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Polnischer Whistleblower steht vor Gericht

Ex-Polizist stellt Fahrraddiebe an den Pranger Polnischer Whistleblower steht vor Gericht

Sein Hund wurde vergiftet, anonyme Drohbriefe landeten im Briefkasten: Ein mutiger Ex-Polizist aus Polen ermittelte gegen eine Bande von Fahrraddieben in Frankfurt (Oder), die offenbar von der regionalen Polizei gedeckt wurde. Statt der Diebesbande steht er aber nun selbst vor Gericht.

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Mutiger Ex-Polizist: Zdzislaw Matras.

Quelle: Christel Köster

Frankfurt (Oder). Die Bundespolizei beschlagnahmt bei einer Routinekontrolle ein Dutzend gestohlener Fahrräder auf einem polnischen Kleintransporter. Zwei Polen werden mitten in Frankfurt gestellt. Zeugen halten die Männer, die sich mit einem Bolzenschneider am Schloss abgestellter Drahtesel zu schaffen gemacht hatten, bis zum Eintreffen der Polizei fest. Solche Meldungen sind Alltag im Grenzgebiet. In Frankfurt gibt es kaum jemanden, in dessen Familien- oder Bekanntenkreis nicht schon Fahrräder geklaut wurden.

Der 62-jährige Frankfurter Roland Totzauer veranstaltet ehrenamtlich Radtouren zu beiden Seiten der Oder. Am Freitag hat er sich mit gut zwei Dutzend Mitstreitern aufgemacht, um gegen die unerträgliche Grenzkriminalität zu protestieren. "Desinteressierte Politiker und Behörden in Deutschland und Polen müssen endlich wachgerüttelt werden", fordert er.

Mehr Polizeieinsätze gegen Fahrraddiebstahl im Grenzgebiet forderten diese Radler am Freitag bei ihrer Tour in Frankfurt (Oder).

Quelle: Johann Müller

Solidarität mit dem polnischen Whistleblower

"Solidarität mit Zdzislaw Matras" steht auf vielen Plakaten der rollenden Protestierer, die passenderweise von einer Polizei-Fahrradstreife begleitet werden. Der benannte 62 Jahre alte Pole ist in der Grenzregion bekannt geworden, weil er den Finger in die Wunde gelegt hat. Der Kriminalist im Ruhestand wohnt im 300-Seelen-Örtchen Lubiechnia Wielka, 20 Kilometer östlich von Frankfurt, laut Matras das "Dorf der Fahrraddiebe". Einige Nachbarn gehörten zu einer darauf spezialisierten Bande, die in Frankfurt ihr Unwesen treibt, hat er bei privaten Nachforschungen ermittelt. Gedeckt wird diese Bande offenbar von der regionalen Polizei. Auch dafür hat er Beweise zusammen getragen.

Immer mehr Diebstähle in Berlin und Brandenburg

  • 16.000 Fahrräder verschwanden 2013 in Brandenburg – das waren 17 Prozent mehr als 2012.
  • 26.000 Drahtesel wurden 2013 in Berlin gestohlen. Laut Polizei ist das ein trauriger Rekord. Hier und in Brandenburg liegt die Aufklärungsquote nur im einstelligen Bereich.
  • Deutschlandweit ist die Zahl der Fahrraddiebstähle leicht rückläufig.

Der Polizeichef von Rzepin wurde daraufhin zwar degradiert und nach Slubice versetzt, er verklagte Matras im Gegenzug jedoch wegen Verleumdung. In Lubiechnia Wielka wurde Matras’ Hund vergiftet, anonyme Drohbriefe landeten im Briefkasten. Die Ehefrau des mutigen Ex-Polizisten erlitt bereits einen Schlaganfall. Am Freitag sollte das von der Staatsanwaltschaft Slubice erhobene Strafverfahren gegen Matras vor dem Slubicer Kreisgericht fortgesetzt werden. Die Ermittlungen gegen die Fahrraddiebe von Lubiechnia Wielka wurden hingegen aus Mangel an Beweisen eingestellt. Die Behörde war deshalb am Freitag Ziel der Frankfurter Fahrrad-Demo. Der Prozess wurde allerdings kurzfristig aus Krankheitsgründen abgesagt.

Polizei ist machtlos gegen massenhaften Fahrradklau

"Macht nichts", sagt Totzauer, der Matras bereits im Mai mit dem Fahrrad in Lubiechnia Wielka besucht hatte, "wir hängten unsere Plakate gut sichtbar für alle dort auf." Matras, der von einem Geflecht an organisierten Hehlern und Dieben im polnischen Grenzgebiet spricht, habe eine Erklärung dafür geliefert, warum die Polizei oftmals so machtlos sei. Diese Courage gelte es weiter zu unterstützen.

"Der wird be straft, weil er sich traut, die Wahrheit zu sagen", empört sich die Frankfurterin Hannelore Busse. "In Frankfurt kannst Du nirgends dein Rad abstellen. Da sind regelrechte Profibanden am Werk, springen aus einem Transporter und ratzfatz ist das Schloss geknackt, das Rad verladen", sagt sie. Sogar im eigenen Keller oder Fahrradschuppen seien die Drahtesel nicht sicher, ergänzt Totzauer. Da nütze es auch nichts, gleich mehrere Räder mit mehreren Schlössern zusammenzuschließen. "Nachdem mir mehrfach mein Drahtesel geklaut wurde, die Täter aber nie ermittelt wurden, habe ich mir gar keines mehr gekauft."

Fahrräder lassen sich in Polen gut verkaufen, der Bedarf ist hoch. Doch wegen des Wohlstandsgefälles sind hochwertige Räder für viele auf legalem Weg unerschwinglich.

Von Jeanette Bederke

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