt und Maik Schneider schwer belastet. F. ist auf freiem Fuß.

Quelle: Julian Stähle

Sebastian F. schilderte außerdem, wie Schneider den Anschlag wenige Tage später in einer Kneipe als gelungene Aktion feierte. Außerdem habe Schneider F. für sein Engagement gelobt. Der 33-jährige F. bereut seine Tat, „es war dumm von mir“, ließ er durch seinen Anwalt verlesen. Er wisse, dass er einen Fehler gemacht habe.

“Ich dachte: Krass, wie das brennt“

Ein weiterer Angeklagter erklärte, Schneider habe die Idee zu dem Anschlag gehabt und die Vorbereitungen gesteuert. Christian B. schilderte, wie sich der NPD-Politiker auf konspirativen Treffen auf einer Brücke außerhalb von Nauen nach dem Fortgang der Vorbereitung erkundigt habe. Schneider hätte zuvor im Bezug auf die Flüchtlingsunterkunft gesagt: „Da muss etwas passieren“. Er habe davon gesprochen, man könnte die Halle ja anzünden oder in die Luft sprengen. Christian B. habe das zunächst für einen Scherz gehalten und gesagt: „So einen Scheiß könnt ihr nicht abziehen“.

Am Abend vor dem Brandanschlag haber er beobachtet, wie Schneider und weitere Angeklagte Reifen in einen Transporter geladen hätten. “Bei den Reifen war mir definitiv klar, dass sie zum Anzünden der Halle genutzt werden sollen“, sagte der 32-Jährige. Schneider habe ihn dann angewiesen, bei Autofahrten durch die Stadt die Augen offen zu halten, ob Polizei unterwegs sei. Daher habe er in der Nacht mehrere Fahrten durch die Stadt unternommen, sagte der Angeklagte. Schließlich habe er aus der Ferne die Flammen aus der Sporthalle lodern sehen. “Ich dachte: Krass, wie das brennt.“

Prozess ist für Nauen „eine Befreiung“

Markus Klein vom Mobilen Beratungsteam Brandenburg sieht sich nach den ersten Zeugenaussagen in seiner Vermutung bestätigt, dass die Mitangeklagten nicht zum harten Kern der rechtsextremen Szene gehören. Vielmehr habe Schneider bewusst in einem bestimmten, drogendominierten Milieu Leute für sein Vorhaben rekrutiert. Für die Stadt Nauen sei der Prozess „eine Befreiung“.

Auch Nauener Bürgermeister sagt aus

Aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen und des großen Andrangs kam es wegen der Personenkontrollen bei dem Prozess mehrfach zu Verzögerungen. Das Gericht will am Nachmittag weitere Angeklagte und möglicherweise auch Zeugen hören. Auch Schneider hat eine Erklärung angekündigt. Als Zeuge geladen ist unter anderem auch der Nauener Bürgermeister, Detlef Fleischmann (SPD). Er war bei einer Stadtverordnetenversammlung dabei, die von dem Hauptangeklagten und dessen Unterstützern durch Rufen ausländerfeindlicher Parolen und Drohgebärden gesprengt wurde.

Drei Angeklagte - Maik Schneider, Dennis W. und Christopher L. - sitzen in U-Haft. Die anderen (Christian B., Sebastian F. und Frank E.) sind auf freiem Fuß. Den insgesamt sechs Angeklagten wird vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung gegründet und mehrere Straftaten begangen zu haben.

> Die lange Liste des rechten Terrors in Nauen

Der Prozess findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt

Der Prozess findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt: Alle Verfahrensbeteiligten und -besucher werden an einem Extra-Zugang auf Waffen, Werkzeuge und Wurfgeschosse untersucht – zuletzt war dies im Juni 2016 im Verfahren gegen den zweifachen Kindermörder Silvio S. der Fall.

Quelle: Christian Meyer

Serie von Anschlägen erschüttert Nauen

Nauen gilt bereits seit Längerem als ein Zentrum der rechten Szene in Brandenburg. Doch 2015 gilt als besonders dunkles Kapitel in der Geschichte der havelländischen Stadt: Eine Serie von fremdenfeindlichen Anschlägen erschüttert ganz Brandenburg. Trauriger Höhepunkt: Eine Sporthalle, die als Notunterkunft für rund 100 Flüchtlinge dienen sollte, wurde in der Nacht zum 25. August 2015 in Brand gesetzt und vollkommen zerstört. Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen, der Ruf Nauens leidet bis heute unter den Folgen.

Die Neonazi-Zelle um den Nauener NPD-Stadtverordneten Maik Schneider soll die Stadt von Jahresbeginn bis Ende August 2015 terrorisiert haben. Das Motiv: Fremdenfeindlichkeit. Die „kriminelle Vereinigung“ soll eine Nauener Stadtverordnetensitzung durch Rufen ausländerfeindlicher Parolen und Drohgebärden gesprengt, das Auto eines polnischen Staatsbürgers angezündet, eine Rohrbombe vor einem Lidl-Markt zur Explosion gebracht, ein Linken-Büro beschmiert und ein Dixi-Klo vor der Baustelle eines Übergangswohnheims in Brand gesetzt haben.

Laut Anklage seien alle Taten von der Gruppe gemeinschaftlich geplant, beauftragt und ausgeführt worden. Allein bei der Zerstörung der Turnhalle entstand ein geschätzter Schaden von 3,5 Millionen Euro. Im Zentrum des Geschehens sehen die Fahnder den Neonazi Maik Schneider, der noch in Untersuchungshaft sitzt. Er wurde als mutmaßlicher Haupttäter des Brandanschlags identifiziert.

Von MAZonline

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